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Lufthansa streicht das Geld : Die „Tante Ju“ steht vor dem Aus

Fliegen 1.0: Im Flugzeug ist es laut, der Mittelgang ist schmal, die Sitze sind es auch. Empfindlicheren Seelen wird nicht selten nach 30-60 Minuten Flugzeit übel. Von außen aber sieht es toll aus. Bild: Andy Jacobs

Für Liebhaber historischer Flugzeuge ist es eine Schreckensnachricht: Lufthansa gibt kein Geld mehr für die legendäre Ju 52. Dabei geht es offenbar nur um kleinere Beträge.

          Für Piloten ist der Einsatz körperlich anstrengend, sie haben kaum Hydraulikunterstützung wie in einem modernen Verkehrsflugzeug. Der Motor der Junker 52 – im Volksmund „Tante Ju“ genannt – heizt das Cockpit auf bis 40 Grad auf. Laut ist es sowieso. Dennoch ist „Tante-Ju“-Fliegen unter Lufthansa-Kapitänen populär. In Spitzenzeiten erreichte die Warteliste der Piloten, die nicht bloß den A320 von Airbus oder den Jumbo von Boeing steuern wollten, mehr als 200 Einträge. Doch nun stehen die Einsätze des historischen Flugzeugs, das 2015 als erstes Verkehrsflugzeug als bewegliches Denkmal unter Schutz gestellt wurde, auf der Kippe. Der Lufthansa-Konzern will den Betrieb des Flugzeugs mit Passagieren durch die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung nicht weiter unterstützen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir bestätigen, dass die kommerzielle Vermarktung von Flügen mit unserer Ju 52 nicht fortgesetzt werden soll“, sagte ein Konzernsprecher zu Informationen aus der Stiftung. Für Liebhaber historischer Flugzeuge ist es eine Schreckensnachricht. Es steht nicht nur auf dem Spiel, dass für zahlende Passagiere die Mitreise der Vergangenheit angehört, auch der Flugbetrieb ist bedroht. Offiziell heißt es, die Stiftung suche alternative Modelle zur Erhaltung der Flugfähigkeit der „Tante Ju“. Gefunden scheinen die bislang nicht.

          Es geht nur ums Geld

          Die Deutsche Lufthansa begründet das Ende ihrer Unterstützung allein finanziell. „Der Flugbetrieb der Ju 52 wurde Jahr für Jahr mit hohen Beträgen bezuschusst. Ein wirtschaftlicher Betrieb war auch perspektivisch nicht zu erreichen“, sagt der Konzernsprecher.

          Drei Propellermotoren treiben das Flugzeug an.

          Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf hätten die Betriebskosten nie gedeckt. Dem Vernehmen nach ließ sich der Konzern seine Liebe zum Oldtimer jedoch bloß einen einstelligen Millionenbetrag kosten – bei einem Jahresüberschuss von 2,3 Milliarden Euro.

          Blick ins Cockpit der Ju52

          Sicherheitsfragen sollen für die Entscheidung keine Rolle gespielt haben. Im vergangenen Sommer war eine von der Schweizer Ju-Air eingesetzte „Tante Ju“ abgestürzt, 20 Insassen starben.

          Die Sorge, dass die Unterhaltungskosten mit steigendem Alter des Flugzeugs hochschnellen, soll für den Förderstopp eine Rolle gespielt haben. Liebhaber des Flugzeugs berichten indes, dass dies in der Vergangenheit kein Thema gewesen sei.

          So sei im Gespräch gewesen, das 1986 restaurierte Flugzeug bis zum 100. Jahrestag der Ju-52 im Jahr 2036 starten zu lassen und dann ins Museum zu bringen. Dass der letzte Abstellort nun eher erreicht wird, hält man im Lufthansa-Konzern nicht für ausgemacht.

          Die Junkers Ju 52 „Immelmann II“ mit der Kennung D-2600 von Adolf Hitler. Foto von 1934.

          „Aktuell wird die künftige Verwendung des Flugzeugs überprüft, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, erklärt der Konzern. Doch Freunde historischer Flugzeuge fühlen sich an den Fall „Super Connie“ erinnert. 2018 hatte Lufthansa für die Förderung des geplanten Passagierbetriebs eines hergerichteten Lockheed Starliners aus der Super-Constellation-Baureihe die Reißleine gezogen. Die Kosten für die Restaurierung waren aus dem Ruder gelaufen, nach Schätzungen hatte das Projekt mehr als 100 Millionen Euro verschlungen.

          Während die Motoren der JU 52 noch warmlaufen, gehen die letzten Passagiere an Bord (1934).

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