https://www.faz.net/-gqe-7rwp4

Gazakrieg : Lufthansa stellt Flüge nach Israel ein

Auch die Lufthansa fliegt Tel Aviv vorerst nicht mehr an. Bild: dpa

Die Appelle des israelischen Verkehrsministers waren vergebens: Aus Angst vor Raketenbeschuss haben zahlreiche Fluggesellschaften ihre Flüge nach Tel Aviv gestrichen, darunter Lufthansa und Air Berlin.

          2 Min.

          Die Appelle von Verkehrsminister Israel Katz haben nicht geholfen. Immer mehr europäische und amerikanische Fluggesellschaften wollen den Flughafen Tel Aviv vorerst nicht mehr anfliegen. Die israelische Regierung beteuert zwar, dass Starts und Landungen weiterhin sicher seien. Doch nachdem am Dienstag eine aus Gaza abgefeuerte Rakete in einem Ort nordwestlich des Ben-Gurion-Flughafens eingeschlagen war, begannen die Absagen: Die Lufthansa-Gruppe will alle Flüge bis zum Morgen des 24. Juli aussetzen. Davon betroffen sind auch Austrian Airlines, Swiss und Germanwings. Ihre Flüge vorerst abgesagt haben auch Air Berlin, KLM, Air France, KLM und Turkish Airlines.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zuvor hatte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA amerikanischen Gesellschaften für 24 Stunden verboten, Tel Aviv anzufliegen. Die Agentur für Flugsicherheit (EASA) will angeblich bald eine ähnliche Empfehlung herausgeben. Den Anfang hatte am Dienstag die amerikanische Fluggesellschaft Delta Airlines gemacht: Ein Flugzeug vom Typ Boeing 747 mit 290 Passagieren an Bord wurde nach dem Raketeneinschlag nach Paris umgeleitet. Außer Delta sagten auch US Airways und Air Canada ihre Flüge ab. Die israelische Fluggesellschaft EL Al wird dagegen ihren Flugbetrieb uneingeschränkt aufrechterhalten.

          Drastische Einschränkung

          Die radikalislamische Hamas hat schon seit Beginn des Gaza-Kriegs vor zwei Wochen den Tel Aviver Flughafen ins Visier genommen. Das Flughafengelände erreichten die Raketen aus Gaza aber bisher nicht. Sie wurden vom Abwehrsystem “Eiserne Kuppel” abgefangen oder schlugen an Orten ein, wo sie keinen Schaden anrichteten. Der Flughafen in Tel Aviv ist Israels Tor zur Welt und damit ein symbolisch bedeutsames Ziel, denn es gibt für Reisende praktisch keine Ausweichmöglichkeiten. Die Flughäfen von Haifa und Eilat wären zu klein. Zudem liegen sie auch in der Reichweite der Raketen von Hamas, Hizbullah und anderer Terrorgruppen. Der Linienverkehr mit Passagierschiffen wurden schon vor Jahren eingestellt. Nur der Flughafen in der jordanischen Hauptstadt Amman ist auf dem Landweg zu erreichen.

          Zu den drastischen Einschränkung, zu denen es ausgerechnet während der Hauptreisezeit kommt, hat wahrscheinlich auch der Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über der Ostukraine beigetragen. Fluggesellschaften wollten sich danach nicht vorhalten lassen, dass sie mit ihren Flügen unnötige Risiken eingehen, vermutet man in Israel.

          Am Abend wandte sich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an den amerikanischen Außenminister John Kerry. Er bat ihn, das amerikanische Flugverbot aufzuheben. Kerry hält sich zu Vermittlungsgesprächen über eine Waffenruhe in Kairo auf. Kerry wäre selbst von einem andauernden Verbot betroffen, wenn er – wie für die nächsten Tage geplant – nach Israel kommen will.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Robert Habeck (links) kann in seinem Superministerium die Kenntnisse in internationalen Finanzen von Sven Giegold gut brauchen.

          Neuer Staatssekretär : Sven Giegold hilft Habeck im Superministerium

          Für den bisherigen Europaabgeordneten bedeutet sein neues Amt eine Umstellung. Bisher war er ein Einzelspieler mit fundierter Meinung zu allem. Arbeit in der Hierarchie gilt nicht als seine Stärke.