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Sicherheitsbedenken : Lufthansa sperrt letzte Sitzreihe im A320neo

Schweres Heck? A320neo der Lufthansa Bild: dpa

Ganz hinten darf kein Passagier mehr sitzen: Lufthansa lässt ab sofort sechs Plätze in allen A320neo-Flugzeugen leer. Auslöser ist eine Sicherheitsanweisung einer Behörde.

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          Die letzte Sitzreihe ist unter Flugreisenden oft unbeliebt, dahinter sind die Toiletten, Flugbegleiter klappern in der Bordküche und das Aussteigen am Zielflughafen durch die Tür ganz vorn dauert von dort am längsten. In den A320neo-Flugzeuge der Deutschen Lufthansa muss vorerst kein Kunde mehr in der letzten Reihe sitzen – es darf sogar keiner mehr dorthin. Nicht wegen mangelnden Komforts, sondern aus Sicherheitsgründen bleibt Reihe 32 vorerst stets leer. Nur zwei Flugbegleiter dürfen dort noch Platz nehmen statt auf ihren Sondersitzen noch weiter im Heck. Der Grund: Wenn zu viele Reisende hinten sitzen, könnte das Flugzeug unter sehr speziellen Umständen am Heck zu schwer sein.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hatte schon Ende Juli einen Sicherheitshinweis – die Airworthiness Directive 2019-0189, übersetzt Lufttüchtigkeitsanweisung – veröffentlicht und Fluggesellschaften angewiesen, binnen 30 Tagen Vorkehrungen zu treffen. In dem EASA-Dokument heißt es für Laien eher kryptisch, dass Tests mit dem A320neo eine geringere Leistungsfähigkeit des Schutzes gegen einen zu hohen Anstellwinkel des Flugzeugs gezeigt hätten – allerdings nur bei bestimmten Einrichtungen des Flugzeuginnenraums und wenn bestimmte Flugmanöver geflogen werden.

          Dazu wird in Branchenkreisen beispielsweise ein sehr forsches Durchstarten nach einem abgebrochenen Landevorgang gezählt. Einerseits weist die EASA darauf hin, dass es im realen Flugbetrieb des A320neo nach ihren Erkenntnissen noch nie zu dem beschriebenen Problem gekommen sei, andererseits hat die Behörde auf Erkenntnisse aus Simulatortests mit der Anweisung reagiert.

          Lufthansa spricht von „Ad-hoc-Maßnahme“

          Die Lufthansa bestätigte, dass ab sofort bis auf weiteres die Plätze in der letzten Reihe des A320neo – der Konzern hat 20 Exemplare des Flugzeugs im Einsatz und 64 weitere bestellt – nicht mehr vergeben werden, um auf die EASA-Anweisung zu reagieren. „Als Gegenmaßnahme wird es nun eine Einschränkung der hinteren Schwerpunktgrenze geben, je nach Gewicht um bis zu 4 Prozent. Als Ad-hoc-Maßnahme wird die Lufthansa die letzte Sitzreihe der A320neo künftig blocken“, sagte ein Sprecher. Er sprach von einer „unschönen Einschränkung“. Für jeden A320neo-Flug könnten vorerst 6 Tickets und somit 3 Prozent der Kapazität weniger verkauft werden.

          Alle Beteiligten sind derweil bemüht, das Problem nicht zu große Wellen schlagen zu lassen. Denn der Begriff Anstellwinkel, der angibt, wie stark sich ein Flugzeug gegen die von vorn anströmende Luft aufrichtet, spielt auch in den Diskussionen um die Boeing 737 Max eine Rolle. Allerdings ist der Sachverhalt ein anderer: Bei der 737 Max deutet nach zwei Abstürzen vieles daraufhin, dass fehlerhafte Sensordaten eine nur vermeintliche Steillage verhindern und die Flugzeugnase zu stark nach unten drücken.

          Die Nase des A320neo könnte hingegen nach oben gehen. In Simulationen des Durchstartmanövers bei Airbus sei bei spezifischer Beladung, niedriger Höhe und bestimmten Flugmodi beobachtet worden, dass ein intensiver Steuerbefehl ein „betontes Ansteigen der Flugzeuglängsachse“ hervorrufen könne, heißt es von der Lufthansa. Laut EASA-Mitteilung könne das bloß zu einer „höheren Arbeitsbelastungen der Flugbesatzung führen“.  

          Die Gewichtsverteilung in Flugzeugen ist in der Konstruktion und im Betrieb regelmäßig Thema. So gab es auch schon Vorgaben für das Be- und Entladen, damit ein erst halb beladener Flieger nicht am Boden aus dem Gleichgewicht geraten kann. Nun keimt die Diskussion auf, wie der 2014 erstmals gestartete A320neo für alle Eventualitäten gerüstet werden kann. Airbus arbeitet an einer Lösung. Die Vorgängerversion, A320ceo, das meistverkaufte Airbus-Flugzeug, ist davon nicht betroffen.

          In die Flieger der neuen Version hatte Lufthansa zwei zusätzliche Sitzreihen einbauen lassen, um trotz Zwei-Klassen-Ausstattung mit Business und Economy Class 180 statt 168 Passagiere befördern zu können. Der nötige Platz wurde unter anderem dadurch gewonnen, dass die hinteren Toiletten und die hintere Bordküche weiter ins Heck verschoben wurden. In Branchenkreisen wird gehofft, dass ein Software-Update für die Flugzeugsteuerung die aktuelle Beschränkung wieder unnötig macht.

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