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Lufthansa : Schluss mit den Streiks

  • -Aktualisiert am

Trotz wütender Proteste der Piloten baut die Lufthansa ihr Billigangebot aus. Richtig so!

          1 Min.

          Glückwunsch an den Aufsichtsrat der Lufthansa. Er hat die richtigen Entscheidungen getroffen, um überhaupt eine Chance zu haben, dass die deutsche Fluggesellschaft im Ringen mit ihren zum Teil staatlich sehr viel stärker unterstützten internationalen Wettbewerbern noch bestehen kann. Und die Tochtergesellschaft Eurowings wird bald antreten, Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet die Stirn zu bieten. Da es im Konzern auch – noch – die Tochtergesellschaft Germanwings gibt, entsteht so die „Wings-Familie“. Dort werden Piloten ausschließlich außerhalb des Konzerntarifvertrags angestellt, der ebenfalls nicht mehr konkurrenzfähig ist.

          An dieser Stelle kommen diejenigen ins Spiel, die für ihr Verhalten in den vergangenen Monaten keinerlei Glückwünsche verdient haben: die Piloten nämlich, denen es in ihren Tarifverhandlungen gar nicht so sehr um die künftigen Gehälter, die so oder so ordentlich steigen werden, sondern um die Ruhestandsregeln geht. Die Piloten haben aus ihrer Sicht viele rationale Gründe, das Bestehende bewahren zu wollen. In jedem Fall aber haben sie unterschätzt, dass sie in ihrem Arbeitskampf unter den Kunden der Lufthansa und auch sonst in der Bevölkerung allzu wenige Fürsprecher haben. Die Piloten sind in dieser Hinsicht wahrlich nicht zu Sympathieträgern geworden. Das ist für die Streiktaktiker in der Gewerkschaft ein Problem. Lufthansa-Piloten haben in einer Bevölkerung, die in ihren jeweiligen Betrieben mit permanenten Rationalisierungsmaßnahmen und Strukturanpassungen zu kämpfen hat, keine Lobby.

          Für die Lokführer hat die Bevölkerung mehr Verständnis

          Das sieht bei den Lokführern der Deutschen Bahn anders aus. Hier gibt es immer ein gewisses Mitgefühl für Mitglieder einer Berufsgruppe, zu der keine Besserverdienenden zu zählen sind. Doch auch hier ist für die Gewerkschaften Obacht geboten. Denn die Menschen verlieren die Geduld. Seit Monaten gibt es in Deutschland kaum eine Planung einer Familienfeier mehr, in der es nicht um die Frage geht, ob man noch die Anreise mit der Bahn wagen könne. Geschäftsreisende trifft ein ähnliches Schicksal – und für diese gilt das ganz besonders mit Blick auf die Lufthansa-Streiks.

          Anders ausgedrückt: In der hektischen Vorweihnachtszeit mit ihrem Druck, die letzten Geschäfte für eine gute Bilanz unter Dach und Fach zu bringen, werden es sich sowohl Bahn- als auch Pilotengewerkschaften endgültig mit allen verderben, sollten sie stur weiter streiken. Es ist genug. Die Zeiten sind reif für eine Einigung. Und dazu könnten sich dann alle gratulieren.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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