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Lufthansa-Hauptversammlung : „Wir packen das“

Zustimmung gilt als sicher

Spohr verwies darauf, dass sich Staat zum Rückzug als Aktionär verpflichtet, sobald die Stillen Einlagen von knapp 6 Milliarden Euro zurückgezahlt sind. Das Recht des Bundes, Teile der Stillen Einlage in weitere Aktien zu wandeln, diene lediglich als Schutz gegen feindliche Übernahmen und als Sicherheit, falls Lufthansa ihrer finanziellen Verpflichtung wider Erwarten nicht nachkommen könne. Der Konzern wolle aber trotz des anstehenden Schrumpfkurses die Stille Einlage schnellstmöglich zurückführen.

Trotz kritischer Nachfragen von Aktionären gilt die Zustimmung zum Rettungspaket als nahezu sicher. Am Abend vor der Hauptversammlung hatte Großaktionär Thiele angekündigt, die nötige Zweidrittelmehrheit nicht mit seinem Stimmrechtspaket verhindern zu wollen. Damit hatte er der Versammlung einiges an Brisanz genommen. "Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen", sagte Thiele der F.A.Z. „Es liegt im Interesse aller Lufthansa-Mitarbeiter, dass das Management zügige Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die nötige Restrukturierung führen kann.“

Am Donnerstagmorgen erteilte auch die EU-Kommission erwartungsgemäß die Freigabe für das Rettungspaket. Die Freigabe steht aber unter der Bedingung, dass die größte Fluggesellschaft Europas Start- und Landerechte an ihren Hauptstandorten Frankfurt und München abgibt. Das soll es Konkurrenten ermöglichen, Basen mit je bis zu vier Flugzeugen aufzubauen. Der Billigflieger Ryanair kündigte derweil an, gegen die EU-Freigabe rechtlich vorgehen zu wollen.

Lufthansa plant nach früheren Angaben seine Zukunft mit 100 Flugzeugen weniger. „Wir haben große Aufgaben vor uns“, sagte Spohr. „Zu einem ‚new normal‘ werden wir erst 2023 kommen. Wir werden dann eine kleinere Lufthansa sein. Die dann hoffentlich wieder private Lufthansa wird aber agiler und effizienter sein“, prognostizierte er. In der Nacht zuvor hatte sich der Konzern auf einen Krisentarif mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo geeinigt.

Der Abschluss sehe ein Senken der Personalkosten um 17 Prozent gegen einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vor. Durch Teilzeit-, Ruhestands- und Abfindungsregeln soll ein Stellenabbau gelingen. Auch mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit sei man auf einem ähnlichen Weg, sagte Spohr. Schwieriger gestalteten sich Gespräche mit Verdi für das Bodenpersonal, die Verhandlungen sollten erst am Freitag fortgesetzt werden „Es muss unbedingt ein Vorankommen geben“, mahnte Spohr.

Auch für Passagiere hatte er eine Botschaft. „Viele Kunden sind enttäuscht und verärgert, weil sie auf die Erstattung ihrer Tickets für ausgefallene Flüge warten“; sagte Spohr. Dafür bitte er um Entschuldigung. Vor der Hauptversammlung hatte der Konzern mit der Tochtergesellschaft Eurowings die erste gerichtliche Niederlage  wegen ausstehender Erstattungen einstecken müssen. Nach Angaben des klagenden Rechtsdienstleisters EU-Flight erfolgte die Entscheidung ohne mündliche Verhandlung, da der Konzern nichts auf die Klage erwidert hatte. „Jeder Kunde, der seinen Ticketpreis erstattet haben möchte, wird sein Geld bekommen. Wir werden in sechs Wochen den Rückstau abgearbeitet haben.“

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