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Lufthansa-Rettung : Staat an Bord

Am Boden: Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen Bild: EPA

Gut zwanzig Jahre nach ihrer vollständigen Privatisierung steigt der Staat wieder bei der Lufthansa ein. Da die Luftfahrtbranche vor schwierigen Jahren steht, dürfte es kein Kurzstreckenflug werden.

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          Der Verhandlungspoker um die Deutsche Lufthansa hat ein Ende. Auch wenn dem nun aus Berlin vorgelegten Rettungspaket noch die Gremien der Fluggesellschaft und vor allem ihre Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung ihren Segen geben müssen – an der Erkenntnis, dass die Corona-Krise Europas größtes Luftfahrtunternehmen in eine existentielle Krise gestürzt hat, aus der es aus eigener Kraft nicht mehr herausfindet, gibt es nichts zu rütteln. Bleiben die Flugzeuge eingemottet am Boden, schmelzen die Reserven wie Butter in der Sonne. Soll die Insolvenz verhindert werden, bleibt als Helfer in der Not nur die öffentliche Hand. Gut zwanzig Jahre nach ihrer vollständigen Privatisierung hat die Lufthansa künftig also wieder den Staat an Bord.

          Die Rettung privater Unternehmen mit öffentlichen Mitteln ist ein schwerer Eingriff in die Marktwirtschaft, denn sie verzerrt den Wettbewerb und öffnet mitunter politischer Einflussnahme auf die Unternehmenspolitik Tür und Tor. Es ist legitim, wenn Berlin Kontrolle einfordert im Gegenzug für die neun Milliarden Euro, die das Rettungspaket umfasst. Dass diese Aufsicht im Fall der Lufthansa nicht durch Staatssekretäre, sondern durch entsandte Manager erfolgen soll, ist ein guter Kompromiss. Wichtig ist auch, dass die Beteiligung unterhalb jener Schwelle gehalten wird, die dem Staat eine Sperrminorität und damit einen direkten Zugriff auf das operative Geschäft gesichert hätte.

          Dennoch bleibt die Teilverstaatlichung ein riskantes Manöver. Während der Finanzkrise 2009 rettete der deutsche Staat die Commerzbank mit einem hohen Milliardenbetrag vor dem Untergang. Eigentlich wollte der Bund seine Anteile alsbald wieder abstoßen. Doch der Aktienkurs ging auf Talfahrt, und die Politik scheut bis heute die damit verbundene Realisierung enormer Verluste. Deshalb hält der Bund noch immer mehr als 15 Prozent an dem Kreditinstitut – ein Ende ist nicht in Sicht. Wer sich vor Augen führt, vor welch schwierigen Jahren die Luftfahrtbranche steht, dem dämmert, dass das Engagement des Staates bei der Lufthansa kein Kurzstreckenflug werden dürfte.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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