https://www.faz.net/-gqe-13ghe

Lufthansa-Reisen : Mit jedem Regentag wird der Flug billiger

  • -Aktualisiert am

Wenn die Aussicht auf Sonne zerrint: Lufthansa kämpft um Kunden Bild: ddp

Die Lufthansa verkauft Flugtickets mit Sonnenscheingarantie. Das heißt: Für jeden Regentag am Urlaubsort bekommen Passagiere 20 Euro erstattet. Die Markting-Idee könnte sich auch für die Kunden rechnen. Venedig, Nizza, Boston: Pokern Sie!

          2 Min.

          Die meisten Urlauber würden sofort zugreifen, wenn es eine Versicherung gegen schlechtes Wetter gäbe. Wenn sie nur einen kleinen Aufpreis zahlen müssten, um die 24-Stunden-Sonnenscheindauer am Urlaubsort gleich mitzubuchen. So eine Versicherung gibt es nicht. Aber umgekehrt geht es: Jeder Regentag macht für Urlauber bald die Ferien ein wenig billiger.

          Vorausgesetzt, sie treten die Reise zwischen dem 1. September und dem 31. Oktober an und buchen bei der Lufthansa. Die nämlich hat gerade einen Marketing-Coup gelandet: Bis zum 18. August verkauft sie Tickets mit "eingebauter Schönwetterversicherung", so nennt sie das: Wer einen Flug zu einem von 36 Zielen antritt und sich spätestens bis zum 31. Oktober in Bewegung setzt - also mitten im Herbst -, der bekommt für jeden Tag, an dem sich die graue Jahreszeit von ihrer typischen Seite zeigt und an dem mehr als fünf Millimeter Regen pro Quadratmeter fallen, 20 Euro erstattet. Das gilt bis zum 8. November.

          Venedig, Nizza, Boston: Pokern Sie!

          Die Beweggründe der Lufthansa sind klar: Ihr fehlen derzeit die Passagiere. Die Fluggastzahlen gehen zurück, und die Maschinen sind wegen der flauen Wirtschaftslage nur zu drei Vierteln ausgelastet. Also will die Fluggesellschaft mehr Menschen dazu bringen, weiter zu fliegen. All diejenigen, die sich zu den Schietwetter-Freunden zählen oder zumindest schlechtes Wetter am Urlaubsort mit Gleichmut ertragen, wenn dafür ein paar Euro extra in der Reisekasse landen, sollten darüber nachdenken.

          Bild: F.A.Z.

          Für einige Reiseziele könnte sich das Angebot nämlich richtig lohnen: Ein Flug nach Venedig zum Beispiel ist bis zum 18. August für 119 Euro zu haben. Wer im Oktober oder November dorthin fliegt, kommt auch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um ein paar Regentage herum: Sieben Tage sind es in einem durchschnittlichen Oktober, neun im November. Bekommt man eine komplette Schlechtwetterperiode ab, erhält man sogar mehr Geld von der Lufthansa und ihrem Versicherungspartner Wüba erstattet, als das Ticket gekostet hat.

          Das Gleiche gilt für Nizza-Urlauber: Zwar gibt es reguläre Lufthansa-Flüge, die sogar nur 99 Euro kosten. Aber mit dem 119-Euro-Schönwetter-Ticket könnten risikofreudige Urlauber vielleicht noch billiger reisen: Statistisch gesehen, regnet es an jedem dritten Oktober- und Novembertag an der Côte d'Azur. Die Chancen stehen also selbst für Wochenflieger gut, für 79, 59 oder sogar umsonst dorthin zu kommen.

          Auch wer schon immer mal in den Osten der Vereinigten Staaten reisen wollte, der kann pokern: Boston ist im Herbst nicht nur berühmt für seine bunten Wälder und den Indian Summer, sondern auch für seine zehn Regentage von September bis November. In New York sind es unwesentlich weniger. Das könnte den Flugpreis in beide Metropolen noch einmal um bis zu 200 Euro reduzieren und den regulären Flugpreis von 389 Euro auf bis zu 189 Euro drücken. Allerdings: Mindestens vier bis fünf Regentage sollten sich die Reisenden dann auch tatsächlich wünschen. Sonst nämlich kämen sie günstiger weg, wenn sie die billigsten Konkurrenz-Airlines nehmen, die nämlich fliegen Boston schon für 289 und New York für 300 Euro an.

          Voll konkurrenzfähig in Tel Aviv und Casablanca

          Es gibt aber auch Ziele, bei denen sich das Spekulieren auf Schlechtwetter nicht lohnt: In Abu Dhabi, Bahrein oder Kairo - wen wundert's? - scheint die Sonne erstens sowieso. Daher geht die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Flugpreis im Nachhinein verringert, stark gegen null.

          Zweitens müsste die Lufthansa den Bahrein- und Abu-Dhabi-Urlaubern eine ganz schön große Summe erstatten, damit sie mit anderen Anbietern gleichauf wäre: Andere fliegen schon für 370 bis 380 Euro auf die Arabische Halbinsel. Lufthansa-Tickets sind also 120 bis 240 Euro teurer. Auch beim Flugziel Johannesburg wird sie von anderen locker abgehängt. Voll konkurrenzfähig ist sie dagegen in Tel Aviv und Casablanca. 326 und 289 Euro kosten die Tickets dorthin. Relativ regenreich sind beide Ziele im Herbst. Es könnte also sein, dass es für Airline und so manchen Urlauber der Beginn einer wunderbaren Freundschaft wird, wenn er eines dieser Ziele bucht.

          Weitere Themen

          Daten-Governance-Gesetz kommt voran

          Gemeinsame Position : Daten-Governance-Gesetz kommt voran

          Ob künstliche Intelligenz, Medizin oder Verkehr: Daten sind ein elementarer Schlüssel für Innovationen. Die EU feiert jetzt eine Einigung, die dafür sorgen soll, dass mehr von ihnen zur Verfügung gestellt werden.

          Topmeldungen

          Reparierte Tasche: Gisela H. an der Haltestelle, wo sie den Täter traf.

          Handtaschenraub : Ein besonders hässliches Verbrechen

          Die Angst vor Kriminalität ist bei älteren Menschen sehr viel größer als das Risiko, tatsächlich Opfer eines Handtaschenraubs zu werden. Was aber, wenn es doch passiert? Gisela H. musste es am eigenen Leib erleben. Ein Besuch in Berlin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.