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Flug-Offensive : Lufthansa plant 20.000 Neueinstellungen

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Plätze frei: Lufthansa plant 20.000 Neueistellungen - auch für die Cockpits. Bild: Frank Röth

Die Phase der Corona-Kürzungen ist vorbei. Lufthansa sucht sehr viele neue Beschäftigte. Und in Berlin füllt der Konzern Lücken, die Billigflieger gerade gelassen haben.

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          Er will, dass die Deutsche Lufthansa zu den fünf stärksten Luftfahrtkonzernen der Welt gehört, daran hat Vorstandschef Carsten Spohr zuletzt keinen Zweifel gelassen. Und dafür sind mehr Qualität und mehr Personal nötig. Auf die Ankündigung einer Produktoffensive, die von Kunden gerügte Sparphasen in der Pandemie vergessen machen soll, folgt nun das große Mitarbeiterwerben.

          Lufthansa will insgesamt 20 000 Beschäftigte neu einstellen. Dass in den nächsten Jahren 30 000 neue Sitze in die Flugzeuge eingebaut werden, war schon bekannt. „Um an der Spitze der Branche zu stehen, brauchen wir engagierte und motivierte Mitarbeitende für vielfältige Aufgaben und Herausforderungen“, sagte Personalvorstand Michael Niggemann am Montag ganz im Duktus Spohrs. Der Konzern blicke „voller Ambitionen in die Zukunft“.

          Konzern hat aktuell 108.000 Beschäftigte

          Der in der Corona-Krise vollzogene Stellenabbau wird nun um ein gehöriges Maß revidiert. Vor der Pandemie zählte der Konzern 138 000 Beschäftigte. Die Zahl sank zwischenzeitlich auf 104 000. Schon zum Sommer, der durch eine starke Urlaubsnachfrage geprägt war, hatte Lufthansa aber die Wende vollzogen, Ende September zählte der Konzern wieder 108 000 Mitarbeiter – und laut der Ankündigung vom Montag sollen es Tausende mehr werden.

          Doch die Bewerbersuche ist schwieriger geworden, mit Radiospots und Annoncen auf Social-Media-Portalen will Lufthansa dennoch genügend Interessierte finden – gesucht werden neben Flugbegleitern und Piloten auch Techniker in der Flugzeugwartung, IT-Fachleute und Juristen, offene Positionen gebe es in 45 Berufen, erklärte der Konzern. Benötigt würden aber „vor allem noch Menschen in produktnahen und serviceorientierten Bereichen“. Man brauche Verstärkung, „wir haben noch viel vor“, wurde Niggemann zitiert.

          Eurowings springt in Lücken von Ryanair und Easyjet

          Die neuen Stellen entstehen nicht nur bei der Muttermarke Lufthansa, sondern auch in Tochtergesellschaften wie Eurowings. Der Günstigableger will auf dem Berliner Hauptstadtflughafen BER Lücken füllen, die die Billigfluganbieter Easyjet und Ryanair dort nach Kürzungen in den Flugplänen gelassen haben. „Andere ziehen sich zurück, wir bauen auf“, kündigte Eurowings-Chef Jens Bischof am Montag in Berlin an, ohne die Rivalen namentlich zu erwähnen.

          Eurowings will zum kommenden Sommerflugplan, der Ende März 2023 in Kraft tritt, die Zahl der in Berlin stationierten Flugzeuge auf sechs verdoppeln. Etwa 100 der in der Beschäftigungsoffensive entstehenden neuen Stellen dürften allein auf Eurowings in Berlin entfallen. Da auch Eurowings-Jets von anderen Basen die Hauptstadt ansteuern, soll das Sitzplatzangebot dort noch stärker zulegen.

          Vor allem Easyjet hatte zuletzt sein Berlin-Angebot immer weiter gestutzt. Nach der Insolvenz von Air Berlin war das britische Unternehmen angetreten, die deutsche Hauptstadt zu seinem größten Standort außerhalb des britischen Heimatmarktes zu machen. Mehr als 30 Flugzeuge setzte die Airline von Berlin aus ein, nach Abschluss der aktuellen Sparrunde sollen es noch elf sein.

          Auch Ryanair kürzte das Angebot um etwa 40 Prozent. Als Grund führte Ryanair-Chef Michael O’Leary die in Berlin fälligen hohen Gebühren und Abgaben an. Die sind zwar an anderen deutschen Flughäfen höher, doch tatsächlich dürfte der Billigflieger auf Strecken außerhalb Deutschlands zuletzt höhere Margen erzielt haben. Auch Eurowings-Chef Bischof sagte, dass sich der Standort Deutschland Gedanken über ein sich „aufaddierendes Kostenniveau“ machen müsse.

          Am Montag wartete er mit allerlei Details zu den Hauptstadtplänen des Lufthansa-Konzerns auf. Urlaubsziele wie Antalya, Rhodos und Zypern sollen künftig von Eurowings angesteuert werden, dazu mehr Städte in Skandinavien. Auch innerdeutsche Flüge sollen wieder ausgebaut werden. Einst galt die Verbindung nach Düsseldorf als Rennstrecke, vor Corona gab es bis zu 18 tägliche Flüge je Richtung, aktuell sind es halb so viele. Nun sollen es „deutlich mehr als zehn“ werden.

          Einen Berliner Wunsch erfüllt Lufthansa derweil nicht. Der Konzern richtet keinen Langstreckenflug aus der Hauptstadt ein. Fernreisende müssen weiter in Frankfurt oder München umsteigen. Dabei hatte Lufthansa jüngst öffentlichkeitswirksam ein Boeing-787-Langstreckenflugzeug von der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) auf den Namen Berlin taufen lassen. Im Linienbetrieb kommt es vorerst nie dorthin.

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