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Schwacher Ausblick : Lufthansa-Chef kassiert Ziel seines Vorgängers

Die Lufthansa will im Passagiergeschäft dauerhaft schwarze Zahlen einfliegen. Bild: dpa

Der neue Lufthansa-Boss Carsten Spohr distanziert sich vom ambitionierten Plan seines Amtsvorgängers Christoph Franz. Vielleicht storniert Europas größte Fluggesellschaft sogar schon bestellte neue Maschinen.

          Wenige Wochen nach ihrem Führungswechsel verlautbart die Deutsche Lufthansa, dass sie in diesem Jahr deutlich weniger Gewinn einfliegen wird als bisher gedacht. Aufgrund schwacher Geschäfte in Europa und Nordamerika werde der operative Gewinn bis Ende 2014 nur noch rund 1 Milliarde Euro betragen, teilte Europas größte Fluggesellschaft mit. Noch beim Amtsübergang zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Christoph Franz und seinem internen Nachfolger Carsten Spohr Anfang Mai war von einem Ergebnis zwischen 1,3 Milliarden und  1,5 Milliarden Euro die Rede.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Investoren reagierten auf die drastische Korrektur enttäuscht. Der Aktienkurs des Lufthansa-Konzerns, der an der Börse gegenwärtig etwa 8 Milliarden Euro wert ist, verlor am Mittwoch zeitweise um mehr als 12 Prozent und gehörte damit zu den größten Verlierern im deutschen Standardwerte-Index Dax. Der neue Lufthansa-Chef habe die Ziele jetzt so gesteckt, dass er damit kein Risiko eingehe, kommentierte Jürgen Pieper von der Privatbank Metzler die revidierte Gewinnprognose.

          Spohr will Anfang Juli seine neues Konzept präsentieren, das den Konzernumbau seines Vorgängers fortsetzen und das lange defizitäre Passagiergeschäft auf Dauer in der Gewinnzone halten soll. Nach Angaben von Finanzvorstand Simone Menne machen der Lufthansa vor allem die Überkapazitäten auf den Nordatlantikstrecken zu schaffen, die zu einem deutlichen Preisverfall und geringeren Erlösen in diesem Segment führten.

          Erschwerend kommt hinzu, dass vor allem Geschäftskunden im Nachgang des mehrtägigen Pilotenstreiks im Mai über mehrere Monate zögerlich gebucht hätten. Davon sei wiederum der Verkehr über die Flughafen-Drehkreuze Frankfurt und München massiver betroffen als jene Strecken, die von der Tochtergesellschaft Germanwings abseits  der beiden Heimatbasen der Lufthansa bedient werden. Im Europaverkehr steht Germanwings unter Druck von Billigflug-Anbietern wie Easyjet oder Ryanair , während auf der Langstrecke die Fluggesellschaften  aus der Golfregion oder Turkish Airlines Kunden und Marktanteile streitig machten.

          Die Erlöse seien sowohl im Passagier- als auch im Frachtgeschäft hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sagte Menne. Für Europa nannte sie einen Erlösrückgang von 1,0 bis 1,5 Prozent. Neben dem Preisverfall sind zudem weitere Kostenbelastungen von jeweils 60 Millionen Euro durch den jüngsten Pilotenstreik sowie durch Wertberichtigungen auf Forderungen in Venezuela spürbar, sagte Menne weiter. Vor diesem Hintergrund werde die Lufthansa ihr Flugangebot im kommenden Winterflugplan spürbar reduzieren. Möglicherweise werde dies auch im kommenden Jahr fortgesetzt.

          Darüber hinaus würden auch sämtliche Flugzeugbestellungen bei Airbus und Boeing unter die Lupe genommen, ob sie verschoben oder sogar abgesagt werden müssten. Welches Bestellvolumen intern zur Debatte steht, sagte Menne nicht. Der Lufthansa-Rivale Emirates hatte am Mittwoch rund 70 Langstrecken-Flugzeugen des Typs A350 von Airbus wieder abbestellt. Der Wert des Auftrags beträgt laut Listenpreisen rund 16 Milliarden Euro. Allerdings sind in der Branche Rabatte von bis zu 50 Prozent durchaus üblich.

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