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Lufthansa-Kommentar : Die falsche Zeit für zähe Verhandlungen

  • -Aktualisiert am

Leere Plätze: Werden an Bord dieses Airbus A430 jemals wieder Lufthansa-Passagiere sitzen? Bild: AFP

Erst bekommt Lufthansa ein Milliarden-Hilfspaket vom Staat, nun droht das Management mit Tausenden Kündigungen. Für viele ist das bitter, doch die Krise verlangt Opfer von allen Beteiligten.

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          Erst ein staatliches Hilfspaket von 9 Milliarden Euro für Lufthansa – dann die Androhung Tausender Kündigungen durch den Konzern. Es war erwartbar, dass diese Abfolge zu bissiger Kritik führt. Staatlicher Beistand und Entlassungen mögen auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen. Doch die Krise verlangt Opfer von allen Beteiligten. Der Steuerzahler muss akzeptieren, dass der Staat Milliarden ausreicht, die wohl erst in einigen Jahren zurückfließen. Das Management des Konzerns nimmt Einbußen hin, einige Führungskräfte verlieren ihre Posten. Den Lufthansa-Aktionären blieb nur, zähneknirschend zu akzeptieren, dass ihre Geldanlage weniger wert ist. Daher ist auch von den Beschäftigten zu erwarten, dass sie einen Sanierungsbeitrag leisten, um einen Großteil der Stellen zu sichern.

          Für Gewerkschaften gilt in der prekären Lage des Konzerns und der Luftfahrt dasselbe wie für den Lufthansa-Großaktionär Heinz-Hermann Thiele. Dem wäre größtes Unverständnis entgegen geschallt, wenn er wegen seiner – mitunter nicht unberechtigten – Kritikpunkte die Rettung des Konzerns torpediert hätte. Gewerkschaften müssten auch mit solch einem Echo rechnen, wenn sie – trotz aller Zumutungen – allzu forsch in Krisen-Tarifgespräche gehen und eine Lösung verhindern.

          Viel zu magere Ausbeute

          Ein großes Manko des staatlichen Rettungspakets war, dass viel zu viel Zeit verstrich, bis es geschnürt war. Nun nehmen bedauerlicherweise die Tarifgespräche denselben Verlauf. Dabei muss allen Beteiligten klar sein, dass für den Konzern, der zuletzt 550 Millionen Euro im Monat verbrannte, nicht endlos Zeit bleibt. Zur Erinnerung: Zum Aktionärstreffen, das das staatliche Hilfspaket billigte, wollte man sich geeinigt haben. Das ist sechs Wochen her! Es fehlt bis heute jeglicher sicherer Abschluss, nur mit der einst besonders streitbaren Flugbegleitergewerkschaft Ufo gibt es ein Verhandlungsergebnis, das die Beschäftigten aber erst noch absegnen müssen. Eine äußerst magere Ausbeute.

          Die nächsten Monate werden in der Luftfahrt nicht einfach: Billigflieger wie Ryanair haben schon angekündigt, ihr Flugprogramm schnell wieder aufzustocken. Ein Preiskampf am Himmel ist absehbar. Die Krise ist die falsche Zeit für den großen Verhandlungspoker. Das von Lufthansa ausgegebene Ziel, möglichst auf Kündigungen zu verzichten, war von Anfang an wackelig. Wenn nun mehr Stellen wegfielen, weil nicht alle zu schmerzlichen Einschnitten bereit sind, wäre das betrüblich.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

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