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Vor Hauptversammlung : Lufthansa-Großaktionär Thiele füllt die Kriegskasse

Der Knorr-Bremse-Unternehmer widmet sich nun einem neuen Wirtschaftszweig: der Luftfahrt Bild: F.A.Z.

Dass Hans-Hermann Thiele offenbar auf die Bundesregierung zugehen will, bedroht die kommende Hauptversammlung und den ausgehandelten Rettungsplan. Nur: Will der Milliardär das Geld überhaupt in die Lufthansa stecken?

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          Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele hat sich vor der entscheidenden außerordentlichen Hauptversammlung zum Staatseinstieg frisches Geld besorgt. Die von ihm kontrollierte KB Holding teilte am Donnerstagabend mit, acht Millionen Aktien von Knorr-Bremse zu verkaufen. Der Ertrag der Transaktion solle der Unterstützung der anderen privaten Investments von Thiele dienen, hieß es in der Mitteilung. Zudem hat Thiele einem Zeitungsbericht zufolge das Gespräch mit der Bundesregierung gesucht. In einem Interview der F.A.Z. hatte der Milliardär zuvor den geplanten Staatseinstieg bei Europas größter Fluggesellschaft kritisiert.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Sollte es zu einem direkten Gespräch zwischen dem Lufthansa-Ankeraktionär und der Bundesregierung kommen, so wird dies nach Informationen der F.A.Z. erst in der nächsten Woche, also wenige Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung der Fluggesellschaft am Donnerstag, sein. Genauso ist zu vernehmen, dass der 79 Jahre alte Mann, der zu den reichsten Deutschen zählt, unverändert an einer konstruktiven Lösung interessiert sei.

          Im Interview mit der F.A.Z. hatte er betont, nichts blockieren zu wollen. Eine neue Lösung könnte allerdings darin münden, dass die virtuell ausgetragene Hauptversammlung  kurzfristig abgesagt werden könnte. Denn eine Kompromisslösung würde sehr wahrscheinlich bedeuten, dass der einzige Tagesordnungspunkt, der über den Einstieg des Bundes bei der Lufthansa, hinfällig wird.

          Was hat Thiele mit dem Geld vor?

          Fraglich bleibt, was Thiele mit dem Erlös von schätzungsweise 750 Millionen Euro aus dem Verkauf eines Pakets von 5 Prozent der Anteile an seinem Unternehmen Knorr-Bremse AG, einem Zulieferer für die Bahn- und Nutzfahrzeugindustrie, vorhat. Die Aktien hat er außerbörslichen an institutionelle Investoren abgegeben. Damit reduziert er seinen Anteil von 75 auf 70 Prozent. Zwar sind Signale zu vernehmen, dass dieser Vorgang angeblich nichts mit seinen derzeitigen Engagement bei der Lufthansa zu tun habe. Zweifel daran sind dennoch angebracht, allein schon wegen der zeitlichen Nähe.

          Die am Dienstag gemeldete Aufstockung seines Lufthansa-Anteils von 10 auf 15 Prozent kostete Thiele etwa 250 Millionen Euro. Mit dem Erlös aus dem Knorr-Bremse-Aktienpaket könnte er also ohne weiteres seinen Anteil deutlich ausbauen – nicht nur über die Börse und durch den direkten Erwerb von anderen Lufthansa-Anteilseignern, wie er es bislang getan hat.

          Äußerst spekulativ, aber zumindest denkbar ist, dass Lufthansa eine Kapitalerhöhung von zunächst 10 Prozent unter Ausschluss des Bezugsrechtes durch Ausgabe neuer Aktien nahe dem aktuellen Börsenkurs vollziehen und Thiele diese neuen Aktien übernehmen könnte. Kurzfristig würde er der Fluggesellschaft so dringend benötigtes frisches Geld beisteuern. Angesichts des massiven Geldabflusses reicht das nicht, um Lufthansas Probleme zu lösen. Es könnte aber – so eine weitere Spekulation – Teil eines neu zu schnürenden Gesamtpaketes auch mit Unterstützung des Bundes sein.

          Der Konzern hatte auf Thieles Äußerungen in der F.A.Z. hin vor einem Scheitern des staatlichen Rettungspakets gewarnt. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung sei nicht ausgeschlossen, sollten die Aktionäre nicht zustimmen, hieß es. Die Lufthansa befürchtet, dass Thiele angesichts der üblicherweise schwachen Präsenz von Aktionären auf Hauptsammlungen den Rettungsplan blockieren könnte.

          Der neun Milliarden Euro umfassende Rettungsplan für die Lufthansa sieht bislang vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro geplant.

          Im Gegenzug für die Hilfe muss Lufthansa angesichts von Auflagen der EU-Kommission 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben. Spohr will den Anteilseignern zudem ein Sparkonzept präsentieren. Es drohen Stellenabbau und herbe Einschnitte.

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