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Flugbegleiter-Streik : Worum es im Streit von Lufthansa und Ufo geht

Maschinen der Lufthansa am Frankfurter Flughafen. Bild: Reuters

1,8 Prozent mehr Gehalt fordert die Gewerkschaft und will am Sonntag die Drehkreuze in Frankfurt und München bestreiken. Andere Punkte als der kleine Aufschlag dürften aber viel wichtiger sein.

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          Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo will eine Phase langer interner Querelen hinter sich lassen. Mit einem Streikaufruf an Beschäftigte der Deutschen Lufthansa soll alte Stärke demonstriert werden. Am Sonntag sollen Flüge der Konzernmuttermarke Lufthansa von 6 bis 11 Uhr von den Flugbegleitern bestreikt werden, teilte Ufo am Montag mit. Der Konzern reagierte gelassen: „Wir sind zuversichtlich, den Flugbetrieb störungsfrei aufrecht erhalten zu können“, sagte ein Sprecher. Lufthansa geht somit davon aus, dass viele Beschäftigte nicht dem Aufruf der Gewerkschaft folgen werden.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Chancen, den Ausstand durch kurzfristige Gespräche abzuwenden, gebe es auch kaum. Denn der Lufthansa-Konzern ist seit Monaten nicht zu Verhandlungen mit Ufo bereit. Er bezweifelt, dass die Gewerkschaft nach ihren internen Querelen noch einen rechtmäßig bestimmten Vorstand hat. Bei Ufo sieht man das anders. „Statt mit Ufo über einen Tarifvertrag zu einer Lohnerhöhung von 1,8 Prozent zu verhandeln, mauert der Konzern mit dem vorgeschobenen Grund der fehlenden Vertretungsbefugnis“, sagte der Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr am Montag.

          In der Auseinandersetzung geht es formal um die 1,8-Prozent-Forderung. Gewerkschaften – nicht zuletzt die Piloten – hatten in der Vergangenheit bei Lufthansa aber viel höhere Wünsche angemeldet. Außerdem hat Ufo eine sehr kurze Laufzeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember vorgeschlagen. Für den Konzern steht daher fest, dass es sich um eine vorgeschobene Forderung handle. Für die Gewerkschaft soll die Auseinandersetzung derweil auch ein Befreiungsschlag werden, man will wieder als Arbeitnehmervertretung wahrgenommen werden, die sich nicht nur an der Zerfleischung der eigenen Funktionäre abarbeitet, sondern für Beschäftigte kämpft – und das auch darf.

          Lufthansa will Rechtsmittel gegen Entscheidung prüfen

          Bei Ufo sieht man sich bestärkt durch eine erstinstanzliche Entscheidung des Frankfurter Arbeitsgerichts. Das hatte Ende September entschieden, dass die Kündigung von Tarifverträgen durch die Gewerkschaft wirksam ist. Lufthansa hatte das bestritten und darauf verwiesen, dass die Gewerkschaft nach vielen internen Streitereien aus Konzernsicht keinen ordnungsgemäß bestimmten Vorstand mehr habe. Lufthansa hat angekündigt, Rechtsmittel gegen die Arbeitsgerichtsentscheidung zu prüfen.

          Lufthansa führt zudem einen anderen Rechtsstreit als Erklärung an, warum man mit Ufo aktuell nicht verhandeln wolle und könne. Der Konzern hat vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht beantragt, den Status von Ufo als Gewerkschaft zu überprüfen. Eine Entscheidung dazu wird erst im kommenden Frühjahr erwartet. Während man bei Ufo schon aus dem jüngsten Urteil herausliest, dass der eigene Status gesichert sein dürfte, dürfte man im Lufthansa-Konzern darauf setzen, nach der einen Schlappe in diesem Verfahren die Konzernsicht bestätigt zu bekommen.

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