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Lufthansa erholt sich : Substanzverlust ist gestoppt

  • -Aktualisiert am

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Lufthansa landet auf dem Flughafen Stuttgart. Bild: dpa

Trotz Corona-Krise hält der Lufthansa-Chef seine Fluggesellschaft auf Kurs. Doch der langfristige Erfolg steht und fällt mit der Erholung des Langstreckengeschäfts.

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          Weltläufigkeit ist der Erfolgsfaktor einer großen Fluggesellschaft. Solange im Zuge der Corona-Pandemie Lockerungen der Reisebeschränkungen für USA und Asien ausbleiben, ist die Deutsche Lufthansa wohl noch weit davon entfernt, die Vorteile ihrer globalen Präsenz auszuspielen.

          Die zur Zeit anziehenden Buchungen im europäischen Reiseverkehr geben in diesem Umfeld zwar durchaus Anlass zur Hoffnung. Doch um zur gewohnten Stärke einer internationalen Airline zurückzukehren, ist eine Belebung des Langstreckengeschäfts allein schon aus strategischen Gründen unverzichtbar. Schließlich machten bei der Lufthansa vor dem Beginn der Corona-Krise die Fernflüge nach Nordamerika gut 50 Prozent der Flugkapazitäten sowie einen ähnlich hohen Anteil am Gewinn im Passagiergeschäft aus.

          Zurück zum unternehmerischen Freiraum

          Dass die Reisebeschränkungen in den USA für geimpfte Passagiere aus Europa womöglich bis zum Herbst und auch in China bis zum Jahresende fallen werden, ist vor diesem Hintergrund der wichtigste Hoffnungswert für Konzernlenker Carsten Spohr.

          Um die Finanzszene für die geplante Mega-Kapitalerhöhung einzustimmen, kann das Management nach Vorlage der aktuellen Zahlen auf den Erfolg verweisen, dass der drohende Substanzverlust im Konzern gestoppt ist. Dabei sind die Effekte von anziehenden Buchungen in Europa ebenso wie die eines harten Sparplans, der zum Abbau von rund 30.000 Stellen im Konzern führt, deutlich sichtbar. Neben einem geringeren Verlust im Tagesgeschäft kann Lufthansas Finanzchef Remco Steenbergen erstmals seit Beginn der Krise einen Zufluss an liquiden Mitteln (Cash Flow) im Konzern verbuchen.

          Ganz im Gegensatz zum Passagiergeschäft konnten zumindest die Tochtergesellschaften Lufthansa Cargo (Fracht), Lufthansa Technik (Wartung) und LSG (Bordverpflegung) von der globalen Präsenz ihres Mutterkonzerns direkt profitieren. Sie steuerten in der aktuellen Halbjahres-Bilanz deutlich höhere Ergebnisbeiträge als bisher bei.

          Dass Spohr trotz Corona-Krise seine Fluggesellschaft auf Kurs hält, muss vor allem die Investoren überzeugen. Denn der Lufthansa-Chef ist mit Hochdruck bemüht, seinen staatlichen Großaktionär aus Berlin bald loszuwerden und die bislang gewährten Staatshilfen des Bundes von rund 4 Milliarden Euro schnell zurückzuzahlen. Nur ohne die Auflagen eines staatlichen Großaktionärs gewinnt Spohr den nötigen unternehmerischen Freiraum zurück, um seinen Konzern bei der Konsolidierung in der Luftfahrt neu auszurichten. Ob die dazu geplante Kapitalerhöhung noch vor der Bundestagswahl im September durchgezogen wird, ließen Spohr und sein Finanzchef jedoch offen.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

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