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Lufthansa-Einigung : „Wir sind an Lösungen interessiert“

Die 44 Jahre alte Richterin versucht zu vermitteln, ganz Verhandlungsstrategin verfolgt sie mal diese, mal jene Taktik: Ein „Aufatmen“ sei am Morgen schon durch das Gericht gegangen, als der Streik schon lief und noch kein Antrag auf einstweilige Verfügung eingegangen sei, plaudert sie fröhlich; die Atmosphäre wird spürbar lockerer. Um 10 Uhr trudelte der erste Antrag ein. „So kann man sich täuschen“, sagt sie lachend. Wenig später versucht sie zu erinnern: „Sie müssen ja auch in Zukunft gedeihlich zusammen arbeiten.“ Dann pfeift sie die Lufthansa zurück: „Sie merken ja: Hier sind sie ein Stück zu weit gegangen“. Schließlich wird sie eindringlich: „Sie müssen zurück an den Verhandlungstisch – und zwar schnell.“

Nach einem dezenten Hinweis auf die Rechtsprechung zum Streikrecht scheint der Widerstand endgültig zu bröckeln. Thomas von Sturm, Leiter der VC-Tarifkommission, deutet erstmals an, dass die Gewerkschaft ihre umstrittenste Forderung zur Ausgleichszahlung zurückziehen könnte. „Aber das müssen wir noch abstimmen.“ Später wird der markige Pilot versuchen, die Wende im Prozess herunterzuspielen. Die Gewerkschaft habe die Forderung lediglich zur Klarstellung zurückgenommen, sagte er. Schließlich räumt er ein, ansonsten wäre man wohl „rechtlich in die Bredouille“ gekommen. Jedenfalls gehe es nicht darum, „sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen“. „Wir sind an Lösungen interessiert.“

Alle Beteiligten sind des voll des Lobes

Doch soweit ist es noch nicht, zunächst müssen sich die Parteien abstimmen. Als es länger dauert als erwartet, witzelt ein Zuschauer im Saal: „Jetzt verhandeln sie schon“. Auf Arbeitgeberseite dauert der Abstimmungsprozess, schließlich ist der Arbeitskampf Vorstandssache. Um 19:44 ist eine Einigung zum Greifen nahe: „Ich hätte niemals geglaubt, dass wir hier mit einer Einigung rausgehen“, räumt Ubber ein. „Doch wir kommen dem mit großen Schritten näher.“ Schließlich diktiert die Richterin der Protokollführerin den Vergleich in den Computer: Die Parteien werden „unverzüglich und bedingungslos“ Verhandlungen über Vergütungs- und Manteltarifforderungen aufnehmen – und zwar „im deutschen Tarifgebiet“. Außerdem wird Cockpit die Tarifforderung bezogen auf die LH Italia nicht weiter aufrecht erhalten und die laufenden Arbeitskampfmaßnahmen unverzüglich, spätestens aber ab 23.59 Uhr aussetzen. Damit müssen alle Piloten „schnellstmöglich ihre Arbeitsleistung wieder erbringen“. Bis zum 8. März 2010, 24 Uhr, herrscht jetzt Friedenspflicht.

Am Ende eines langen Streiktages sind alle Beteiligten des Lobes voll, vor allem für die Richterin: Das Ergebnis sei vor allem der „recht engagierten Arbeitsrichterin“ zu verdanken, findet Cockpit-Präsident Winfried Streicher und versichert: „Es war nie unsere Absicht, in die unternehmerische Freiheit eingreifen zu wollen“. Die so gelobte Arbeitsrichterin wiederum lobt die Verfahrensbeteiligten, die „sachlich und fair“ verhandelt hätten, und die Deutsche Lufthansa zeigte sich angesichts des jähen Streikendes von seiner optimistischen Seite. Noch am Abend wurden „erste Gespräche auf Arbeitsebene“ aufgenommen, gab der Konzern postwendend bekannt. Spätestens am 8. März um 24 Uhr wird man mehr wissen.

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