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Fluggesellschaft warnt : „Langer, harter Winter“ für die Lufthansa

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr Bild: dpa

Wann kann wieder ohne große Hürden in die USA und nach China geflogen werden? Bei Lufthansa will sich niemand mehr festlegen. Vorstandschef Carsten Spohr dämpft Erwartungen.

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          Die Krise sorgt für ungeahnte Gefühle. „Das war schon lange nicht mehr so, dass ich mich zwei Wochen im Voraus auf einen Langstreckenflug freue“, gesteht Carsten Spohr, der Vorstandschef der Deutschen Lufthansa. Zuletzt sei es wohl zu Beginn seiner Laufbahn so gewesen, als er noch häufiger als Pilot im Cockpit und nicht auf der Vorstandsetage saß, sagt der 54 Jahre alte Spohr. In weniger als zwei Wochen wird er nun wieder über den Atlantik nach Chicago reisen. Es prickele sicher auch bei anderen Reisenden ein bisschen, wenn sie nach längerer Pause wieder fliegen.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Prickeln vor der Atlantikquerung können reguläre deutsche Lufthansa-Kunden allerdings aktuell nicht erleben. Spohr wird mit einer Ausnahmegenehmigung auf dienstlicher Tour sein, grundsätzlich gilt für Bürger aus Deutschland unverändert ein Einreiseverbot für die USA. Lufthansa fehlt daher Geschäft. Eine Prognose, wann Amerika öffnet, will niemand im Konzern abgeben. Ursprünglich hatte man zum Sommer darauf gehofft. Ähnlich unklar sind die Perspektiven beim Blick ostwärts. Ein Wiederanlaufen des China-Verkehrs ohne große Beschränkungen wird erst 2022 erwartet.

          Kurs der Lufthansa-Aktie fällt

          Das Ziel, 2021 auf das gesamte Jahr gerechnet rund 40 Prozent des Vorkrisengeschäfts zu erreichen, sieht Spohr aber nicht bedroht. Allerdings sind dafür nun vor allem Urlauberflüge ans Mittelmeer und innereuropäische Strecken wichtig. Das einst lukrative Langstreckengeschäft verharrt in der Warteschleife. „Wir bereiten uns darauf vor, dass das noch mal ein langer, harter Winter wird für uns als Airline“, sagt Spohr.

          An der Börse führt diese Aussicht dazu, dass der Kurs der Lufthansa-Aktie fällt. Am Dienstag war sie mit einem Minus von rund 2 Prozent einer der großen Verlierer im M-Dax. Das Lufthansa-Papier rutschte auf den tiefsten Stand seit November 2020, bevor Hoffnungen durch Impfstoffe Auftrieb gegeben hatten. Eine Analyse des Bankhauses Metzler trug mit dazu bei. Investoren bereiteten sogenannte Impfdurchbrüche – Fälle von Personen, die sich trotz Impfung infizierten – Sorgen, heißt es darin.

          „Während Dax-Konzerne schon wieder Rekorde feiern, sind wir froh, aktuell 50 Prozent des Vorkrisengeschäfts zu erreichen“, sagt Spohr. Trotzdem schaffe der Konzern im Sommer einen positiven Cashflow. Vor der Pandemie wäre das bei einem derart reduzierten Geschäft nahezu ausgeschlossen gewesen, nun aber gelinge es dank der Sparanstrengungen der vergangenen Monate.

          Cargo-Sparte auf Rekordkurs

          Viel besser läuft das Frachtgeschäft von Lufthansa Cargo. „Alles unter einem operativen Ergebnis von einer Milliarde Euro wird nicht akzeptiert“, sagt Spohr scherzhaft in Richtung der Logistiksparte. Tatsächlich wäre es ein historischer Rekord. Als er vor rund einem Jahrzehnt in den Konzernvorstand eingezogen sei, sei ein bereinigter operativer Gewinn vor Zinsen und Steuern von einer Milliarde Euro das Ziel für den Gesamtkonzern gewesen. 2021 hat Lufthansa Cargo Spohrs neue Vorgabe schon Ende Juni zu fast zwei Dritteln erfüllt gehabt. Die Frachtsparte profitiert davon, dass es in der Corona-Pandemie weniger Beilademöglichkeiten auf Passagierflügen gibt und dass der zeitaufwendigere Seetransport wegen Engpässen teurer geworden ist.

          Dass sich die Erholung für den Gesamtkonzern hinzieht, komme nicht überraschend, so Spohr. „Es gab in der Pandemie viele Fehleinschätzungen, eine war stets richtig: Wir in der Luftfahrt waren als Erste betroffen und werden als Letzte herauskommen.“ Er erinnert sich an ein Treffen von Unternehmenslenkern vornehmlich aus der Pharmabranche, zu dem der Chef des Darmstädter Pharmakonzerns Merck, Stefan Oschmann, im Frühjahr 2020 auch Spohr eingeladen hatte. Damals seien die Pharmamanager einhellig der Ansicht gewesen, dass eine Pandemie zwei Jahre dauern werde. „So falsch lagen die damals nicht“, sagt Spohr. Ihm gehe es nun darum, dass Lufthansa nicht bloß irgendwie die Krise überstehe, sondern auch hinterher zu den Top-5-Airlines der Welt ­zähle.

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