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Deutsche Lufthansa : Spohr darf 5 Jahre weiter führen

Der Vorstandsvorsitzende der Lufhansa AG Carsten Spohr. Bild: EPA

Unter Carsten Spohr war die Lufthansa der große Gewinner nach der Air-Berlin-Insolvenz. Trotzdem warten auf den Konzern weitere Herausforderungen.

          Keineswegs leicht, dafür aber wendungsreich war das vergangene Jahr für Carsten Spohr, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Lufthansa. Nicht alles, was er zunächst anstrebte, hat er im Poker um Teile aus dem Betrieb des insolventen Konkurrenten Air Berlin bekommen, beim Air-Berlin-Ferienflugableger Niki stellte sich die EU-Kommission quer. Dennoch ist der Lufthansa-Konzern ein großer Gewinner des jüngsten Verteilungskampfes im deutschen Luftverkehr. Und der 51 Jahre alte Spohr soll nun länger an der Spitze der Lufthansa stehen. Der Aufsichtsrat hat seinen Vertrag um fünf Jahre bis Dezember 2023 verlängert. Der Konzern verkündete die Entscheidung einen Tag bevor Lufthansa an diesem Donnerstag den dritten Rekordgewinn in Folge vermelden könnte. Für die drei Quartale bis Ende September hatte der Konzern das stärkste Neun-Monats-Ergebnis in der Unternehmensgeschichte gemeldet.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Zeiten, dass einige Kontrolleure skeptisch auf den Verkehrspiloten und Wirtschaftsingenieur-Diplom schauten, scheinen vorbei. „Er genießt höchstes Vertrauen aller Aufsichtsräte, die sich in großer Einigkeit für seine Vertragsverlängerung ausgesprochen haben“, sagt der Lufthansa-Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Ludwig Kley über Spohr, der seit 2011 dem Konzernvorstand angehört und seit 2014 den Vorsitz inne hat. In dieser Zeit habe Spohr die Modernisierung des Konzerns „konsequent und sehr erfolgreich“ vorangetrieben. Auch der Tarifkonflikt mit den Piloten, der zu Streiks mit Ausfällen führte, ist gelöst.

          Auf dem Heimatmarkt die Stellung verteidigt

          Einst sah man in der Zentrale aufstrebenden Billigfluganbietern wie Ryanair beim Wachsen zu, während der eigene Günstigableger Germanwings ein Schattendasein fristete. Unter Spohr entstand die neue Billigflugplattform Eurowings, die mit rund 190 Jets in den Sommerflugplan startet und die Kernmarke auf Strecken abseits der Drehkreuze Frankfurt und München ergänzt oder ersetzt hat. Dass noch nicht die kurzfristige Zielgröße von 210 Flugzeugen erreicht ist, liegt daran, dass man Niki nicht unter das Eurowings-Dach holen durfte.

          Allerdings blieb dem Konzern auch die Zahlung eines Kaufpreises in niedriger dreistelliger Millionenhöhe erspart. Und mit dem Unternehmer Niki Lauda, der wortgewaltig um Niki kämpfte und die Gesellschaft zu seiner Laudamotion holte, dürfte der Konzern einen nicht allzu schweren Herausforderer bekommen haben. Im Sommer wird Laudamotion aller Voraussicht nach mit mehreren Jets im Auftrag von Eurowings fliegen, da es für Lauda schwer geworden wäre, die Sitzplätze anderweitig zu füllen.

          Auf dem Heimatmarkt hat der Lufthansa-Konzern seine Stellung gegen andere Interessenten für Air Berlin und gegen Gesellschaften verteidigt, die kostengünstig in Lücken springen wollten, die die Insolvenz gerissen hat. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hatte in einer Flugplananalyse ermittelt, dass im Sommer 54 Prozent aller Starts von deutschen Flughäfen von einer Marke des Lufthansa-Konzerns durchgeführt werden, 2017 war es noch nicht die Mehrheit.

          Spohr hat allerdings früh gemahnt, dass mittelfristig nach dem Wegfall von Air Berlin eher mehr Flüge von Deutschland aus angeboten werden, der Konkurrenzkampf sich also verschärfen wird. Und dafür muss er weiter Kosten senken. Noch ist nicht jede Eurowings-Strecke profitabel, vor allem im Langstreckengeschäft liegen Herausforderungen. Und auf das Air-Berlin-Aus folgt die Debatte um die Zukunft der italienischen Alitalia. Spohr würde sich mit Lufthansa dort gern verstärken, allerdings erst nach einer gründlichen Restrukturierung, zu der in Italien noch die Bereitschaft fehlte.

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