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Nach Staatsausstieg : Milliardär Kühne stockt bei Lufthansa auf

  • Aktualisiert am

In Frankfurt geparkte Lufthansa-Maschinen im Sommer 2020 Bild: Reuters

Der Bund ist bei der Deutschen Lufthansa ausgestiegen und hat seine letzten Anteile mit Gewinn verkauft. Der Großaktionär Klaus-Michael Kühne greift zu und baut seinen Einfluss aus.

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          Zwei Jahre nach der Rettung in der Corona-Pandemie hat der deutsche Staat seine letzten verbliebenen Lufthansa-Aktien verkauft. „Damit findet die Stabilisierung der Lufthansa ihren erfolgreichen Abschluss. Lufthansa ist wieder vollständig in privater Hand“, sagte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr am Mittwoch. 

          Mit dem Staatsrückzug rückt ein anderer Großaktionär des Konzerns in den Fokus: der Logistikunternehmer und Milliardär Klaus-Michael Kühne. Die Kühne-Holding habe ihren Gesamtanteil an der Lufthansa auf 17,5 Prozent aufgestockt, bestätigte eine Sprecherin am Mittwoch. Bislang war Kühne mit einem Anteil von 15,01 Prozent schon größter Anteilseigner der Lufthansa. Zuvor hatte das “Handelsblatt“ berichtet, dass Kühne im Zuge des Staatsrückzugs seine Beteiligung ausbaut. 

          Nicht äußern wollte sich die Holding zu der Frage, ob Kühne einen Sitz im Aufsichtsrat besetzen werde. Dem Zeitungsbericht zufolge ist geplant, dass ein Vertrauter Kühnes nun einen Sitz im Lufthansa-Aufsichtsrat erhalten soll. Vorgesehen sei Kühnes Vertrauter Karl Gernandt. Spätestens zur Hauptversammlung im Frühjahr 2023 solle dafür ein Sitz in dem Gremium freigemacht werden. 

          Kühne hatte Interesse bekundet

          Die Weichen für den Zukauf Kühnes scheinen in einem Gespräch des Unternehmers mit Lufthansa-Chef Spohr und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Ludwig Kley gestellt worden zu sein. Über diesen Termin hatte Kühne selbst berichtet, ohne allerdings ins Detail zu gehen. Doch zumindest sein Entschluss muss im Zusammenhang mit diesem Termin gereift sein.

          Er habe sich nach dem „konstruktivem Gespräch“ mit Spohr und Kley „der Absicht angeschlossen, bei sich bietenden Gelegenheiten weitere Lufthansa-Aktien zu erwerben“, erklärte Kühne vor einer Woche. Zuvor hatte er sich eher ablehnend zu einem Ausbau seines Engagements geäußert.

          Noch im August hatte Kühne der F.A.Z. zu einem möglichen Zukauf gesagt: „Im Prinzip hätte ich Interesse, aber eine solche Aufstockung steht nicht zur Diskussion.“ Bei Lufthansa dürfte indes das Interesse an einem Ankeraktionär, der sich dem Traditionsunternehmen verbunden fühlt, groß gewesen sein. Vor der Pandemie hatte der Konzern lange Zeit keinen Anteilseigner, dessen Beteiligung hervorstach. 

          Staat macht insgesamt 760 Millionen Euro Gewinn

          Für den Bund gerät der Ausstieg bei Lufthansa lukrativ. Die verbliebenen 74,4 Millionen Aktien, ein 6,2-Prozent-Anteil an dem Konzern, wurden für 455 Millionen Euro bei Investoren platziert, teilte die Finanzagentur des Bundes mit. Gekauft hatte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes die Papiere für je 2,56 Euro, nun platzierten die Deutschen Bank und Goldman Sachs die Aktien zum Stückpreis von 6,11 Euro. 

          Lufthansa-Chef Spohr dankte der vorherigen und aktuellen Bundesregierung sowie den Steuerzahlern für die Unterstützung in der Pandemie. Zugleich wies er darauf hin, dass die im Sommer 2020 begonnen Rettungsaktion für den Bund auch finanziell lohnend war. „Die Stabilisierung der Lufthansa war erfolgreich, und sie zahlt sich auch finanziell für die Bundesregierung und damit für den Steuerzahler aus“, sagte Lufthansa-Chef Spohr.

          Auch Jutta Dönges, die den WSF als Geschäftsführerin der Finanzagentur verantwortet, spricht von einer „erfreulichen Bilanz“ zum Ende der WSF-Beteiligung. „Die für den WSF insgesamt erzielten Erlöse aus der Veräußerung der Aktienbeteiligung in Höhe von 1,07 Milliarden Euro übersteigen den zum Erwerb der Beteiligung eingesetzten Betrag von 306 Millionen Euro mit 760 Millionen Euro deutlich“, sagte sie.

          Im Sommer 2020 hatte der Bund einen 20-Prozent-Anteil übernommen. 2021 wurde eine erste Tranche veräußert, kurz danach zog der WSF aber bei einer Kapitalerhöhung mit und erwarb nochmals neue Aktien. Im laufenden Jahr wurde die Beteiligung schrittweise abgebaut. Nun steigt der Staat steigt früher aus, als er sich zum Ziel gesetzt hatte: Eigentlich sollte der WSF die restlichen Aktien erst bis zum Herbst 2023 verkaufen, nachdem Lufthansa alle Stillen Einlagen des Staates getilgt hatte. 

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