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Luftfahrt : Neue Generation Golf

Uns gehört die ganze Welt: Stand der Emirates Airlines auf der TourismusmesseITB Bild: dpa

Mitten in der Krise halten die Fluggesellschaften vom Golf - Emirates, Etihad und Qatar Airways - nicht mit ihren ehrgeizigen Wachstumszielen und teuren Einkaufstouren hinter dem Berg. Eine Provokation für die Konkurrenz in Europa.

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          Die Symbolik spricht für sich. Um auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin Flagge zu zeigen, scheuten die Manager von Emirates Airlines weder Mühe noch Kosten. Eine riesige Weltkugel, die als bunte Hülle für den dreistöckigen Besucherraum dient, dominiert die 484 Quadratmeter große Standfläche in Halle 22. Der aufwendig konstruierte Blickfang, der einen Umfang von 65 Metern hat und sich alle 30 Minuten um die eigene Achse dreht, soll Konkurrenten wie Geschäftspartnern den Anspruch der staatlichen Fluglinie aus Dubai signalisieren, im Luftfahrtgeschäft ganz vorne mitzumischen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weitgehend unbeeindruckt von den Folgen der Wirtschaftskrise forciert die 1985 gegründete Gesellschaft ihre Expansion: „Wir nutzen die Chancen, die sich durch die Zurückhaltung unserer Wettbewerber und die schwache Nachfrage in einigen Märkten ergeben und bauen unser Streckennetz und die Kapazitäten wie geplant aus“, sagt Nabil Sultan, der für das Europa-Geschäft zuständige Topmanager von Emirates.

          Großeinkauf: 168 Passagier-Jets für 58 Milliarden Dollar

          Rechtzeitig zum Start der ITB in Berlin gab der Anbieter aus Dubai bekannt, die Zahl seiner Flüge im laufenden Geschäftsjahr um 14 Prozent steigern zu wollen und die Strecken in die Wachstumsregion Australien systematisch zu erweitern. Zuvor hatte die Gesellschaft, die damit mehr als 100 Ziele in 61 Ländern anfliegt, von den Herstellern Boeing und Airbus insgesamt 168 Passagier-Jets mit einem Auftragswert von 58 Milliarden Dollar eingekauft. „Wir sehen weiterhin große Chancen in Asien, Afrika und der Golfregion, wo wir beim Umsatz bis zu zweistellige Zuwachsraten verzeichneten“, sagt Sultan. Vom jüngsten Rückgang bei Geschäftsreisen oder Urlaubsflügen, der den europäischen Konkurrenten Air France-KLM oder British Airways hohe Verluste beschert und die Deutsche Lufthansa zur Korrektur ihrer Gewinnziele zwang, zeigt sich seine Gesellschaft kaum betroffen. „Wir arbeiten laufend an unserer Effizienz, indem wir für straffe Arbeitsabläufe sorgen und so unsere Kosten im laufenden Geschäftsbetrieb um rund 15 Prozent im Jahr senken.“

          Mit der Aufgabe, Wachstum und Kostenkontrolle aus eigener Kraft zu steuern, sei die Führung vollauf beschäftigt. „Wir planen keine Zukäufe und haben keine Kapazitäten im Management, um neue Gesellschaften zu integrieren“, sagte Sultan. Jüngsten Gerüchten, seine Gesellschaft wolle sich am deutschen Konkurrenten Air Berlin beteiligen, erteilte er daher eine klare Absage.

          Nicht nur Emirates zeigt sich beim Geschäftsausblick für den Luftverkehr optimistisch. Mit Etihad und Qatar Airways, die ebenfalls auf der ITB deutlich Flagge zeigen, drücken weitere Anbieter aus der Golfregion bei der Expansion aufs Tempo. „Wir werden bis Jahresende unsere Flotte von 42 auf 52 Maschinen vergrößern und unser Streckennetz um 6 neue Zielorte erweitern“, kündigte James Hogan, Geschäftsführer der von Abu Dhabi aus gesteuerten Fluglinie Etihad, an. Ähnlich wie Emirates hatte sich seine Gesellschaft bei Airbus und Boeing mit insgesamt 100 neuen Flugzeugen eingedeckt, deren Auftragsvolumen 43 Milliarden Dollar beträgt. Auf solche Listenpreise werden jedoch, je nach Auftragslage und Bestellwert, hohe Rabatte von bis zu 50 Prozent gewährt.

          Die Werbeplattform der ITB, auf der bis zum Sonntag mehr als 11.000 Aussteller vertreten sind, will auch Qatar Airways für sich nutzen. Die von Doha aus gesteuerte Fluglinie zieht beim Ausbau von Flugzielen und -frequenzen mit den Konkurrenten aus der Nachbarschaft mit und will sich dabei auf die Wachstumsregion Indien konzentrieren. Lag das Passagiervolumen im vergangenen Geschäftsjahr noch bei 10 Millionen Fluggästen, soll sich diese Zahl bis Jahresende auf 12 Millionen vergrößern. Bis 2013, so die Vorgabe, will Qatar zudem die Zahl seiner Flugzeuge auf rund 110 Passagierjets nahezu verdoppeln.

          Die Konkurrenz in Europa provoziert

          Die ehrgeizigen Wachstumsziele und die teuren Einkaufstouren von Emirates, Etihad & Co. provozieren die Konkurrenz in Europa, die auf die schwache Nachfrage mit Schnitten bei der Kapazität reagiert oder Kurzarbeit plant. Dabei profitieren die Anbieter aus dem Mittleren Osten offenkundig von der Standortpolitik ihrer Regierungen, die die Region des Persischen Golfes systematisch zum Flughafen-Drehkreuz für den internationalen Luftverkehr ausbauen wollen. Fast zwangsläufig sind die Golf-Fluglinien mit dem Vorwurf konfrontiert, ihr Wachstum auch durch Subventionen zu finanzieren. Emirates-Manager Sultan weist einen solchen Verdacht weit von sich: „Wir haben als Unternehmen im Staatsbesitz anfänglich von staatlicher Hilfe profitiert“, gibt er selbstbewusst zu. „Heute sind wir als kommerziell erfolgreiches Unternehmen jedoch in der Lage, unseren Kurs selbst zu bestimmen und mit eigenen Mitteln zu finanzieren.“

          Dank der direkten Drähte zur Regierung in Dubai kann beispielsweise Emirates den neu errichteten Terminal 3 am städtischen Heimatflughafen exklusiv nutzen, der seit Oktober 2008 in Betrieb ist und dessen neue Abflughalle sich über einer Fläche von 33 Fußballplätzen erstreckt. Ein weiterer Terminal vor Ort soll bis 2011 entstehen. Durch die zügige Expansion, die die Regierung forciert, soll das jährliche Passagieraufkommen am Dubai International Airport binnen 3 Jahren von 37 Millionen auf 70 Millionen Fluggäste steigen. Langfristig peilen die staatlichen Flughafenplaner sogar ein Volumen von 160 Millionen Passagieren an. Ähnliche Projekte wie in Dubai sind auch in der Nachbarschaft in Arbeit: So investiert die saudi-arabische Metropole Dschidda rund 11,3 Milliarden Dollar in einen neuen Großflughafen.

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