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Luftfahrt : Lufthansa Cargo schmiedet Allianz in China

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Bild: F.A.Z.

Als erste ausländische Fluggesellschaft wird die Lufthansa ein Joint-Venture mit einem chinesischen Luftfahrtunternehmen gründen. Vom südchinesischen Shenzhen aus will sie den asiatischen Markt bedienen.

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          Als erste ausländische Fluggesellschaft wird die Deutsche Lufthansa AG ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Luftfahrtunternehmen gründen. "Die Verträge sind bis auf wenige Details ausgehandelt, noch im Oktober wird unterzeichnet", heißt es in der Branche.

          Dann entsteht eine neue Luftfrachtgesellschaft, an der Lufthansa Cargo AG 25 Prozent und die chinesische Gesellschaft Shenzhen Airlines 51 Prozent halten werden. Die restlichen 24 Prozent der Anteile werden bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) liegen. Sitz des neuen Unternehmens wird das südchinesische Shenzhen, gegenüber von Hongkong. Die Millionenstadt, bekannt als Freihandelszone und zweiter Börsenplatz Chinas, ist das Eingangstor zum Perlflußdelta, der sogenannten "Fabrik der Welt".

          Innerasiatisches Geschäft

          Derzeit verhandeln die Partner noch darüber, wie das neue Unternehmen seine Flotte aufbauen soll. Da Lufthansa aber kein Kapital für den Kauf von Maschinen in die Hand nehmen wird, läuft alles auf Leasing-Verträge hinaus. Mittelfristig ist durchaus an den Ausbau des Flughafens in Shenzhen mit weiteren Frachtterminals gedacht. Die geplante Investitionssumme dürfte im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen. Die DEG, ein Tochterunternehmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), so heißt es noch hinter vorgehaltener Hand, betrachte ihren Beitrag als Entwicklungsförderung - im Perlflußdelta entsteht einer der größten zusammenhängenden Wirtschaftsräume der Erde.

          Im Konzept der Lufthansa wird Shenzhen die Rolle zufallen, vor allem das innerasiatische Geschäft abzudecken. Bis zu zehn neue Zielflughäfen könnten dank der Gründung mittelfristig in das Netz eingebunden werden. Bislang bedient Lufthansa Cargo, die zu einhundert Prozent in Händen der Lufthansa liegt, mit ihren knapp 5000 Mitarbeitern 450 Zielorte rund um die Erde. Mit der strategischen Allianz WOW verfügen Lufthansa Cargo, Singapore Airlines Cargo, SAS Cargo und Japan Airlines Cargo seit Mitte 2003 gemeinsam über ein integriertes Luftfrachtsystem.

          Viertgrößte Handelsnation der Welt

          Lufthansa baut mit dem ersten grenzüberschreitenden Gemeinschaftsunternehmen einer Fluggesellschaft in China konsequent ihr Geschäft im Reich der Mitte aus. Schon in den vergangenen Jahren lagen ihre Verkehrserlöse im Frachtgeschäft in der Region Asien-Pazifik deutlich über denjenigen der restlichen Regionen der Welt. 2003, unter dem Eindruck der Lungenkrankheit Sars, erzielte Lufthansa Cargo in Fernost mit 947 Millionen Euro fast 47 Prozent ihrer gesamten Verkehrserlöse. Die Tendenz ist steigend. Erst vergangene Woche kündigte Chinas Handelsminister Bo Xilai an, die Ein- und Ausfuhren seines Landes würden in diesem Jahr erstmals die Schallmauer von 1000 Milliarden Dollar nehmen.

          Schon 2003 war China mit 850 Milliarden viertgrößte Handelsnation der Welt. In den ersten sieben Monaten lag die Summe der Im- und Exporte 38 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Künftig wird Lufthansa Cargo auch in Shenzhen wie schon in Schanghai von den besseren innerchinesischen Konditionen profitieren, etwa bei den Löhnen. Mitte Mai hatte Lufthansa Cargo ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Flughafenbetreiber Shenzhen Airport Co. Ltd. gegründet, um gemeinsam ein Frachtterminal zu gründen.

          Strategischer Partner Air China

          Die neue Betreibergesellschaft, die sich nun als Grundstein für die neue Fluglinie erweist, gehört beiden Partnern zu gleichen Teilen (F.A.Z. vom 18. Mai). In der Shenzhen gegenüberliegenden chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong hat Lufthansa Cargo erst im Sommer 2003 ein Charter-Competence-Center für Asien eröffnet. Das internationale Frachtgeschäft wird in erster Linie vom Flughafen in Pudong bedient, der Neustadt von Schanghai. Lufthansa Cargo hält 29 Prozent an der dortigen Shanghai Pudong International Airport Cargo Terminal Co. Ltd. Bei Shanghai Airport Corp. liegt mit 51 Prozent die Mehrheit der Anteile, 20 Prozent hält ein lokales Frachtunternehmen.

          Unmittelbar oder mittelbar ist beim Ausbau des Lufthansa-Geschäftes in China immer wieder ihr strategischer Partner Air China beteiligt. So hält Air China auch an Shenzhen Airlines, mit der jetzt das Frachtunternehmen gegründet wird, einen Anteil von 25 Prozent. "Die enge Zusammenarbeit mit Air China hat gerade während der Krise im Zuge von Sars den rapiden Rückgang an Frequenzen von Passagiermaschinen und damit den Verlust von Kapazität in der Region Fernost abfedern können", heißt es im Geschäftsbericht von Lufthansa Cargo.

          Einbindung der Chinesen

          Auch hat Lufthansa eine Partnerschaft mit der privaten Shanghai-Airlines geschlossen, die in China in einem Luftfahrtbündnis mit Air China arbeitet. Auf 15 Jahre Erfahrung können die beiden Partner bei Ameco Beijing (Aircraft Maintenance & Engineering Co.) zurückblicken: Anfang der kommenden Woche wird Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber in Peking eine Verlängerung des Partnerschaftsvertrages für den Flugzeug-Instandhaltungsbetrieb für ein Vierteljahrhundert unterschreiben. An Ameco hält Air China 60 Prozent, 40 Prozent liegen bei Lufthansa. "Gegenseitige Verläßlichkeit, hohe Professionalität und große Fairness sind die Basis des Gemeinschaftsunternehmens", lobte Mayrhuber gerade die Zusammenarbeit.

          Trotz der engen Netzwerkes der Verbindungen mit Air China werden die Deutschen als führende Fluggesellschaft des Netzwerkes Star Alliance noch auf die Einbindung der Chinesen warten müssen. Bis es zum formalen Beitritt kommen werde, müßten wohl zuerst die Eigentumsverhältnisse um Air China geklärt werden, heißt es.

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