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Luftfahrt : Konjunkturschwäche trifft auch die Lufthansa

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Die Lufthansa leidet unter den hohen Treibstoffkosten Bild: ddp

Die anhaltende Finanzmarktkrise und die Konjunkturschwäche treffen Lufthansa verstärkt. Deutschlands größte Fluggesellschaft hat ihre Erwartungen für das operative Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr zurückgenommen. Lufthansa-Chef Mayrhuber begründete die Senkung der Prognose vor allem mit der Entwicklung des Ölpreises.

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          „Die Krise hat uns auch erreicht“, sagte Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber am Mittwoch bei Vorlage der Quartalszahlen in Frankfurt. Der Vorstand rechnet für das kommende Jahr wegen der Finanzkrise und ihrer möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft mit einer gedämpften Nachfrage.

          Daher soll das Flugangebot im kommenden Jahr nur noch um rund ein Prozent wachsen. Mit den 53 bereits bestellten Flugzeugen will die Lufthansa größtenteils alte Maschinen ersetzen und damit ihre Kapazitäten nur geringfügig ausbauen. Allerdings werden die neuen Flugzeuge kostengünstiger betrieben und ermöglichen auf diese Weise eine höhere Produktivität.

          Gewinneinbruch im dritten Quartal

          Zudem bauen Mayrhuber und Finanzvorstand Stephan Gemkow auf die Flexibilität der Organisation, die sie schon in der Luftfahrtkrise nach 2001 ausgezeichnet hat. Gemkow und Mayrhuber verwiesen auf die im Vergleich zu anderen europäischen Fluggesellschaften gute Finanzstruktur der Gesellschaft. Neben einer vorhanden Liquidität von 4 Milliarden Euro gebe es bei rund 30 Banken Kreditlinien von 2 Milliarden. Und schließlich weise man das zweithöchsten operative Ergebnis von 1,1 Milliarden Euro aus. Letzteres hatte die Lufthansa am Dienstagabend von knapp 1,4 Milliarden Euro nach unten korrigiert.

          Mit Blick auf den Gewinneinbruch im dritten Quartal zeigte sich Mayrhuber kritisch. Mit den Zahlen sei er nicht zufrieden, ebenso wenig mit dem für 2008 erwarteten operativen Ergebnis von 1,1 Milliarden Euro. „Wir wollen mehr“, sagte er. Die Dividende soll, wie Gemkow andeutete, nun niedriger ausfallen als im Vorjahr. Die Lufthansa-Aktie legte bis zum Mittag dennoch um 5,3 Prozent auf 9,93 Euro zu.

          Ausbau der Streckennetzes wird verlangsamt

          Im abgelaufenen Quartal litt die Lufthansa vor allem im Passagiergeschäft unter den hohen Treibstoffpreisen. Bei den Treibstoffkosten für 2008 erwartet Gemkow Ausgaben von 5,4 Milliarden Euro – rund 200 Millionen Euro weniger als zuletzt angekündigt. Im kommenden Jahr dürften 5,6 Milliarden allerdings erreicht werden, sagte er. Der Konzernumsatz legte um 3,7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis brach um mehr als die Hälfte (53,4 Prozent) auf 279 Millionen Euro ein. Das Konzernergebnis, das im Vorjahr von Sondereffekten profitiert hatte, ging noch stärker als erwartet auf 149 Millionen Euro zurück. Nun will die Lufthansa weiter Kosten senken.

          Das Streckenangebot wird im laufenden Jahr nur noch um 5,2 statt um 7,1 Prozent ausgebaut (zusammen mit Swiss 6,3 Prozent). Im kommenden Jahr soll das Flugangebot nur noch um 0,8 Prozent wachsen (mit Swiss 1,2 Prozent). Ohne die neuen Strecken ab Mailand-Malpensa würde es sogar schrumpfen. Den Einstellungsstopp in der Verwaltung und dem Passagiergeschäft hält die Lufthansa unbefristet aufrecht.

          Lufthansa übernimmt Mehrheit an BMI

          Lufthansa übernimmt die Mehrheit an ihren Beteiligungen der britischen BMI und Eurowings. Die AK Industriebeteiligung, die 50,9 Prozent der Anteile an Eurowings hält, habe ein Kaufangebot der Lufthansa angenommen, hieß es am Mittwoch im Quartalsbericht der größten Fluggesellschaft. Zum 31. Dezember dieses Jahres würden die Unternehmensanteile auf die Lufthansa übertragen, die damit Alleineigentümerin von Eurowings wird.

          Zu Eurowings gehört auch der Billigflieger Germanwings. Auch der Mehrheitseigner der britischen Fluglinie British Midland (BMI), Michael Bishop, hat seine Verkaufsoption gegenüber der Lufthansa ausgeübt. Damit ist Lufthansa verpflichtet, die Mehrheit an BMI zu erwerben. Lufthansa ist schon mit 30 Prozent an BMI beteiligt, die Kaufoption stammt aus dem Jahr 1999.

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