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Luftfahrt : Für neue Landebahnen versetzt China Berge

Bahn frei: 50.000 Bauern mussten dem neuen Flughafen in Kunming weichen Bild: Christian Geinitz

Die Luftfahrt in Fernost wächst rasant - und damit auch der Bedarf an neuen Flughäfen. Kurz nach der Erweiterung des alten Flughafens bekommt Peking deshalb noch einen neuen dazu - und was im Weg ist, muss weichen.

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          Die Chinesen können sogar Berge versetzen. Für den neuen Flughafen in Kunming, der Hauptstadt der Südprovinz Yunnan, haben die Arbeiter fast einhundert Meter eines Hügels abgetragen und die Erde anderswo wieder aufgeschüttet. Denn der Grund und Boden ist wertvoll in China, und man wollte möglichst wenig Ackerland vergeuden. 50.000 Bauern mussten umgesiedelt werden, das ist wenig für chinesische Verhältnisse. Die Gesamtfläche des Flughafens in rund 2100 Metern Höhe umfasst 23 Quadratkilometer.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          „Wir haben hier mehr Erde bewegt als am Drei-Schluchten-Staudamm“, sagt Bauleiter Zhu Weirong stolz. „Die haben 160 Millionen Kubikmeter umgeschichtet, wir mehr als 200 Millionen.“ Zhu hat alle Zahlen parat und präsentiert sie gern. Seine Arbeiter verbauen 400.000 Tonnen Stahl, davon allein 28.000 für die kühne Dachkonstruktion der fast 5 Hektar großen Flughafenhalle. 20.000 Menschen arbeiten auf der Baustelle, die Gesamtkosten betragen 19 Milliarden Yuan (2,2 Milliarden Euro).

          Weitaus größer als Frankfurt

          Nach nur drei Jahren Bauzeit soll der neue internationale Flughafen von Kunming im Juli in Betrieb gehen. Zunächst sind zwei Start-und-Lande-Bahnen geplant, später vier. Die Kapazität beträgt zu Beginn 38 Millionen Passagiere im Jahr, im Endausbau sind bis zu 80 Millionen vorgesehen. Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt fertigt etwa 51 Millionen Fluggäste ab. Ginge Kunming heute in Betrieb, gehörte die Anlage sofort zu den 20 größten Flughäfen der Welt.

          Nachdem erst 2007 das Terminal 3 im Flughafen von Peking eröffnet wurde, soll bald schon der Bau eines zusätzlichen Flughafens starten

          Der bisherige Innenstadtflugplatz schafft nach Verdoppelung seiner Kapazität nur 19 Millionen Abfertigungen im Jahr und platzt aus allen Nähten. Das alte Gelände, mit dessen Verkauf ein Teil des neuen bezahlt wird, hat bald nur noch historische Bedeutung: Die Amerikaner legten den Platz im Zweiten Weltkrieg an, um ihre Truppen über den Himalaja hinweg nach China einzufliegen. Von Indien aus sollten sie die Kuomintang gegen die Japaner unterstützen.

          Weitere Ausbauten unumgänglich

          „Noch kennt unseren neuen Flughafen kaum jemand im Ausland, aber das wird sich ändern“, sagt Zhu. Yunnan, das an Burma, Vietnam, Laos und fast auch an Thailand und Indien grenzt, entwickele sich zu einem internationalen Touristenzentrum, zur Drehscheibe für West- und Südwestchina und zum Knotenpunkt für die neue Freihandelszone mit der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten Asean. „Wir bauen hier den viertgrößten Flughafen Chinas nach Peking, Guangzhou und Schanghai“, sagt Zhu begeistert. „Das will schon etwas heißen.“

          Das Flughafenprojekt in Kunming ist das derzeit größte in China, aber keineswegs das einzige. Nach Angaben der Chinesischen Generalverwaltung für die Zivilluftfahrt (CAAC) sind zehn weitere im Bau. Seit 2005 habe man bereits 33 neue Flughäfen in Betrieb genommen und mehr als 70 erweitert oder renoviert. Die Investitionen in die Infrastruktur und in den Kauf neuer Flugzeuge hätten in dieser Zeit 1000 Milliarden Yuan (116 Milliarden Euro) betragen. Die Zivilflotte umfasse jetzt 1604 Maschinen, 863 mehr als vor fünf Jahren. Gegenwärtig stünden im ganzen Land 175 zivile Flughäfen zur Verfügung, zu denen aber nur 76 Prozent der Bevölkerung Zugang hätten. Deshalb seien weitere Ausbauten unumgänglich.

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