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Luftfahrt : EADS kommt auch mit dem Tiger zu spät

Später Einsatz: Der Tiger Bild: Reuters

Die Lieferung des Tiger-Kampfhubschraubers von Eurocopter verzögert sich um Jahre. Das Bundesverteidigungsministerium droht mit dem Stopp der Abnahme. Nach dem A400M droht dem EADS-Konzern nun ein neues Debakel.

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          Das Bundesverteidigungsministerium hat die Abnahme der Kampfhubschrauber vom Typ Tiger des europäischen Herstellers Eurocopter vorerst gestoppt. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters in Berufung auf ein internes Papier des Verteidigungsministeriums. Ein Sprecher des Ministeriums wollte die Meldung nicht direkt kommentieren, beklagte aber erhebliche Verspätungen bei der Lieferung durch die EADS-Tochtergesellschaft Eurocopter. Laut Vertrag hätten 67 Tiger bis Ende 2009 an die Bundeswehr geliefert werden sollen, doch nur elf seien eingetroffen, der letzte davon im vergangenen Dezember. Kein einziger sei für den Einsatz oder die operationelle Ausbildung tauglich. „Eklatante Probleme mit der Verkabelung“ seien ein wichtiger Grund für die Verzögerungen. Offenbar scheuern sich Kabel auf. Insgesamt liege das Tiger-Programm fünf Jahre hinter dem ursprünglich vereinbarten Zeitplan, teilt das Bundesverteidigungsministerium mit.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Eine Eurocopter-Sprecherin bestätigte die Verzögerungen und verwies auf getroffene Gegenmaßnahmen im Bereich der Endmontage, auf die man sich mit dem Verteidigungsministerium geeinigt habe. Damit seien die Hubschrauber einsatzfähig, wie die von Frankreich in Afghanistan geflogenen Tiger zeigten. Im Juni und Juli würden zwei Hubschrauber mit den korrekten Spezifikationen an die Bundeswehr ausgeliefert.

          Heftige Spannungen zwischen EADS und Verteidigungsministerium

          Die Produktionspannen erhöhen die bereits heftigen Spannungen zwischen dem Bundesverteidigungsministerium und dem EADS-Konzern. Besonders deutlich traten diese beim Streit um die Nachzahlungen des ebenfalls notorisch verspäteten Militärtransporters A400M hervor, als Deutschland härter als andere europäische Nationen ein Entgegenkommen von EADS forderte. Beim Tiger geht es erneut um die Einhaltung der von EADS unterschriebenen Verträge. Ein EADS-Sprecher verwies auf die Komplexität des Hubschraubers sowie die verschiedenen Versionen für die Militärs der Kundenländer Deutschland, Frankreich, Spanien und Australien. Doch EADS hat sich per Vertragsunterschrift zur Erfüllung dieser Aufträge verpflichtet. Die Bundeswehr hat bereits 1999 80 Stück bestellt. Nun rechnet sie damit, dass sie frühestens Ende 2012 über genügend Maschinen für einen „durchhaltefähigen Einsatz“ verfügt. Die Auslieferung der ersten einsatzfähigen Maschinen dürfte frühestens November 2011 erfolgen. Danach müssen die Maschinen von wehrtechnischen Dienststellen zugelassen, und die Piloten ausgebildet werden. Die Zeit drängt, denn Militärexperten beklagen vor allem für den deutschen Einsatz in Afghanistan einen Mangel an Kampfhubschraubern. Derzeit behilft man sich mit den Geräten der Amerikaner. Frankreich hat dagegen seit dem vergangenen Jahr drei Tiger in Afghanistan im Einsatz, die bisher rund 1000 Stunden flogen. Darauf verwies Ende April auch Tom Enders, Chef der EADS-Tochtergesellschaft Airbus und Präsident des Bundesverbandes für Luft- und Raumfahrt (BDLI). „Wir stapeln Hubschrauber, weil nicht genügend Leute da sind auf Seiten der Beschaffer, diese Hubschrauber abzunehmen. Wir sind gebeten worden, nicht so viele zu produzieren“, sagte Enders bei der Vorlage der BDLI-Jahreszahlen.

          Das Bundesverteidigungsministerium räumt personelle Engpässe bei der Musterzulassung und Güteprüfung ein, berichtet jedoch, diese nun zu beheben. Vor allem aber habe der Tiger aufgrund seiner schweren Mängel das Zulassungsstadium gar nicht erreicht, sagte ein Sprecher. „Es gibt kein Material, das zu prüfen ist“. Die französischen Tiger sind zudem weniger anspruchsvoll als die deutsche Version. Die von Deutschland bestellten Modelle, die im Eurocopter-Werk von Donauwörth endmontiert werden, verfügen unter anderem über spezielle Sichtgeräte und Anti-Panzer-Raketen.

          „Das ist ein Armutszeugnis“

          Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt, hatte schon Ende April von Lieferschwierigkeiten des Tigers berichtet. Der Wehrexperte der SPD-Fraktion im Bundestag, Hans-Peter Bartels, machte dafür Eurocopter und die Bundeswehr verantwortlich. „Das ist ein Armutszeugnis für die Industrie und die Beschaffungsbürokratie der Bundeswehr“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Der Hubschrauber werde nicht mehr in Afghanistan zum Einsatz kommen, weil die deutschen Soldaten bis dahin abgezogen seien, lautet seine Prognose. Die Bundeswehr habe die falsche Bewaffnung bestellt, denn der ursprünglich noch während des Kalten Krieges konzipierte Hubschrauber könne vor allem Panzer bekämpfen und Bunker brechen. „Über eine Bordkanone wie die französische Tiger-Version verfügt das deutsche Modell nicht.“ Die Bundeswehr pocht jedoch auf Einhaltung der Verträge. Der Auftragswert der bestellten Flugzeuge beläuft sich insgesamt auf rund 3 Milliarden Euro. Bisher fordere man noch keine Vertragsstrafen von Eurocopter, heißt es im Verteidigungsministerium. Doch die Geduld gehe rasch zu Ende, heißt es.

          Der Tiger ist nicht der einzige Hubschrauber, den Eurocopter zu spät ausliefert. Auch der militärische Transport-Helikopter NH-90 wird derzeit nur mit großer Verzögerung den Kunden überstellt. Für die Marine-Version des NH-90 läuft in Deutschland derzeit noch die Ausschreibung. (Kommentar, Seite 16)

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