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Luftfahrt : EADS bremst den Militärtransporter A400M

Bleibt auf der Stange: Ein Modell des neuen militärischen Transportflugzeuges A400M Bild: dpa

EADS muss die Produktion seines Militärtransporters A400 M verlangsamen, weil sich die Bereitstellung der Triebwerke weiter verzögert. Das ungeduldig erwartete Flugzeug sitzt weiter auf dem Erdboden fest. Auf den deutsch-französischen Konzern EADS kommen voraussichtlich weitere Rückstellungen zu.

          EADS muss die Produktion seines Militärtransporters A400 M verlangsamen, weil sich die Bereitstellung der Triebwerke weiter verzögert. Das berichtete am Dienstag eine Sprecherin des Unternehmens.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Es handele sich entgegen einiger Medienberichte aber nicht um eine Einstellung der Produktion, sondern um eine Anpassung des Produktionsrhythmus. Der Test der Triebwerke und Propeller, der auf einer Herkules-Maschine in Großbritannien vorgesehen ist, hat immer noch nicht stattgefunden. Daher wollen EADS und seine Tochtergesellschaft Airbus Military jetzt nicht unbegrenzt Flugzeugrümpfe bauen, die nur Lagerraum einnehmen und später unter Umständen umgerüstet werden müssen, heißt es.

          Die Nachricht wirft dennoch ein Schlaglicht auf die hohen Hürden, die der Militärtransporter noch zu nehmen hat. Im September musste EADS den Erstflug, der einst für Januar 2008 vorgesehen war, auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschieben. Der zuvor von EADS-Chef Louis Gallois genannte Termin „vor Ende des Jahres“ lasse sich nicht mehr einhalten, weil die Triebwerke nicht verfügbar seien, hieß es.

          Vorhersage gilt nicht mehr als haltbar

          Sieben europäische Nato-Streitkräfte, darunter die von Deutschland und Frankreich, sowie zwei weitere Nationen warten ungeduldig auf die Auslieferung des Militärtransporters. Der Airbus-Militärtransporter soll die alten Maschinen des Typs Herkules C-130 und Transall C-160 ersetzen. Die Auslieferung werde sich gegenüber dem ursprünglich genannten Datum im Oktober 2009 um maximal ein Jahr verzögern, teilte EADS vor einiger Zeit noch mit. Diese Vorhersage gilt jetzt nicht mehr als haltbar. Das Unternehmen hofft daher, in den kommenden Wochen einen neuen Zeitplan vorlegen zu können.

          Ob mit weiteren Rückstellungen zu rechnen ist, wird EADS voraussichtlich bei der Präsentation seiner jüngsten Quartalszahlen am 14. November mitteilen. Bisher hat das Unternehmen bereits Vorsorge in Höhe von knapp 1,4 Milliarden Euro vorgenommen. Analysten spekulieren, dass weitere 700 Millionen Euro hinzukommen könnten.

          Festpreis wird zum Problem

          EADS steht vor dem Problem, dass ein Festpreis von 20 Milliarden Euro für die Lieferung von 180 Maschinen vereinbart worden ist. Aufgrund der Verzögerungen, die normalerweise zu Vertragsstrafen führen, stellt dies ein Verlustgeschäft für EADS dar. Gallois führt derzeit Gespräche mit den Verteidigungsministern der Abnehmerländer, um bessere Bedingungen zu erreichen. Eine Pressemeldung, wonach er mit der Einstellung des ganzen A400M-Programmes gedroht habe, dementierte Gallois kürzlich. Airbus Military hat die Produktion nun verlangsamt, um auf die „Unsicherheiten in Bezug auf die Reife der Triebwerke und der entsprechenden Systeme zu reagieren“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Damit ist unter anderem die Software gemeint, die der deutsche Zulieferer MTU herstellt und die aus Airbus-Sicht noch nicht einsatzfähig ist. Der Triebwerkshersteller und EADS streiten seit langem über die Verantwortung für die Verzögerung.

          Bei MTU verweist man auf die gestrige Stellungnahme des Triebwerkskonsortiums EPI, dem neben dem deutschen Unternehmen Rolls-Royce (Großbritannien), Safran (Frankreich) und ITP (Spanien) angehören: „Wir werden gemeinsam mit Airbus Military die Auswirkungen dieser Produktionsanpassung besprechen. Derzeit liegt ein wesentlicher Fokus darauf, den Fliegenden Prüfstand unseres Kunden zu unterstützen.“ Dies bezieht sich auf die Herkules-Maschine, auf denen die Triebwerke getestet werden sollen. Solange sie nicht in die Lüfte steigt, lässt auch der Erstflug des A400M auf sich warten. Die Triebwerkshersteller hatten im September mitgeteilt, dass sie die Triebwerke für die Tests schon Anfang 2008 geliefert haben. Die Erprobung auf der Herkules liege in der Verantwortung von Airbus Military.

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