https://www.faz.net/-gqe-10cir

Luftfahrt : EADS baut neues Werk in Augsburg

  • Aktualisiert am

EADS bringt die Standorte Augsburg, Nordenham und Varel vorerst selbst auf Vordermann Bild: ddp

Nach dem gescheiterten Verkauf seiner drei Werke in Augsburg, Nordenham und Varel bringt der Airbus-Mutterkonzern EADS die Standorte zunächst selbst auf Vordermann - und investiert kräftig. In Augsburg soll jetzt gar ein neues Werk entstehen.

          2 Min.

          Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS will in Augsburg ein neues Werk für Bauteile des Airbus 350 bauen. Das Unternehmen verhandele mit der Stadt über den Erwerb eines Grundstücks, sagte ein EADS-Sprecher. Der Standort für Faserverbundwerkstoffe solle sowohl in der Nähe des bisherigen Werks der Tochtergesellschaft Premium Aerotec als auch der Universität und deren Forschungseinrichtungen entstehen. EADS werde stufenweise investieren.

          Nach Angaben der Bayerischen Staatsregierung gibt das Unternehmen in einem ersten Schritt 180 Millionen Euro für den Neubau aus. Wie viel Geld der Konzern insgesamt das neue Werk stecken werde, wollte der EADS-Sprecher nicht sagen. In Berichten war von einer Gesamtinvestitionssumme von 300 Millionen Euro und 400 neuen Arbeitsplätzen die Rede. EADS wolle so zügig wie möglich mit dem Bau beginnen, sagte der Sprecher. In der Premium Aerotec sind die drei bisherigen EADS-Flugzeugbaustandorte Varel, Nordenham und Augsburg zusammengefasst.

          „Wir können nicht die Hände in den Schoß legen“

          Nach dem gescheiterten Verkauf seiner drei Werke in Augsburg, Nordenham und Varel bringt der Airbus-Konzern EADS die Standorte zunächst selbst auf Vordermann. In Augsburg und Nordenham würden zusammen rund 360 Millionen Euro investiert, um die dortigen Anlagen für die Produktion des neuen Langstreckenfliegers A350 fit zu machen, sagte ein Sprecher des Konzerns am Dienstag auf Anfrage. „Wir können nicht die Hände in den Schoß legen und warten, was passiert.“ Ob auch in Varel nachgerüstet wird, sei derzeit offen. „Man wird das machen, was nötig ist.“

          EADS wolle sich aber nach wie vor von dem neuen Tochterunternehmen Premium Aerotec, in dem die drei Standorte gebündelt sind, trennen. „An dem Ziel, das Unternehmen zu verkaufen, hat sich nichts geändert.“ Einen Zeitrahmen hierfür nannte der Sprecher nicht.

          EADS wollte sich von den Standorten trennen

          Ursprünglich wollte sich EADS im Zuge seines Sanierungsprogramms „Power8“ von den Standorten trennen, um die Entwicklungsrisiken beim A350 zu minimieren. Der geplante Verkauf der Werke scheiterte aber Ende März nach langem Tauziehen mit möglichen Interessenten wie dem Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology unter anderem wegen der Dollar-Schwäche und der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten (siehe dazu auch: Geplanter Werksverkauf: EADS erklärt Verhandlungen für gescheitert). Deshalb entschloss sich EADS, die drei Werke in Varel, Nordenham und Augsburg in der Premium Aerotec zu bündeln, um zu einem späteren Zeitpunkt einen Käufer zu finden. Der A350 soll von 2013 an ausgeliefert werden.

          In Augsburg entstehe nun die modernste Fertigung von leichten Kohlefaserverbundstoffen für den Flugzeugbau, berichtete der Augsburger EADS-Werkleiter Hans Lonsinger am Dienstag. Auch in Nordenham würden rund 180 Millionen Euro investiert. In den beiden Werken sollen laut Lonsinger die vorderen und hinteren Rumpfelemente für den Airbus gefertigt werden, in Varel die Einzelteilfertigung. Zugleich soll in Augsburg die neue Zentrale der Premium Aerotec GmbH für die Zulieferung zum Airbus A350-Programm als 100-prozentige EADS- Tochter entstehen.

          Die neue Premium Aerotec mit rund 6000 Mitarbeitern soll auf einen Jahresumsatz von etwa 1,3 Milliarden Euro kommen. Die Leitung des Unternehmens übernimmt Lonsinger. Seinen Angaben zufolge steht für die neue Produktionsanlage bereits ein Grundstück mit einer Größe von etwa 63.000 Quadratmetern im Stadtbereich Augsburg zur Verfügung. Hauptziel der Investitionen in Augsburg und Nordenham sei ein Strukturwandel im Flugzeugbau vom bisherigen Werkstoff Aluminium zur Kohlefaserverbundwerkstoff-Technik (CFK). Erste CFK-Bauteile aus Augsburg sollen Ende 2009 ausgeliefert werden.

          Am Augsburger EADS-Standort sind nach Lonsingers Angaben rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt. Die Gründung des neuen Werkes werde den Standort Augsburg und die Arbeitsplätze sichern. Je nach Auftragslage könnten neue Stellen entstehen. „Wir suchen im Moment rund 100 Ingenieure“, sagte Lonsinger. Ein Vorteil für die EADS-Entscheidung für den Standort Augsburg sei die eigene Entwicklung von Kohlefaserverbundwerkstoffen in Augsburg. Bislang müsse dieser Werkstoff noch aus den USA und Japan eingeführt werden.

          Weitere Themen

          Airbus fährt die Produktion herunter

          Aufträge weggebrochen : Airbus fährt die Produktion herunter

          Der europäische Flugzeughersteller rechnet aufgrund von Corona mit einer langen Krise und will die Produktion um ein Drittel kürzen. Zudem wird das Unternehmen laut Chef Faury wahrscheinlich Kurzarbeiter-Geld beantragen.

          Topmeldungen

           Mehr als 200.000 Gastarbeiter der Millionärsmetropole, tätig allein nur im Baugewerbe, leben in Massenunterkünften, den Dormitories.

          Singapur : Eingeschlossen im Containerdorf

          Der rigide Stadtstaat Singapur hatte sich in der Corona-Krise bisher eigentlich bewährt. Nun aber steht er vor einer Herausforderung: 24.000 Gastarbeiter sind wegen Ansteckungsgefahr isoliert.
          Ist das erlaubt? Ein Mann und eine Frau auf einer Bank im bayerischen Staffelberg.

          Corona-Regeln : Kleinkrieg um die Parkbank

          Was ist erlaubt in Zeiten des Kontaktverbots? In Sachsen müssen Richter klären, wie weit das Lebensumfeld eines Menschen reicht. Und in Bayern wird diskutiert, ob man sich noch mit einem Buch auf die Bank setzen darf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.