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Luftfahrt : British Airways und Iberia liebäugeln mit Zukäufen

Abflug Richtung Asien: British Airways (Foto: In der Nähe des BA-Drehkreuzes Heathrow) und Iberia wollen in Fernost expandieren Bild: AFP

Kaum ist der britisch-spanische Luftfahrtkonzern startklar, kündigt Vorstandschef Willie Walsh bis zu zwölf Übernahmen in Übersee an. Mit dem ehrgeizigen Plan bringen die Briten die Rivalen Lufthansa und Air France-KLM in Zugzwang.

          British Airways (BA) und der spanische Partner Iberia streben nach ihrem Zusammenschluss bis zu zwölf Zukäufe außerhalb Europas an. Namen nannte Willie Walsh, der Vorstandsvorsitzende von BA, auf einer Veranstaltung in Mumbai nicht. Doch nach Ansicht von Beobachtern des Konzerns sind die Briten auf Fluggesellschaften in Asien und Afrika konzentriert: Neben dem indischen Konkurrenten Kingfisher oder dem malaysischen Billigflieger Air Asia stehen danach auch Qantas aus Australien, Cathay Pacific aus Hongkong oder South African auf Walshs Wunschliste.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Iberia und wir haben in jüngster Zeit eine globale Liste von 40 Fluggesellschaften erstellt, von denen wir wiederum zwölf Unternehmen als ideale Kandidaten für unseren Verbund identifiziert haben“, sagte der BA-Chef. Anlass für seinen Besuch in der indischen Hauptstadt war die Unterzeichnung eines „Code-Sharing“-Abkommens mit Kingfisher, wonach beide Gesellschaften künftig ihre Flug- und Streckenpläne aufeinander abstimmen wollen.

          Mit dem ehrgeizigen Plan bringen die Briten die Rivalen Lufthansa und Air France-KLM in Zugzwang, die ihre Langstreckennetze ebenfalls mit Hochdruck über strategische Kooperationen mit ausländischen Partnern ausbauen. Immerhin versprechen die Übersee-Routen im Gegensatz zum europäischen Heimatmarkt, der zunehmend von Billigfliegern erobert wird, noch auskömmliche Renditen.

          Noch während der Luftfahrtkrise im vergangenen Jahr absolvierte die Lufthansa eine größere Einkaufstour in Europa und baute gleichzeitig ihren Einfluss in Nordamerika über die Service-Allianz Star Alliance gezielt aus. Diesem Verbund gehören unter anderem die amerikanischen Gesellschaften Continental und United an, die durch ihre jüngst verkündete Fusion zum Weltmarktführer der Luftfahrt aufrücken werden. Air France-KLM verbündete sich zuvor mit dem amerikanischen Partner Delta. Entsprechend groß ist der Nachholbedarf für BA, in Nordamerika und Asien Fuß zu fassen sowie den von ihr geführten Service-Verbund One World zu stärken.

          Die Pläne werden mit Skepsis betrachtet

          Vor wenigen Wochen holte Walsh Air Berlin in seine Allianz. Die Vollmitgliedschaft des Lufthansa-Rivalen soll bis 2012 erfolgen. Darüber hinaus schwebt ihm vor, den One-World-Partner American Airlines als weiteren Fusionspartner zu gewinnen, wenn der Zusammenschluss zwischen BA und Iberia bis Jahresende vollzogen ist. Beide Gesellschaften operieren ab 2011 als Marken der neuen International Airlines Group (IAG) mit Sitz in London, die hinter Lufthansa und Air France-KLM drittgrößte Fluggesellschaft in Europa ist.

          Danach steht bei den Briten die Expansion nach Asien auf dem Programm. Walsh stellte bei seinem Auftritt in Mumbai zwar klar, dass mit potentiellen Partnern gegenwärtig noch nicht verhandelt werde. Solche Gespräche sollten aber unmittelbar nach Vollzug der Fusion mit Iberia erfolgen, sagte er. Londoner Investoren betrachten indessen die hochfliegende Pläne des BA-Chefs mit Skepsis. „Es lässt sich jederzeit eine Liste mit attraktiven Übernahmekandidaten erstellen“, sagte der Londoner Branchenanalyst Christ Tarry. „Doch der Luftfahrtmarkt in Europa hat für erfolgreiche Anbieter aus Asien wenig zu bieten.“

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