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Luftfahrt : Berlin bremst Fusion von EADS und BAE aus

EADS hat in Deutschland mehr als 49.000 Mitarbeiter Bild: dapd

Die Fusion von EADS und BAE Systems zu einem neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzern ist wahrscheinlich geplatzt. Streitpunkt ist die Anteilsstruktur am neuen Konzern.

          Der geplante Zusammenschluss zwischen dem deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems steht vor dem Scheitern. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kommt die Fusion zum größten Rüstungsunternehmen der Welt wahrscheinlich nicht zustande. Die beteiligten Regierungen gaben sich dafür am Dienstag gegenseitig die Schuld. Auf der einen Seite hieß es, dass Frankreich und Großbritannien sich nicht einigen konnten, auf der anderen wurde Berlin die Schuld zugewiesen. In unternehmensnahen Kreisen wurde Unverständnis über die deutsche Opposition geäußert. Deren Hintergründe könne man sich nicht erklären, hieß es.

          EADS: „Wir sind überrascht über die Berichte aus Berlin“

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Streitpunkt war in den Verhandlungen die Anteilsstruktur am neuen Konzern und der daran gekoppelte staatliche Einfluss. Frankreich würde am neuen Unternehmen 9 Prozent halten, wollte eine Zeit lang aber nicht auf die Option einer Erhöhung verzichten. Deutschland will die Balance mit Frankreich halten und würde entsprechend dem Nachbarland Anteile halten wollen. Großbritannien würde wiederum den beiden Ländern nur einen Anteil von jeweils maximal 9 Prozent gestatten. Zuletzt aber soll sich Frankreich in den Verhandlungen bereit erklärt haben, über den Anteil von 9 Prozent in der Zukunft nur hinauszugehen, wenn die anderen Aktionäre einverstanden wären. Die britische Regierung soll dies akzeptiert haben.

          In der Nacht zum Mittwoch standen die Regierungen noch in Verhandlungen. „Wir sind überrascht über die Berichte aus Berlin“, sagte ein EADS-Sprecher in München in Bezug auf das kolportierte Scheitern. Dass die Verhandlungen weitergehen, sagte auch Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister Pierre Moscovici. EADS und BAE wollen am heutigen Mittwoch mitteilen, ob sie den Zusammenschluss weiter wollen. Um 17 Uhr Londoner Ortszeit läuft eine von den britischen Behörden gesetzte Frist aus, die aber bei spürbaren Verhandlungsfortschritten verlängert werden könnte.

          EADS-Chef Tom Enders wollte sich offenbar nicht bewegen

          EADS soll gegenüber der Bundesregierung zu Garantien für Standorte, Arbeitsplätze und Investitionen bereit gewesen sein, hieß es in Unternehmenskreisen. Doch bei der Sitzfrage wollte sich EADS-Chef Tom Enders offenbar nicht bewegen. Dies könne man sich nicht von einer Regierung aufzwingen lassen, lautete das Argument, zumal Enders erst vor einigen Wochen den Umzug der operativen Konzernzentralen in Paris und München nach Toulouse verkündet hat. Deutsche Politiker hatten dagegen mehrfach gefordert, den Hauptsitz nach München zu bringen.

          Im Fall eines Scheiterns des Zusammenschlusses gelten neue deutsch-französische Spannungen in Paris als möglich. Es wurde daran erinnert, dass die französische Regierung laut des aktuellen EADS-Aktionärspaktes den geplanten Einstieg der Bundesregierung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auch blockieren könnte. Vor Bekanntwerden des Fusionsprojektes war vorgesehen, dass die KfW einen Teil der EADS-Aktien des seit langem ausstiegswilligen Daimler-Konzerns übernimmt. Deutschland ist anders als Frankreich bisher kein EADS-Aktionär. Die deutschen Rechte werden vom Daimler-Konzern wahrgenommen, der sich mit der Bundesregierung aber nicht überwerfen will.

          Die Aktien von EADS lagen am Dienstag in Paris leicht im Plus, während BAE-Papiere in London leicht an Wert verloren.

          SPD kritisiert fehlende Strategie

          Die SPD wirft der Bundesregierung derweil vor, keine Strategie in der Luft- und Raumfahrt zu haben. „Die Bundesregierung läuft dem Prozess hinterher“, sagte Wolfgang Tiefensee, der wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion. „Die Entscheidung könnte zu Ungunsten der Fusion ausfallen, weil die Bundesregierung die letzten Wochen nicht genutzt hat.“ Um Arbeitsplätze auch in der Rüstung zu erhalten, befürwortet er eine Fusion, stellt aber Bedingungen: Der deutsche Einfluss müsse gewahrt bleiben, der Hauptsitz der neuen Gesellschaft solle in Deutschland sein und Vorschriften für Rüstungsexporte müssten in Großbritannien und Frankreich mindestens das deutsche Niveau erreichen.

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