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Luftfahrt : A380 kommt später - EADS verliert Milliarden

  • Aktualisiert am

Teurer Spaß: Der A380 hat Verspätung Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Airbus droht im Rennen mit Boeing ins Hintertreffen zu geraten: Die nochmalige Auslieferungsverzögerung um sechs bis sieben Monate des Riesenjets A380 bringen die Kunden in Rage. Die Aktie geht auf Sturzflug.

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          Wegen der Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A380 ist die Aktie des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS am Mittwoch massiv unter Druck geraten. Zum Börsenauftakt am Mittwoch kam es beim EADS-Aktienkurs zeitweilig zu dramatischen Einbrüchen um mehr als 30 Prozent. Die EADS-Tochter Airbus hatte am Dienstag abend mitgeteilt, daß es bei der Auslieferung des weltgrößten Passagierflugzeuges der Welt wegen Fertigungsproblemen Verzögerungen zwischen sechs und sieben Monaten geben werde.

          Zwar soll das erste Exemplar weiter Ende des Jahres an Singapore Airlines gehen; 2007 sollen statt geplanter 20 bis 25 Exemplare aber nur neun Maschinen an die Kunden gehen. Schon kommen die ersten Forderungen nach Schadenersatz.

          Singapore Airlines wendet sich Boeing zu

          Der größte Abnehmer des Airbus A380, die Fluggesellschaft Emirates, hat angesichts der Verzögerungen bei dem Riesen-Flieger Entschädigungen gefordert. Die spätere Auslieferung verzögere Expansionspläne und habe Auswirkungen auf potentielle künftige Umsätze, sagte ein Sprecher der Airline am Mittwoch. Singapore Airlines (SIA) vergab postwendend einen Milliardenauftrag an den Erzkonkurrenten Boeing. SIA verhandelt als erster Kunde über eine Kompensation. „Wir sind über die Ankündigung der erneuten Verzögerung enttäuscht“, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft in dem südostasiatischen Stadtstaat. Zahlen aus den Gesprächen nannte der Sprecher nicht.

          Bild: dpa

          Die Deutsche Lufthansa, die 15 A380 bestellt hat, will zunächst prüfen, ob und wenn ja welche Auswirkungen der neue Zeitplan von Airbus hat. Auch die australische Fluglinie Qantas kündigte an, Entschädigung von Airbus zu fordern. Airbus-Marketing-Chef John Leahy sagte, Airbus werde seinen Kunden Entschädigungen zahlen. Qantas hat zwölf A380 fest bestellt, Singapore Airlines zehn.

          Der Mutterkonzern EADS erwartet aus der Verzögerung für die Jahre 2007 bis 2010 jedes Jahr etwa 500 Millionen Euro weniger Ertrag vor Zinsen und Steuern (Ebit). Die Kunden seien informiert worden, „daß sich der Auslieferungszeitplan aus produktionstechnischen Gründen um sechs bis sieben Monate nach hinten verschieben wird“, teilte Airbus in Toulouse mit. „Airbus ist sich der Belastungen“ für die Kunden „völlig bewußt“. An der Auslieferung der ersten A380 zum Jahresende an Singapore Airlines hält Airbus allerdings fest. Die meisten Kunden müssen aber sechs bis sieben Monate länger warten.

          „Zusätzliche Kosten“

          EADS erklärte, dies werde für vier Jahre das Ebit-Ergebnis aus dem A380-Programm um jährlich eine halbe Milliarde Euro drücken. Im laufenden Jahr werde das Problem beim Ebit noch aufgefangen, doch werde der freie Kapitalfluß gesenkt, und zwar um weniger als 300 Millionen Euro. Die Ebit-Ausfälle ergäben sich „aus der zeitlichen Verschiebung positiver Ergebnisbeiträge, aus zusätzlichen Kosten zum Aufholen der Verzögerung und aus mit den Kunden zu verhandelnden Verzugszahlungen.“

          Dabei seien mögliche Abbestellungen noch nicht berücksichtigt. Die Ausfälle beim Kapitalfluß sollen bis 2008 auf mehr als eine Milliarde Euro steigen und danach deutlich zurückgehen. Das Großflugzeug für 555 Passagiere in der Standardversion soll eigentlich der „Goldesel“ von EADS werden.

          „Maximal neun“ A380 im kommenden Jahr

          Im kommenden Jahr dürften „maximal neun“ A380 an die Kunden gehen. Ursprünglich sollten 2007 zwischen 20 bis 25 Exemplare ausgeliefert werden. Im Jahr 2008 werden fünf bis neun Flugzeuge weniger ausgeliefert als bisher geplant, 2009 etwa fünf Flugzeuge.

          Die Verzögerung sei „auf Engpässe zurückzuführen, die bei der Definition, Herstellung und Installation elektrischer Systeme und Kabelbäume entstanden sind“, erklärte Airbus. Bislang wurden 15 Maschinen des Typs A380 endmontiert.

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