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Luft- und Raumfahrt : EADS sägt an der Doppelspitze

  • Aktualisiert am

Schicksalsgemeinschaft: A380, der Deutsche Humbert (l.), der Franzose Forgeard Bild: AP

Airbus erhöht mitten in der Krise die Preise, der Wirtschaftsminister ruft noch einmal nach einem Ende der Streitigkeiten beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS - und tatsächlich zeichnet sich eine Lösung ab: das Ende der Doppelspitze.

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          Zur Lösung der Krise beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wird Kreisen zufolge die Abschaffung der Doppelspitze mit je einem französischen und einem deutschen Chef diskutiert. Dem Szenario zufolge würde der deutsche Co-Chef Tom Enders alleiniger Vorstandschef, Frankreich würde den Chairman (Chef des Verwaltungsrats) sowie den Airbus-Chef stellen, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen am Freitag. Unklar sei jedoch, wie stark die Unterstützung dafür sei.

          „Das klingt nach dem Chef der französischen Bahn, Louis Gallois, als Chairman und Tom Enders als alleinigem Chef. Airbus würde wieder von einem Franzosen geführt“, sagte eine mit der Situation vertraute Person in Frankreich. EADS wollte die Informationen nicht kommentieren. Dies sei Sache der Anteilseigner, sagte ein Sprecher.

          Forgeard und Humbert müßten gehen

          Damit müßte nicht nur Forgeard seinen Hut nehmen, sondern auch Airbus-Chef Gustav Humbert. Humbert ist der erste Deutsche an der Spitze des europäischen Flugzeugbauers. Forgeard war vor ihm Chef von Airbus. Der Franzose war nach einem langwierigen Machtkampf im vergangenen Jahr zusammen mit Enders an die Spitze berufen. Forgeard hatte zuvor die alleinige Führung des Konzerns für sich beansprucht, war aber am Veto von EADS-Großaktionär Daimler-Chrysler gescheitert.

          Der will die Probleme und mögliche Konsequenzen bei dem Flugzeugbauer nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. „Logischerweise sind wir alle sehr wenig erfreut“, sagte Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche am Freitag in Ludwigsfelde bei Berlin. „Die Konsequenzen, die zu ziehen sind, möchten wir mit den anderen Aktionären hinter verschlossenen Türen klären“, sagte Zetsche.

          Forgeard ist wegen der Ausübung von Aktienoptionen wenige Monate vor der Bekanntgabe der Verzögerung im A380-Programm in die Kritik geraten. Sowohl die französische (AMF) als auch die deutsche Finanzaufsicht (Bafin) prüfen den Vorgang.
          Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat die Spitzen des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS und seiner Tochter Airbus erneut gedrängt, ihren Streit zu beenden.

          „Die sollen aufhören miteinander zu streiten“

          „Die sollen aufhören miteinander zu streiten um Posten, sondern die Ärmel hochkrempeln“, sagte Glos sagte am Freitag in der Haushaltsdebatte im Bundestag. Die Spitzen von EADS und Airbus müßten dafür sorgen, daß das erfolgreiche europäische Airbus-Projekt fortgeführt werde. Die Probleme im Unternehmen müssten schnell gelöst werden.

          Die FDP-Abgeordnete Ulrike Flach warf Glos vor, sich nicht ausreichend in der Angelegenheit zu engagieren und nicht hart genug aufzutreten. Es gehe um das Geld der Steuerzahler. „Wir haben es hier mit einem Imperium zu tun, das in den nächsten Jahren mit Verpflichtungsermächtigungen von fast einer Milliarde im Haushalt steht“, sagte sie. EADS und Airbus seien zudem ein Imperium, in dem Managemententscheidungen offensichtlich falsch gefällt worden seien. Der Konzern habe in fast allen Produktlinien große Probleme. „Wir erwarten von einem Wirtschaftsminister, daß er genau an dieser Stelle auch deutlich sagt: Der Steuerzahler zahlt in hohen Beträgen bis zu einer Milliarde in den nächsten Jahren und wir erwarten dann auch von Airbus, daß entsprechende Konsequenzen vor Ort getroffen werden“.

          Airbus hebt die Preise an

          Mitten in der schwersten Krise seit Jahren hat der Flugzeughersteller Airbus die Listenpreise für seine komplette Modellflotte angehoben. Eine Airbus-Sprecher bestätigte am Freitag einen entsprechenden Zeitungsbericht. Demnach steigt etwa der Preis für den Superairbus A380 um 4,7 Prozent auf 296 bis 316 Millionen Dollar. Laut Airbus handelt es sich um eine übliche jährliche Preiserhöhung. Die Sprecherin ergänzte, daß die Endpreise mit den Kunden direkt ausgehandelt würden. Listenpreise gelten nur als Richtschnur, auf die 30 bis 40 Prozent Rabatte gegeben werden.

          In der vergangenen Woche hatte Airbus angekündigt, daß sich die Auslieferung des Prestigeobjekts Airbus A380 um bis zu sieben Monate verzögern wird. Den Mutterkonzern EADS belastet dies operativ in den kommenden vier Jahren mit insgesamt zwei Milliarden Euro, was zu einem Kurssturz der Aktie führte. Zum Wochenschluß notierte sie 2,5 Prozent im Plus bei 21,94 Euro.

          EADS war im Jahr 2000 aus der deutschen Dasa, der spanischen Casa und der französischen Aerospatiale hervorgangen. Um dem sorgsam austarierten Machtgefüge zwischen Franzosen und Deutschen Rechnung zu tragen, wurden damals Doppelspitzen sowohl für den Vorstand als auch für den Verwaltungsrat beschlossen. Daimler-Chrysler hält 22,5 Prozent an EADS, der französische Staat und der Medienkonzern Lagardere zusammen ebenfalls 22,5 Prozent.

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