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Luft- und Raumfahrt : Deutsch-französische Personalquerelen

Noel Forgeard unter Druck und ohne Rückendeckung Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Noel Forgeard, der französische Ko-Chef von EADS, verliert vor allem nach dem Bekanntwerden abermaliger Lieferverzögerungen des Großflugzeugs A380 an Unterstützung. Er kämpft und sucht bei anderen die Schuld. Die Kunden haben wenig Verständnis für das Gezänk.

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          Sein Ziehvater, der verstorbene Luftfahrtunternehmer Jean-Luc Lagardere, befolgte gerne das Motto: "Die Erfolge überlasse ich meinen Mitarbeitern, die Mißerfolge teile ich." Kein anderer als der Ko-Chef des Luft- und Verteidigungskonzerns EADS, Noel Forgeard, wies in einem Interview einmal auf diese vorbildliche Führungshaltung hin.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Forgeard selbst allerdings fällt die Teilung von Verantwortung schwer. Auch wenn er früher als Bewunderer und enger Mitarbeiter des Unternehmers gerne zu den "Lagardere-Boys" gerechnet wurde, so hat er das Motto seines ehemaligen Chefs jetzt umgedreht.

          Forgeard kämpft

          In einem Radiointerview befragt nach der Verantwortung für die großen Verspätungen beim Riesenflugzeug A380, behauptete er, zu spät informiert worden zu sein. Und er sagte: "Als ich bei Airbus war, wurden alle Vorhersagen eingehalten." Das stimmt nicht. Nicht nur hatte Airbus bereits unter seiner Führung bis Mitte 2005 die erste sechsmonatige Verspätung des A380 bekanntzugeben, sondern das Unternehmen überzog auch das Budget des Flugzeugs um 1,5 Milliarden Euro.

          Der 59 Jahre alte Franzose steht nicht nur wegen der Verspätungen des A 380 unter Druck, sondern auch wegen Verkäufen von EADS-Aktien, die er im März für sich und seine Kinder tätigte. Damals hatten die Papiere an der Börse gerade wieder einen Höchststand erreicht, und die Zeit für die Ausübung seiner Optionen schien günstig. 162.000 Aktien verkaufte Forgeard und verdiente damit 2,5 Millionen Euro. Andere EADS-Führungskräfte trennten sich ebenfalls von umfangreichen Aktienpaketen. Doch Insiderinformationen habe er nicht gehabt, beteuert Forgeard, auch wenn er als Ko-Chef von EADS eine besondere Aufsichtspflicht für die Tochtergesellschaft Airbus trägt und deren Airbus-Aktionärskomitee vorsteht, was eine Art Aufsichtsrat ist. Erst im April habe er von den neuen Produktionsschwierigkeiten beim A 380 erfahren, sagt Forgeard.

          Das politische Frankreich ist in Aufruhr

          Die französische und die deutsche Börsenaufsicht ermitteln. Immerhin verlor der EADS-Konzern am vergangenen Mittwoch mehr als ein Viertel seines Wertes. Die Nachricht, daß die Kunden mindestens sechs weitere Monate auf die Flugzeuge warten müssen, hatte viele Aktionäre schockiert. Das Eingeständnis hat EADS und Airbus in eine schwere Krise gestoßen: Es drohen hohe Strafzahlungen an die Kunden, und der Glaubwürdigkeitsverlust ist immens, daß der Erzrivale Boeing nun Marktanteile gewinnen könnte.

          Unterdessen ist das politische Frankreich, wo Unternehmenschefs mit millionenschweren Aktienoptionen ohnehin unter skeptischer Dauerbeobachtung stehen, in Aufruhr geraten. Der Erste Sekretär der Sozialistischen Partei, Francois Hollande, forderte eine parlamentarische Untersuchung. Abgeordnete der Regierungspartei UMP stellten öffentlich Fragen über die Forgeards Eignung: Wenn er von den gravierenden Lieferschwierigkeiten nichts gewußt habe, "dann frage ich mich, ob er der richtige Mann ist, um eine Gruppe wie EADS zu führen", sagte Jacques Myard. "Die Einstellung bestimmter Patrons, die ihre persönlichen Interessen vor das Unternehmensbild in der Öffentlichkeit setzen, ist schädlich", rügte Patrick Devedjian, ein enger Mitarbeiter des UMP-Vorsitzenden und Präsidentschaftsanwärters Nicolas Sarkozy.

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