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Nach Angriff : Londoner Flughäfen führen Drohnenabwehr ein

Eine private Drohne fliegt in in weiter Entfernung von einem Flugzeug, das im Anflug auf den Flughafen Düsseldorf ist. Bild: dpa

Nach dem Vorfall am Flughafen Gatwick setzen die Betreiber auf neue Ortungstechnik aus Israel. Was macht Deutschland?

          Nach dem folgenschweren Drohnenangriff kurz vor Weihnachten rüsten die beiden Londoner Großflughäfen Gatwick und Heathrow ihre Abwehrtechnik auf. Beide Flughäfen bestätigten, dass sie nach dem Zwischenfall in technische Systeme zur Abwehr von Drohnen investiert hätten. Die Geräte seien vor einer Woche installiert worden, teilte der Flughafen Gatwick mit. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt. Die Betreiber setzen aber offenbar auf Abwehrsysteme, die auch vom Militär eingesetzt werden.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die zurückliegende Drohnenattacke sorgte mitten in der Hauptreisezeit vor den Weihnachtsfeiertagen in Gatwick für Chaos. Der zweitgrößte britische Flughafen hatte tagelang den Flugbetrieb eingestellt, nachdem mehr als hundert Augenzeugen berichtet hatten, sie hätten Drohnen über dem Flughafengelände fliegen sehen. Von den Flugausfällen waren rund 140.000 Passagiere betroffen. Um den Drohnenangriff zu beenden, hatte die Regierung auch das Militär eingeschaltet, das über Spezialtechnik zur Drohnenabwehr verfügt. Bis heute ist unklar, wer für die Attacke verantwortlich ist und was die Motive der Täter waren. Gerade ist der Flughafen vom französischen Baukonzern Vinci zu mehr als der Hälfte der Anteile übernommen worden.

          Das Verteidigungsministerium in London teilte am Mittwoch mit, die Militärkräfte zum Schutz von Gatwick seien mittlerweile abgezogen worden. Einem Bericht der Londoner Tageszeitung „The Times“ zufolge will die britische Regierung kurzfristig Vorschläge für neue Gesetze unterbreiten, die für einen wirksameren Schutz des Flugbetriebs vor Drohnen sorgen sollen. Allein am Flughafen Gatwick ist es in den vergangenen drei Jahren zu zwei Dutzend Bedrohungen durch Drohnen gekommen. Das jüngste Chaos in Gatwick gilt allerdings als beispiellos im internationalen Luftverkehr.

          Kein Handlungsbedarf trotz steigenden Risikos?

          Das britische Militär hat im vergangenen Jahr für 15,8 Millionen Pfund sechs technische Abwehrsysteme vom Typ Drone Dome angeschafft. Das bestätigte im August der israelische Hersteller Rafael der Zeitschrift „Jane’s“, einem Fachblatt für die Rüstungsindustrie. Vermutet wird, dass Gatwick und Heathrow nun auf ähnliche Technik setzen. Der Pariser Flughafen Charles de Gaulle soll Medienberichten zufolge schon vor mehr als anderthalb Jahren technische Anlagen zur Drohnenabwehr installiert haben.

          Das Abwehrsystem Drone Dome wurde von Rafael für die Terrorabwehr entwickelt und soll in der Lage sein, ferngesteuerte Drohnen aus bis zu zehn Kilometer Entfernung zu orten. Die Drohnen sollen durch die Störung der Funkverbindung unschädlich gemacht werden.

          Unterdessen sehen die Betreiber deutscher Verkehrsflughäfen trotz des steigenden Drohnenrisikos offenbar weiterhin keinen Handlungsbedarf, selbst mit Abwehrmaßnahmen aktiv zu werden. Sie schieben die Verantwortung auf die Polizeibehörden und die Deutsche Flugsicherung. Nach dem Gatwick-Vorfall hieß es seitens des Verbandes der Flughäfen (ADV), Drohnenflüge am Flughafen seien grundsätzlich verboten. Verstöße gegen die vom Gesetzgeber eingerichteten Flugverbotszonen müssten mit allem Nachdruck verfolgt werden. Die Flughafenbetreiber seien auf schnelle und effektive Abwehrmaßnahmen durch die Polizeibehörden angewiesen, um Einschränkungen für den Flugbetrieb und Unannehmlichkeiten für die Passagiere zu vermeiden. Dass nun wie in Großbritannien zur Prävention eigene Abwehrsysteme installiert werden, davon ist keine Rede. Eine Anfrage der F.A.Z. am Freitag zur neuesten Entwicklung auf den britischen Flughäfen ließ der ADV unbeantwortet. Drohnenabwehrsysteme werden auch von deutschen Unternehmen angeboten.

          Die Deutsche Flugsicherung meldete zuletzt die Zahl von 152 Behinderungen durch Drohnen im vergangenen Jahr (Stand Ende November) an Flughäfen oder Flugstrecken – ein Rekord. In Deutschland dürfen Drohnen nicht höher als 100 Meter aufsteigen, 1,5 Kilometer um Flughäfen herum ist ihr Einsatz verboten, Verstöße sind Straftaten.

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