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Heathrow oder Gatwick : Londoner Flughäfen streiten um neue Startbahn

  • Aktualisiert am

Landeanflug auf den Londoner Flughafen Heathrow Bild: AFP

Heathrow oder Gatwick? Lange war unklar, welcher Londoner Flughafen eine zusätzliche Startbahn bekommt. Fachleute haben sich nun für Heathrow ausgesprochen. Entschieden ist der Flughafen-Streit aber nicht.

          Die Werbeanzeige im U-Bahnhof Westminster wirkt triumphierend. „Eine Entscheidung für Heathrow ist eine Entscheidung für Großbritannien“ - in großen Buchstaben, Dunkelblau auf Weiß, bekommt das momentan jeder zu lesen, der zu den Zügen herab eilt, die unterhalb des britischen Parlaments verkehren. Es scheint, als wollten die Betreiber von Europas größtem Flughafen allen klar machen: Londons Kampf der Flughäfen ist beendet, die Landebahnen-Schlacht gewonnen.

          Nach langem Abwägen hat sich eine Gruppe von Fachleuten der britischen Regierung für eine dritte Startbahn am Drehkreuz im Westen der Stadt ausgesprochen - und damit gegen eine Expansion von Gatwick, dem zweitgrößten Flughafen des Landes südlich von London. Drei Jahre beriet das Gremium, welchem Standort es den Vorzug gibt. Am Ende gaben wirtschaftliche Argumente den Ausschlag, trotz großer Bedenken bei Umweltfragen. In diesem Punkt steht Gatwick besser da.

          Die Entscheidung triff Cameron

          Viele Fluggesellschaften, die Industrie sowie die Londoner Wirtschaft freuen sich über die Empfehlung für Heathrow. Das letzte Wort aber ist nicht gefallen. Die Entscheidung trifft allein die Regierung von Premierminister David Cameron. Eines ist dabei jetzt schon sicher, wie zuletzt in Frankfurt und München, ist mit Widerstand von Bürgern zu rechnen.

          Seit den siebziger Jahren wird in London über eine Erweiterung von Heathrow diskutiert. Mit einer Auslastung von 98 Prozent stößt der Flughafen seit Jahren an die Grenzen seiner Kapazität. 73,4 Millionen Passagiere fertigte der Flughafen im vergangenen Jahr ab, so viele wie noch nie zuvor. Alle 90 Sekunden hebt ein Flieger ab.

          Als weltweite Nummer drei hinter Atlanta und Peking liegt Heathrow so in Europa zwar noch immer vorne. Es folgen Paris mit 63,8 Millionen und Frankfurt mit 59,6 Millionen Reisenden. Beim Passagierzuwachs aber fiel der Flughafen mit nur 1,4 Prozent hinter den Rivalen zurück - obwohl die Maschinen immer größer werden.

          Flughafen Gatwick wächst stark

          Gatwick, das anders als Heathrow auch von Billiglinien wie Ryanair und Easyjet angeflogen wird, wirbt hingegen mit einem Zuwachs der Passagierzahlen von 7,6 Prozent. 38,1 Millionen Reisende hoben dort ab. Mit einer zweiten Bahn könne man langfristig zu Heathrow aufschließen, sagt Stewart Wingate, CEO von Gatwick.

          Ein Vorteil für Gatwick: Die Kosten für die Expansion lägen nach Berechnungen der BBC mit rund 9,3 Milliarden Pfund (13,5 Milliarden Euro) klar unter denen für den Heathrow-Ausbau, für den durch Entschädigungen für Hausbesitzer und einem Autobahntunnel geschätzt 18,6 Milliarden Pfund fällig würden.

          Ob Gatwick den Kampf noch für sich entscheiden kann, ist trotzdem fraglich. 70 000 neue Jobs bis 2050 und einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von bis zu 147 Milliarden Pfund könnte die dritte Bahn in Heathrow schaffen, so die Experten. In Gatwick wären es nur 89 Milliarden Pfund. Heathrow würde zudem als Drehkreuz für Überseeflüge gestärkt. Bei internationalen Abfertigungen hatte jüngst Dubai Heathrow abgehängt.

          Nicht zuletzt weil es kaum Transfermöglichkeiten zwischen Heathrow, Gatwick und den anderen Londoner Flughäfen Stansted, Luton, City und Southend gibt, sprechen sich auch die meisten Fluglinien für Heathrow aus. Dort landen auch die deutsche Lufthansa und Germanwings. Wirtschaftsvertreter begrüßten das Urteil ebenfalls: Jetzt, da alle Fakten auf dem Tisch lägen, warteten Firmen aus dem ganzen Land auf einen Baustart in Heathrow vor 2020, sagt der Chef der britischen Handelskammer, John Longworth.

          Dass das Datum zu halten ist, ist allerdings unwahrscheinlich. Zwar hat Premierminister Cameron angekündigt, bis Ende des Jahres eine Entscheidung zu treffen. Prominenter Widerstand droht aber in Person von Londons Bürgermeister Boris Johnson und anderer einflussreicher Politiker, deren Wahlkreise im Westen der Stadt von zusätzlichem Fluglärm betroffen wären.

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