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Logistik : Finanzinvestoren interessieren sich für die Post

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Wohin geht die Reise der Post mit ihrem Chef Zumwinkel? Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das Aktienpaket der Bankengruppe KfW an der Deutschen Post weckt Begehrlichkeiten. Die beendete Haltefrist für die Beteiligung von 41,7 Prozent und eine Einladung von Vorstandschef Zumwinkel an Finanzinvestoren rufen Private-Equity- und Hedge-Fonds auf den Plan.

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          Das Aktienpaket der staatseigenen Bankengruppe KfW an der Deutschen Post weckt Begehrlichkeiten ausländischer Beteiligungsfonds. Die kürzlich beendete Haltefrist für die Beteiligung von 41,7 Prozent und eine Einladung von Vorstandschef Klaus Zumwinkel an Finanzinvestoren rufen Private-Equity- und Hedge-Fonds auf den Plan. Insbesondere der britischen Beteiligungsgesellschaft CVC, die bereits Minderheitsanteile an der dänischen und der belgischen Post besitzt, wird in Finanzkreisen ein Interesse an der Deutschen Post nachgesagt. Der Deutschland-Chef und Partner von CVC, Steven Koltes, wollte sich dazu nicht äußern. "Wir haben sehr großes Interesse an europäischen Post-Unternehmen", sagte er dieser Zeitung lediglich.

          Die Post als „Merkposten“

          Auch andere Beteiligungsgesellschaften wie KKR, Blackstone und Permira haben offenbar ein Auge auf die Deutsche Post geworfen. Am Markt ist zu hören, mehrere Beteiligungsgesellschaften hätten bereits Investmentbanken damit beauftragt, den milliardenschweren Erwerb einer Beteiligung zu sondieren. Offenbar gibt es aber keine konkreten Gespräche mit der KfW. "Wer immer diese Gerüchte verbreitet, ist einen Schritt zu weit voraus", heißt es in Kreisen der Beteiligungsbranche. Noch gebe es nicht viel mehr als Gedankenspiele.

          "Die Post ist ein Merkposten für uns", sagt der Manager eines großen Private-Equity-Fonds. Mit einem Anteil von weniger als 5 Prozent, wie ihn die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Blackstone kürzlich von der KfW an der Deutschen Telekom erworben hat, sind Beteiligungsgesellschaften offenbar nicht interessiert. "Das war eine einmalige Transaktion. Ich glaube nicht, daß man mit einer derart geringen Beteiligung genügend Einfluß nehmen kann", sagt der Beteiligungsmanager.

          Zumwinkel löst die Gedankenspiele selbst aus

          Zumwinkel hatte die Gedankenspiele über einen Verkauf der KfW-Anteile kürzlich mit einem Interview in der "Wirtschaftswoche" selbst ausgelöst. Darin hatte er die Deutsche Post als "hochinteressant für jeden Finanzinvestor" bezeichnet. "Gerade von großen Finanzinvestoren kann man eine Menge lernen", hatte er gesagt. Zum aktuellen Geschehen wollte sich die Post nicht äußern. "Das ist eine Sache unserer Eigentümer", sagte ein Sprecher nur.

          Die Deutsche Post gilt unter institutionellen Investoren mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2006 von 11 im internationalen Vergleich als unterbewertet. Amerikanische Wettbewerber wie UPS oder Fedex haben ein KGV von 20 und 16. Post-Finanzvorstand Edgar Ernst hat den Abschlag jüngst gegenüber der "Börsenzeitung" auf 20 bis 40 Prozent des Börsenwertes beziffert. Neben UPS und Fedex zog er dabei die niederländische TNT als Vergleichsmaßstab heran.

          Zerschlagung gegen Konglomeratsabschlag

          Ernst führt den Abschlag im wesentlichen auf die aktuellen Schwierigkeiten der Expreßsparte in Amerika zurück. Daneben belasteten die Unsicherheit durch den anstehenden Wegfall des Briefmonopols und der Aktienbestand der KfW den Kurs. Sobald diese Faktoren vom Tisch seien, werde auch der relative Abstand des Börsenwerts zu den Wettbewerbern kleiner werden. Viele Analysten veranschlagen für die Post jedoch einen beträchtlichen Konglomeratsabschlag, weil sie neben ihrem klassischen Kerngeschäft die Postbank betreibt und in die Expreß- und Logistiksparte vorgestoßen ist.

          Ein mögliches Szenario für einen Erwerber wäre daher, das Unternehmen zu zerschlagen. Das würde Zumwinkels Diversifizierungs- und Expansionsstrategie, mit der er den Konzern auf drohende Einbußen im deutschen Briefgeschäft vorbereitet, völlig auf den Kopf stellen. Anbieten würde sich in diesem Szenario an erster Stelle der vollständige Verkauf der Postbank. Solche Spekulationen, denen Zumwinkel energisch widerspricht, waren schon im vorigen Jahr aufgekommen, als das Institut die umsatzstärksten Post-Filialen übernahm. Als weiteres Element wird eine Abtrennung der gerade erst durch die Übernahme des britischen Transportunternehmens Exel erweiterten Logistiksparte genannt. Dahinter stehen Zweifel an den von der Post ins Feld geführten Verbundvorteilen des Angebots aus einer Hand. Aus gutem Grund habe sich auch TNT dafür entschieden, sich auf Expreß und Brief zu konzentrieren und die Logistik zu verkaufen, hieß es.

          KfW letzter Großaktionär

          Um diese Strategie durchzusetzen, wäre freilich eine nennenswerte Beteiligung an der Deutschen Post notwendig - was keine Beteiligungsgesellschaft alleine stemmen könnte. Maximal wären bei der KfW - ein Teil der Aktien ist für zwei Umtauschanleihen reserviert - 32,2 Prozent zu kaufen. Dieses Paket wird an der Börse mit fast 8 Milliarden Euro bewertet. Da man eine derartige Minderheitsbeteiligung nur mit einem Drittel Fremdkapital kaufen könnte, müßten sich einige der weltgrößten Fonds zusammenschließen. Doch wenn sich Hedge-Fonds der Strategie anschlössen, sei das auch mit einem etwas kleineren Anteil möglich, sagte ein Beteiligungsmanager. "Bei dem Blackstone-Telekom-Deal ist auch der eine oder andere Hedge-Fonds auf den Zug aufgesprungen." Außer der KfW gibt es keinen Großaktionär mehr bei der Post, alle übrigen Aktien befinden sich im Streubesitz.

          Die KfW hatte bei dem Verkauf der Anteile an der Telekom ähnliche Transaktionen für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Der Generalbevollmächtigte Günther Bräunig hatte gesagt, die Bank müsse mit ihren Finanzierungsformen mit dem Markt gehen und das tun, was gerade "en vogue" sei. Auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte den Verkauf an einen Finanzinvestor gelobt. Eine Sprecherin der KfW wollte das Interesse der Beteiligungsgesellschaften an der Post nicht kommentieren. "Zu Marktgerüchten nehmen wir prinzipiell keine Stellung." Das Ende der Haltefristen für die KfW-Aktien bedeutet auch nicht, daß sich die staatseigene Bank rasch von den Aktien trennt. Die Haltefrist für die Telekom-Anteile war im Mai 2005 abgelaufen. An Blackstone verkauft wurden sie erst vor einem Monat.

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