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Locomore fährt wieder : Flixbus startet Angriff auf die Deutsche Bahn

Bahnhof Lichtenberg in Berlin: Weiterhin fährt Locomore die Strecke von Berlin nach Stuttgart und zurück. Bild: dpa

Drei Monate nach dem Insolvenzantrag ist der Fernzug Locomore wieder zwischen Berlin und Stuttgart unterwegs. Dank Flixbus sollen die Züge jetzt auch endlich voll werden.

          Nach dem Insolvenzantrag war gut drei Monate Zugpause. Jetzt ist Locomore, neben dem Hamburg-Köln-Express (HKX) einziger Fernverkehrskonkurrent der Deutschen Bahn, wieder auf den Schienen hierzulande unterwegs. Am Donnerstag startete Loc 1819 fahrplanmäßig um 14.19 Uhr vom Berliner Bahnhof Lichtenberg in Richtung Stuttgart. Den Fahrbetrieb hat der private tschechische Bahnbetreiber Leo Express übernommen, den Fahrkartenvertrieb der Fernbusanbieter Flixbus. Der Start zumindest ließ hoffen: Zur Premierenfahrt war der Zug zu zwei Dritteln ausgebucht.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir sind überzeugt, dass wir über die Flixbus-Plattform die nötige Zahl an Kunden gewinnen, um einen nachhaltigen Betrieb der Locomore-Strecken auch bei günstigen Ticketpreisen zu ermöglichen“, zeigt sich Flixbux-Gründer André Schwämmlein überzeugt. Sein Unternehmen kooperiert seit 2015 in Tschechien mit Leo Express. Dessen Geschäftsführer Peter Köhler gibt sich gleichfalls zuversichtlich: „Wir glauben an das Produkt Locomore. Gemeinsam mit Flixbus wollen wir zwei nachhaltige, ökologische Verkehrsmittel verbinden.“

          Der über das Internet mittels Crowdfunding finanzierte Anbieter Locomore war mit einem einzigen Zug erstmals am 14. Dezember 2016 auf der Trasse zwischen Stuttgart und Berlin gestartet. Der Locomore fuhr morgens von der baden-württembergischen Landeshauptstadt in die Bundeshauptstadt und nachmittags dieselbe Strecke wieder zurück. Eine Fahrt mit dem Zug, bestehend aus alten Interregiowaggons und aufgehübschten Abteilwagen aus dem vergangenen Jahrhundert, war für weniger als die Hälfte des DB-Standardtarifs zu haben. Im Mai meldete der DB-Konkurrent überraschend Insolvenz an und stellte den Zugverkehr komplett ein. Bis dahin hatten die Locomore-Züge rund 70.000 Fahrgäste befördert. Es waren offenbar zu wenig, um mit der geringen Kapitalausstattung überleben zu können.

          Das alte Geschäftsmodell wird nun weitergeführt: mit einem Zug Stuttgart–Frankfurt–Hannover–Berlin (und zurück) sowie mit deutlich günstigeren Fahrpreisen, als sie die Deutsche Bahn offeriert. Ein Locomore-Ticket von Berlin nach Frankfurt kostet beispielsweise freitags 29 Euro und ist am verkehrsschwachen Samstag sogar schon für 9,90 Euro zu haben, während die Deutsche Bahn ohne Bahncard 126 Euro verlangt. Allerdings bleibt das Locomore-Angebot wie schon vor der Insolvenz deutlich eingeschränkt: Der Billigzug verkehrt zunächst nur von Donnerstag bis Montag.

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