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Softwarekonzern : Lizenzgeschäft von SAP bricht ein

  • -Aktualisiert am

Ein Firmenlogo des Softwarekonzerns SAP ist an einem Firmengebäude angebracht. Bild: dpa

Der Softwarekonzern SAP hat seine Prognose gestrichen. Grund dafür sei ein erheblicher Rückgang der Lizenzerlöse. Das Unternehmen rechnet damit, dass sich die Situation „bis ins zweite Quartal“ verschlechtert.

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          Die  Corona-Epidemie  hat auch im Geschäft des Softwareriesen SAP  ihre Spuren hinterlassen. Wegen der Krise hätten Kunden „eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen“ verschoben, was sich in einem erheblichen Rückgang der Lizenzerlöse für Software widerspiegele,  berichtet der Konzern in einer ad hoc verbreiteten Mitteilung am späten Mittwochabend. Die Prognose für das laufende Jahr sei damit nicht mehr zu halten.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          In den ersten beiden Monaten sei die Geschäftstätigkeit „solide“ gewesen, zum Ende des Quartals aber hätten sich die Auswirkungen der Corona-Krise jedoch rasch verstärkt. Der Umsatz mit Softwarelizenzen bleib im ersten Quartal mit 450 Millionen Euro um 31 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Dass die Konzernerlöse dennoch um 7 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro gestiegen sind, verdankt  SAP seinem Cloudgeschäft. Dessen Erlöse seien um 29 Prozent auf 2,01 Milliarden Euro gestiegen. Für Finanzchef Luka Mucic ein Beleg, dass  sich die Konzentration auf einen immer höheren Anteil planbarere Umsätze - zu denen die regelmäßigen Zahlungen für die Nutzung von Clouddiensten gehört – auszahlt.

          In der Gewinnrechnung hat die Krise ebenfalls ihre Spuren hinterlassen, allerdings geht der Effekt dort wegen Sondereffekten im Vorjahr fast unter. Weil der Konzern 2019 den Sonderaufwand für seine Restrukturierung verbuchte, kann er trotz der Krise in diesem Quartal eine Verdopplung auf 1,21 Milliarden Euro verbuchen. Bereinigt sei der Wert um ein Prozent gestiegen.

          Aktienkurs steigt

          SAP hat nach eigenen Angaben der beiden Vorstandssprecher Jennifer Morgen und Christian Klein schnell auf die neu Lage reagiert. Sie nennen die Stärkung des virtuellen Vertriebs und die  Möglichkeit,  Programme „remote“ also per Fernzugriff auf den Servern der Kunden zu implementieren. Um die Profitabilität zu schützen, will der Vorstand zudem weniger neue Mitarbeiter einstellen, kurzfristig anpassbaren Ausgaben  verringern und weiter Sparmöglichkeiten nutzen, etwa weniger geschäftlich zu reisen und mehr Veranstaltungen virtuell auszurichten. An der langfristigen Strategie halte der Konzern fest. Man rechne damit „mit einer noch stärkeren Wettbewerbsposition als zuvor aus der Corona-Krise hervorzugehen“.

          SAP geht davon aus, dass sich die Situation „bis ins zweite Quartal“ verschlechtert,  bevor sie sich im weiteren Verlauf des Jahres allmählich verbessere, „wenn Länder ihre Wirtschaft wieder hochfahren und die Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung aufgehoben werden“. Seine Jahresprognose kann der Konzern angesichts des „schwierigen Marktumfelds“ allerdings nicht mehr halten. Alle neue Prognosen seien wegen der großen Unsicherheit nur Näherungswerte. Konkret soll der  Umsatz  in einer Spanne von 27,8 und 28,5 Milliarden Euro liegen, was einem Plus von einem bis drei Prozent entspricht – bislang war der Konzern von mindestens 29,2 Milliarden Euro ausgegangen. Für das Betriebsergebnis gibt der Vorstand nun eine Spanne von 8,1 bis 8,7 Milliarden Euro statt bislang 8,9 bis 9,3 Milliarden Euro vor.

          Trotz der Prognosesenkung ging der Aktienkurs am Donnerstag nach oben. Mit einem Plus von 2 Prozent gehörte die Aktie von Deutschlands wertvollstem börsennotierten Unternehmen sogar zu den am stärksten nachgefragten Papieren im Dax. Analysten hatte bereits mit einer Senkung der Prognose gerechnet und teilweise deutlich schlimmere Szenarien befürchtet.

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