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F.A.Z. exklusiv : Linde bootet bei Fusion mit Praxair seine Aktionäre aus

Linde geht mit Praxair zusammen. Transaktionsvolumen: 60 Milliarden Euro Bild: Reuters

Der Industriegasekonzern geht mit seinem amerikanischen Konkurrenten Praxair zusammen. Die Aktionäre dürfen bei dem Milliardendeal allerdings nicht mitreden. Bei Praxair sieht das anders aus.

          Den Aktionären des Industriegasekonzerns Linde ist eine Mitsprache bei der Fusion mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair verwehrt. Wie die F.A.Z. in ihrer Freitagsausgabe berichtet, löst das Vorgehen von Aufsichtsrat und Vorstand bei diesem Vorhaben mit einem Transaktionsvolumen von 60 Milliarden Euro scharfe Kritik unter Aktionärsvertretern aus.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Zwar kann das Thema auf der Hauptversammlung am 10. Mai diskutiert werden, abstimmen dürfen die Eigner wegen der gewählten Konstruktion des Zusammenschlusses nicht. Grünes Licht kann nur der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Wolfgang Reitzle geben.

          „Nicht Aufsichtsrat und Vorstand sind Eigentümer des Unternehmens, sondern die Aktionäre, weshalb sie Mitsprache haben müssen“, fordert Ingo Speich von Union Investment, die mit mehr als 1 Prozent an Linde beteiligt ist. „Sie können nicht einfach ausgebootet werden.“ Er kritisiert die Informationspolitik von Linde. „Die Mitsprache wäre auch unkritisch, wenn die Verwaltung die Anteilseigner rechtzeitig und umfassend informieren würde.“ Das sei nicht der Fall. „Wir haben es mit einer absoluten Blockadehaltung gegenüber den Minderheitsaktionären zu tun, das ist unbefriedigend.“

          Bei Praxair sieht die Sache anders aus

          Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bemängelt, dass Aktionäre vor vollendet Tatsachen gestellt werden: „Die Aktionäre werden übergangen und überfahren.“ Und sie fügt hinzu: „Ich fühle mich ziemlich verschaukelt.“

          Christian Strenger, Experte für Regeln der guten Unternehmensführung (Corporate Governance), fordert: „Schon weil so viele transatlantische ’Merger of Equals’ nicht gut ausgegangen sind, sollten so entscheidende Zukunftsfragen nicht allein dem Vorstand und dem Aufsichtsrat überlassen werden.“ Er fragt: „Warum lässt man sich den durchaus gegebenen Sinn des Vorhabens nicht durch die Hauptversammlung von denen bestätigen, denen das Unternehmen gehört.“

          Statt einer Abstimmung auf der HV werden die Anteilseigner im Frühsommer eine Übernahmeofferte durch eine neue Holdinggesellschaft erhalten, in der die beiden Unternehmen aufgehen. So gibt es nur die Wahl, ob sie das Angebot annehmen oder ablehnen. Eine Einflussnahme auf die Ausgestaltung haben sie nicht. Anders bei Praxair: Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung werden die Aktionäre des amerikanischen Unternehmens über das Schicksal abstimmen, weil dies in Amerika so vorgegeben ist.

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