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Lieferstopps : VW verklagt Zulieferer Prevent

Das Wolfsburger VW-Werk mit dem Heizkraftwerk Bild: dpa

Der Konflikt zwischen VW und Prevent reicht zurück in den Sommer 2016. Auf seinem Höhepunkt wurde sogar die Fertigung in sechs Werken ausgesetzt. Jetzt fordert der Autokonzern Schadenersatz.

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          Im Streit zwischen Volkswagen und der Zulieferer-Gruppe Prevent hat der Wolfsburger Konzern jetzt millionenschwere Schadenersatz-Klagen angekündigt. Kurz vor dem geplanten Start eines Verfahrens am Oberlandesgericht Düsseldorf, bei dem die Hagener Prevent-Tochtergesellschaft TWB von Mittwoch an weitere Forderungen gegen den Autobauer erhebt, gab VW seinerseits am Dienstag in Wolfsburg entsprechende Schritte gegen den früheren Lieferanten bekannt. „Die Klagen richten sich nicht nur gegen die Zulieferer, mit denen Lieferverträge bestanden, sondern ausdrücklich auch gegen deren Muttergesellschaften der Prevent-Gruppe“, sagte ein VW-Sprecher. Sie seien für die Lieferstopps der einzelnen Tochterunternehmen „aufgrund entsprechender rechtswidriger Weisungen verantwortlich“.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Der Konflikt zwischen VW und Prevent reicht zurück in den Sommer 2016. Damals hatten sich die Prevent-Unternehmen ES Guss und Car Trim geweigert, den Großkunden VW weiter mit Getriebe- und Sitzteilen zu beliefern und versucht, mit der Blockade deutlich höhere Preise durchzusetzen. Hinter verschlossenen Türen war von Wucherpreisen die Rede. VW musste die Autofertigung in sechs Werken aussetzen. „Die Lieferstopps waren vertrags- und rechtswidrig“, sagte der Sprecher jetzt. Es gibt bislang 14 Entscheidungen von Gerichten im Streit zwischen Prevent und VW, in denen die Zuliefergruppe unterlegen ist.

          Kurzarbeit, Kündigungen und Streiks

          Weil die Lieferstopps rechtswidrig gewesen sind, sei das Unternehmen nun verpflichtet, Schadensersatz gerichtlich durchzusetzen, heißt es in Wolfsburg. Vor dem Landgericht in Braunschweig hat die VW AG deswegen für Skoda die erste Klage auf Schadenersatz eingereicht. Für die Ansprüche der anderen Konzernmarken werde demnächst geklärt, welches Gericht zentral für weitere Schadenersatzklagen zuständig sei, hieß es.

          VW hatte damals den Auftrag gekündigt, sich gegen von Prevent geforderte Preiserhöhungen gesperrt und schließlich eine gezielte Kampagne gewittert. Prevent wiederum warf VW vor, als mächtiger Abnehmer Druck auf Lieferanten auszuüben. Aber selbst einstweiligen Verfügungen des Landgerichts Braunschweig, wonach die Belieferung fortgesetzt werden musste, kam Prevent nicht nach. Die weit verzweigte Prevent-Gruppe gehört der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor und hat sich mit VW, aber etwa auch mit Daimler immer wieder um Konditionen gestritten.

          VW reagierte im Frühjahr 2018 mit der Vertragskündigung, nachdem alternative Lieferanten gefunden worden waren. Einige Prevent-Unternehmen gerieten daraufhin ihrerseits in Schwierigkeiten – es kam zu Kurzarbeit, Kündigungen, Streiks und Auseinandersetzungen mit der IG Metall über einen Sanierungsplan. Im Fall von TWB war das Werk in Hagen Mitte September überraschend geschlossen worden. Nachdem Prevent vor deutschen Gerichten bislang keinen Erfolg hatte, hat eine Klage von Prevent in den Vereinigten Staaten den Streit jüngst wieder angeheizt.

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