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Lieferengpässe : Spielen wird teurer

Kommen die Puppen pünktlich? Die Branche befürchtet Engpässe. Bild: dpa

Bauen und Puzzeln gegen die Corona-Tristesse: Die Spielebranche hat erst eine Hochkonjunktur erlebt. Nun gibt es Lieferengpässe und Spannungen zwischen Herstellern und Händlern.

          3 Min.

          Frohe Botschaften sind knapp, wenn Spielwarenhändler und Hersteller auf das Geschäft mit Bausteinen, Brettspielen und Dinosaurierfiguren blicken. Denn Spielen wird wohl teurer. „Nahezu täglich gehen neue Preislisten von den Produzenten bei mir ein“, sagt Wieland Sulzer, der Vorsitzende des Spielwarenhändlerverband BVS, der in Marburg ein 1500 Quadratmeter großes Geschäft mit allerlei Kinderartikeln führt. Zwischen 5 und 15 Prozent würden Hersteller aufschlagen. „Für einzelne Produkte geht das sogar an die 30 Prozent.“

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die gute Nachricht für Geschenkekäufer: Die neuen Listen gelten erst vom 1. Januar an. Vorher dürfen Eltern und Großeltern noch einmal etwas günstiger Weihnachtsgeschenke shoppen, wäre da nicht noch eine schlechte Nachricht für sie: Nachschub fehlt, weil Container für den Transport aus Fabriken in Asien knapp und teuer sind und weil Material – Granulat für Kunststofffiguren, Platinen für Elek­trospielzeug, Papierwaren für Brettspiele – schwerer zu beschaffen ist.

          „Katastrophal“ sei der Fluss der Lieferungen momentan, klagt Sulzer. Von einem Hersteller, den er nicht nennen will, habe er Produkte im Wert von mehr als 13 000 Euro bestellt. Mit der Auftragsbestätigung kam für ihn die böse Überraschung. Der Lieferant berechnete nur Waren im Wert von 684 Euro, weil er auf die Schnelle nicht mehr liefern könne.

          „Flexibilität bei Geschenken mitbringen“

          Im zweiten Corona-Jahr kann sich die Branche über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Der Spielwarenherstellerverband DVSI erfuhr aus einer Yougov-Studie, dass 40 Prozent der Deutschen Spielwaren gar als „Therapeutikum“ in der Corona-Tristesse genutzt haben. 37 Prozent wollten dem Spielen künftig mehr Platz in ihrem Alltag einräumen. Doch am Nachschub für die Spielzimmer hapert es.

          Sulzers Verband beteuert zwar, dass die Fachhändler frühzeitig ihre Lager gefüllt hätten. Nicht so recht dazu passen mag aber der Ratschlag, Geschenke möglichst gleich zu kaufen, sobald Kinder ihren Wunschzettel fertig geschrieben haben. Nach einer Erhebung des Münchner Ifo-Instituts sind die Klagen über Lieferschwierigkeiten in der Spielwarenbranche am lautesten. „Die Verbraucher müssen eine gewisse Flexibilität bei Weihnachtsgeschenken mitbringen“, sagt Klaus Wohlrabe, der die Ifo-Umfragen leitet.

          Lego baut Marktführerschaft aus

          Knappheit kann letztlich Rekorde gefährden. „Für uns ist die große Frage, ob die Branche 2021 noch den starken Zuwachs des Vorjahres übertreffen kann“, sagt Joachim Stempfle vom Spielwaren-Marktforscher Npdgroup. 2020 war ein Jubeljahr, Käufer in Deutschland gaben den Rekordbetrag von 3,7 Milliarden Euro fürs Spielen aus – eine Steigerungsrate von 11 Prozent für die Branche, die sich auch schon mal über 3 Prozent Plus gefreut hat. Bis Ende Oktober ist 2021 wieder ein Umsatzplus von 8 Prozent aufgelaufen.

          Aber der Händlerverband BVS ist vorsichtig geworden. Er rechnet bloß damit, 4 Prozent des Zuwachses durch das Weihnachtsgeschäft hindurch halten zu können. Auch Stempfle warnt vor zu viel Euphorie: „Der positive Trend kommt aus den ersten vier Monaten des Jahres.“ Nach Ostern habe die Nachfrage nachgelassen, im Sommerquartal gab es für die Branche insgesamt keinen Zuwachs mehr.

          Begehrte Steine: Der Lego-Absatz wächst.
          Begehrte Steine: Der Lego-Absatz wächst. : Bild: dpa

          Umso mehr stechen Produzenten hervor, die bis Ende Oktober mehr absetzen konnten – allen voran der Noppensteinkonzern Lego. „Lego führt die Liste der am stärksten wachsenden Hersteller an und baut damit seinen Vorsprung als Marktführer noch aus“, sagt Stempfle. Doch dafür sorgt auch nicht das gesamte Bausatz-Portfolio der Dänen.

          Der Absatzschub geht großteils auf komplexe Lego-Technik-Sets sowie Bausätze zu Star-Wars-Filmen und zu den Geschichten um Zauberschüler Harry Potter zurück. Gleich fünf Artikel davon haben es in die Liste der zehn umsatzstärksten Artikel im Oktober geschafft. Von der Renaissance der vor Jahren ins Abseits geratenen Barbie-Puppe profitiert hierzulande der amerikanische Mattel-Konzern, die Simba-Dickie-Gruppe aus Fürth komplettiert dank der Modellautos der Marken Majorette und Jada das Wachstumstrio der Branche.

          „Preiserhöhungen nicht zu vermeiden“

          Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Spielwarenherstellerverbands DVSI, sieht einen „Boom mit zwei Gesichtern“. Nach Jahren der Zurückhaltung hat fast die Hälfte der hiesigen Betriebe 2021 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Doch mehr Umsatz wird nach den Worten Brobeils für viele Unternehmen nicht auch mehr Gewinn bedeuten. „Die deutlich gestiegenen Aufwendungen für die Lieferketten drücken auf die Rentabilität“, sagt er. „Preiserhöhungen werden nicht zu vermeiden sein.“

          Die Mieten für Container, um Waren nach Deutschland zu verschiffen, hätten sich in der Spitze verzehnfacht, der Transport dauere länger. Zwei Drittel der Spielwaren, die in deutsche Regale gelangen, kommen aus China. Doch wer wie Lego und Playmobil in Europa fertige, könne ebenso Engpässe spüren – wenn Kunststoffgranulat für die Spritzgussmaschinen, die Figuren und Bausteine fertigen, aus Fernost komme.

          Die Corona-Krise belastet auch das Verhältnis von Händlern und Herstellern. Produzenten sehen den Onlineabsatz als immer wichtiger an, die Händlervertretung BVS befürchtet, dass im zweiten Pandemie-Jahr nur noch 18 Prozent des für Spielwaren ausgegeben Geldes in Fachhändler-Kassen fließen, zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts war ihr Marktanteil noch doppelt so groß.

          Dass der Herstellerverband DVSI mit einer Umfrage aufwartet, der zufolge eine Mehrheit von 59 Prozent auch nach der Pandemie seltener für Einkäufe in Fachgeschäfte in die Innenstädte fahren will, dürfte nicht gefallen. BVS-Präsident Sulzer rügt schon die Produzenten für deren Strategien: „Die Lücken, die es in Regalen der Händler gibt, sieht man in vielen Onlineshops der Hersteller nicht. Von Fairness kann ich nicht sprechen.“

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