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Lieblingsauto-Wahl : Autohersteller bereiten die Rückgabe der ADAC-Preise vor

  • -Aktualisiert am

Das Vertrauen in den Automobilclub bröckelt immer mehr Bild: dpa

Nach Berichten über weitere Manipulationen bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ handeln die Autobauer. Die bereiten die Rückgabe ihrer ADAC-Preise vor.

          Die Autoproduzenten werden alle Preise des ADAC zurückgeben, wenn sich ein Verdacht weitgehender Manipulationen bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ bestätigen sollte. Nach Informationen dieser Zeitung ist eine entsprechende Erklärung der Unternehmen abgestimmt und vorbereitet. Sie gilt für den Fall, dass sich der Verdacht erhärtet, dass der ADAC nicht nur die Teilnehmerzahlen bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ geschönt, sondern auch die Reihenfolge manipuliert hat, wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Unterlagen des Vereins berichtet. Der Münchner Konzern BMW soll vor VW geschoben worden sein.

          Der ADAC steht seit zwei Wochen wegen seines Geschäftsgebarens in der Kritik. Anfangs hieß es, der Kommunikationschef des Vereins, Michael Ramstetter, habe im Alleingang die Stimmenzahlen bei der Wahl des „Gelben Engels“ frisiert. Aus tatsächlich mehreren Tausend abgegebenen Stimmzetteln machte er über 30.000 Stimmen, wahrscheinlich um der „wahren“ Bedeutung des ADAC gerecht zu werden – der Deutsche Automobilclub hat etwa 19 Millionen Mitglieder, die ihm über 1 Milliarde Euro an Beiträgen bescheren. Nach und nach kamen jedoch noch mehr Ungereimtheiten heraus. Rettungshubschrauber sollen von Vorstandsmitgliedern mitgenutzt worden sein. „Gelbe Engel“, die am Straßenrand gestrandeten Autofahrern geholfen haben, sollen Provisionen für die Empfehlung von Batterien erhalten haben, die der Verein mit dem Hersteller Varta vertreibt. Außerdem sollen Reifenhersteller vor Tests Details erfahren und ihre Reifen angepasst haben. Im Zuge der Enthüllungen wurde auch die wirtschaftliche Bedeutung des Vereins ins Licht gerückt, der mit diversen Dienstleistungen einen Umsatz von 1 Milliarde erzielt.

          ADAC soll BMW begünstigt haben

          Nun sind offenbar auch die Manipulationen am Autopreis größer als bisher angenommen. Die Wahl, bei der die Leser der ADAC-Zeitschrift „Motorwelt“ zur Abstimmung aufgerufen werden, findet seit dem Jahr 2005 statt. Seit einigen Tagen kontrollieren Fachleute der Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte alle Kategorien des Autopreises. Es war vor allem die Wahl aus dem Jahr 2013, die in der Branche für Verwunderung sorgte. Damals hatte die neue A-Klasse von Mercedes, erst seit September 2012 beworben, auf Anhieb den ADAC-Preis gewonnen.

          Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet jetzt, dass die Fünfer-Reihe von BMW im Jahr 2014 zwei Plätze nach oben gezogen worden sei, und zwar vom siebten auf den fünften Platz. Auf dem fünften Platz habe der VW Tiguan gestanden, der aber sei dafür gar nicht in der Liste aufgetaucht. Ein ADAC-Sprecher sagte, er könne dies nicht bestätigen: „Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Dem ADAC sind bisher keinerlei Ergebnisse bekannt“, sagte der Sprecher.

          Der ADAC will nächste Woche erste Resultate einer externen Kontrolle zu Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ bekanntgeben. Unabhängig davon ist der Schaden groß. Dem ADAC droht der Entzug des Vereinsstatus und er hat schon jetzt 15 000 Mitglieder aufgrund des Skandals verloren. Der immense Imageschaden ist nicht zu beziffern.

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