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Discounter : Lidl macht sich hübsch

Büros von Lidl
Büros von Lidl : Bild: Lidl

Die Art der Personalführung soll sich aber jetzt grundsätzlich ändern, versprechen die Lidl-Vorstände. „New Way of Working“ heißt das Codewort, das die Zentrale der Discount-Kette in Neckarsulm gründlich durcheinanderwirbelt. Noch sitzen Seidel und Rittner beim Interview mit dieser Zeitung in einem Standardbüro mit geschlossener Tür - doch Personalabteilung, Beschaffung, Immobilien und IT sehen schon ganz anders aus. Dort hat niemand mehr einen festen Arbeitsplatz. Je nachdem, was gerade zu tun ist, wählen die Mitarbeiter ihren Schreibtisch aus, arbeiten heute hier, morgen dort. Vormittags setzen sie sich vielleicht in den Ruheraum, wo Sprechen tabu ist, und verschwinden nur mal kurz in einer Telefonzelle, wenn es denn sein muss. Nachmittags suchen sie die Nähe zu Teamkollegen, die Schreibtisch an Schreibtisch dicht gedrängt beieinandersitzen.

Für Besprechungen oder Gruppenarbeit gibt es wahlweise Räume mit viel Technik, Sitzecken mit Sofas oder hohe Tische mit Stehhockern. Dank moderner Technik klingelt kein Telefon, den Schall schlucken extradicke Teppiche, Gardinen und Stellwände. „Wir haben das jetzt seit Juli so eingerichtet und bekommen viel positives Feedback“, sagt Rittner. 400 Mitarbeiter sind schon in der neuen Arbeitswelt angekommen. Nach und nach sollen weitere Büros umgebaut werden, wobei die betroffenen Mitarbeiter Mitspracherechte haben, wie sie berichtet. In der Beschaffung ist insgesamt alles luftiger, weil man viel Platz braucht für Produkte, die zu begutachten sind, bevor sie eingekauft werden. In der tendenziell eher weiblich besetzten Personalabteilung findet man Pflanzen. Die Kollegen aus der IT dagegen haben sich eine Playstation gewünscht.

Mit den Büros soll sich auch die Arbeitsorganisation ändern. „Die Hierarchie soll deutlich in den Hintergrund treten“, lautet eine Forderung von Seidel: „Bei Lidl sollen Kommunikation und das Miteinander im Vordergrund stehen.“ Hauptziel der Veränderungen ist es, Lidl als Arbeitgeber attraktiver zu machen. Die vielzitierte „Generation Y“ habe nun einmal andere Ansprüche an ihr Arbeitsumfeld als frühere Generationen. „Das sind andere Talente. Aber wir brauchen die besten“, wünscht sich Seidel und wirbt: „Wir bieten Entwicklungschancen, die technische Ausstattung ist top, und wir sind ein Team, bei dem auch der Spaß nicht zu kurz kommt.“

Ein Problem wird Seidel allerdings nicht ändern können: In Neckarsulm, auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Stuttgart gelegen, rangeln auch andere große Arbeitgeber um den motivierten Nachwuchs, wie etwa der IT-Dienstleister Bechtle oder Audi. Aber urbanes Leben ist Fehlanzeige. Oder wie Sven Seidel sagt: „Neckarsulm ist lebenswert, aber noch nicht hip. Diesen Standort muss man schon vermarkten.“

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