https://www.faz.net/-gqe-7iw6u

Libor, Kirch-Insolvenz : So viele Strafen drohen der Deutschen Bank

  • Aktualisiert am

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: dpa

Die Deutsche Bank hat einige Skandale hinter sich. Das wird jetzt teuer. Für Rechtsstreitigkeiten hat das Geldhaus schon mehr als 4 Milliarden Euro zurückgelegt.

          Zinsmanipulationen, Wertpapier-Verkäufe und die Insolvenz des Medienkonzerns Kirch: In den vergangenen Monaten sind viele Skandale der Deutschen Bank ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Dafür wird sie wohl bezahlen müssen.

          Mehr als vier Milliarden Euro hat sie mittlerweile insgesamt für mögliche Kosten aus den Rechtsstreits zurückgestellt, gut 1 Milliarde ist für die vergangenen drei Monate noch einmal dazugekommen, teilte das Institut gerade zusammen mit den aktuellen Geschäftszahlen mit. Für welche Prozesse sie wie viel Geld zurück legt, das verrät die Bank im Einzelnen nicht. Sie will ihren Gegnern nicht verraten, mit welchen Summen sie rechnet. Aber die Bank listet im Geschäftsbericht auf, welche juristischen Auseinandersetzungen sie wichtig findet.

          Das sind die wichtigsten Risiken:

          1. Libor-Skandal: Der Deutschen Bank und anderen international bedeutenden Geldhäusern wird vorgeworfen, wichtige Zinssätze, zu denen sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen, manipuliert zu haben. Prominentestes Beispiel ist die “London Interbank Offered Rate“ (Libor), es geht aber auch um die entsprechenden Zinssätze für die Währungen Euro (Euribor), Yen (Tibor) und den Singapur-Dollar (Sibor). Aufsichtsbehörden verschiedener Länder untersuchen die Sache. Einige Banken haben sich mit der britischen Finanzaufsicht FSA und der mächtigen amerikanischen Aufsichtsbehörde CFTC geeinigt und hohe Summen gezahlt. Da könnten auch der Deutschen Bank Zahlungen drohen. Zudem klagen Besitzer von Finanzprodukten gegen die Deutsche Bank, deren Wertentwicklung von den Interbankenzinssätzen abhängt. Verhandelt werden die Klagen vor einem Gericht in den Vereinigten Staaten in New York.

          2. Streit mit den Kirch-Erben: Der Medienkonzern des verstorbenen Unternehmers Leo Kirch ist pleite - und die Deutsche Bank spielt darin eine unrühmliche Rolle. Der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hatte in einem Interview offen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens angezweifelt. Leo Kirchs Erben wollen Schadenersatz. Sie fordern einen Milliardenbetrag.

          Die vielen Skandale der Deutschen Bank in der Zeitleiste

          3. Immobilien-Krise in Amerika: Eine der wichtigsten Ursachen der Finanzkrise sind die unzähligen Hauskredite an Amerikaner, die sie sich eigentlich nicht hätten leisten können. Millionen solcher Kredite wurden zu neuen komplexen Wertpapieren zusammengepackt und an Banken rund um die Welt verkauft. Viele Klagen gegen die Deutsche Bank und andere fußen auf den Folgen des eingebrochenen amerikanischen Immobilienmarktes. Wie häufig die Deutsche Bank selbst angeklagt wird, weil sie beispielsweise mit Hypotheken besicherte Wertpapiere emittiert und verkauft hat, ist nicht bekannt.

          4. Devisenmarkt-Manipulation: Mehrere Aufsichtsbehörden prüfen, ob große Banken, unter ihnen auch die Deutsche Bank und zum Beispiel die schweizerische UBS, wichtige Referenzkurse auf dem Devisenmarkt manipuliert haben.

          5. CDS-Kartell: Die EU-Kommission untersucht, ob die Deutsche Bank zusammen mit anderen großen Finanzhäusern den Markt für umstrittene Kreditabsicherungen (CDS) so stark kontrolliert, dass der Wettbewerb nicht funktioniert. Das Verfahren richtet sich neben der Deutschen Bank gegen zwölf weitere Institute, das britische Forschungs- und Finanzdateninstitut Markit sowie die International Swaps and Derivatives Association. Befindet die EU-Kommission die Banken für schuldig, drohen auch hier Bußgelder. Darüber hinaus gibt es im Bereich der CDS zivilrechtliche Klagen auch wieder in den Vereinigten Staaten.

          6. Hypothekenkredite: Einige amerikanische Banken verlangen, dass die Deutsche Bank Kredite zurückkauft, die sie während der Jahre 2005 bis 2008 an besagte Institute verkauft hat. Die Deutsche Bank schreibt, ihr werde vorgeworfen, sie habe offenbar übliche Gewährleistungsregelungen nicht eingehalten. Zum Stand 30. September dieses Jahres beziffert die Deutsche Bank die „noch unerledigten Rückkaufforderungen“ auf rund 6,3 Milliarden Dollar. Dafür seien Rückstellungen in Höhe von 565 Millionen Dollar bilanziert worden.

          Weitere Themen

          Elon Musk will dem Mensch ans Hirn Video-Seite öffnen

          Neue Form der Kommunikation? : Elon Musk will dem Mensch ans Hirn

          Über implantierte Drähte und eine kabellose Verbindung will der Start-up-Unternehmer das menschliche Gehirn mit einem Interface außerhalb des Körpers verbinden. So soll eine neue Form der Kommunikation möglich werden.

          Topmeldungen

          Konkurrenz lauert : Herbe Enttäuschung von Netflix

          Der Videodienst gewinnt weniger Kunden als erwartet. Auf seinem Heimatmarkt schrumpfen die Abonnentenzahlen sogar. Die Aktie verliert deutlich an Wert, denn die Sorgen werden auch in Zukunft nicht weniger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.