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Prozess in London : Heuerte Goldman Sachs Prostituierte an?

Goldman-Sachs-Zentrale in New York Bild: AFP

Der libysche Staatsfonds wirft der Investmentbank vor, Prostituierte angeheuert zu haben, um an Aufträge zu kommen. In London wird der Streit nun vor Gericht ausgetragen.

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          Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs soll für Kunden Prostituierte angeheuert haben, um an Aufträge zu kommen. Diesen Vorwurf erhebt der libysche Staatsfonds LIA in einem Gerichtsprozess vor dem High Court in London. Die Bank soll die Arglosigkeit und Unerfahrenheit der Mitarbeiter des Fonds ausgenutzt haben, um ihnen im Jahr 2008 übermäßig riskante und unpassende Finanzprodukte zu verkaufen. Für Goldman Sachs sollen die Derivate-Geschäfte hoch profitabel gewesen sein, während der libysche Fonds einen Milliardenverlust erlitt.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Um sich mit den wichtigen Kunden gutzustellen, soll Goldman Sachs Entscheidungsträger des Fonds und deren Angehörige unter anderem zu teuren Reisen eingeladen haben. Dabei sollen auch die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen worden sein.

          Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert aus einer internen E-Mail, in der ein leitender Goldman-Banker einem Mitarbeiter dazu gratulierte, dass es dieser geschafft habe, ein komplexes Kreditprodukt an einen Kunden zu vermitteln, „der mitten in der Wüste mit seinen Kamelen lebt“. In einer anderen Mail schrieb ein Goldman-Banker über die Kunden aus Libyen: „Sie sind sehr naiv – und jeder könnte sie ‚ausplündern‘“. Nach Angaben des Staatsfonds soll die amerikanische Investmentbank aus den umstrittenen Geschäften einen Bruttogewinn von 368 Millionen Dollar eingestrichen haben, während der Fonds einen Totalverlust von 1,2 Milliarden Dollar erlitten habe.

          Die Anwälte von Goldman Sachs weisen die Vorwürfe zurück. Die Klage des Staatsfonds sei „sowohl ungewöhnlich als auch ambitioniert“. Tatsächlich habe man mit den Geschäften lediglich rund 130 Millionen Dollar Gewinn erzielt. Der Grund für die Verluste des Kunden sei nicht eine falsche Beratung, sondern die damalige Weltfinanzkrise gewesen, die viele Marktteilnehmer nicht vorhergesehen hätten. Die Art und Weise, wie Goldman Sachs die Kunden aus Libyen mit Einladungen umworben habe, sei in keiner Weise „ungehörig oder unüblich“ gewesen.

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