https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/leopard-hersteller-krauss-maffei-wegmann-fusioniert-mit-nexter-13020958.html

Plan für Großfusion : Panzerschmiede nach Vorbild von Airbus entsteht

Die Produktion des Leopard-Panzers in München Bild: IMAGO

Der Leopard-Hersteller Krauss-Maffei-Wegmann peilt nach F.A.Z.-Informationen einen Zusammenschluss mit der französischen Waffenschmiede Nexter an. Das soll die ganze Branche in Bewegung setzen. 

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          Lange sah es so aus, als würde Airbus der einzige Champion in Europa für das Militärgeschäft bleiben. Jetzt schicken sich der französische Rüstungskonzern Nexter und die deutsche Panzerschmiede Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) an, diesem Vorbild nachzueifern. Nach Informationen dieser Zeitung wollen beide Hersteller ihre Geschäfte unter einer neuen Holdinggesellschaft zusammenführen, um die Produktion von Panzern und Kanonen zu bündeln, gemeinsam zu steuern und global zu vermarkten. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde am Dienstagabend unterzeichnet. Sie soll bis Jahresende zu einem verbindlichen Vertrag führen, der auf absehbarer Zeit eine Fusion folgt. Ein direkter Zusammenschluss zwischen KMW und dem börsennotierten Konkurrenten Rheinmetall, über den mehrfach spekuliert wurde, ist damit endgültig vom Tisch.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Kommt der Pakt zwischen Nexter und KMW zustande, wäre das eine industriepolitische Zäsur in der Rüstungsbranche. Denn der deutsch-französische Verbund soll den Nukleus für eine möglichst umfassende Konsolidierung in der europäischen Panzerindustrie bilden. Mit KMW und Nexter verbünden sich zunächst die letzten beiden Unternehmen, die ausschließlich vom Verkauf schweren Kriegsgerätes leben. Der Partner aus München setzt mit 3000 Beschäftigten etwa eine Milliarde Euro im Jahr um und verfügt damit über eine ähnliche Größe wie sein Pendant in Frankreich. Nicht von ungefähr sprechen die Manager von einem „Zusammenschluss unter Gleichen“, bei dem die Führungspositionen künftig paritätisch besetzt werden.

          Der geplante Pakt zwischen KMW und Nexter erfolgt in einer Zeit, in der die Rüstungsetats der westlichen Nato-Länder schrumpfen. So fielen bei KMW jüngst Aufträge von langjährigen Großkunden wie Spanien oder Griechenland weg, auch die Bundeswehr kürzt seit langem Bestellungen. Erschwerend kommt hinzu, dass bei westlichen Streitkräften die einst zur Abwehr einer sowjetischen Invasion konstruierten Waffen heute kaum mehr gefragt sind. Der Umsatz von KMW sackte seit 2008 von 1,4 Milliarden Euro zwischenzeitlich auf rund 800 Millionen Euro ab. Doch angesichts eines hohen Auftragsbestandes von etwa 4 Milliarden Euro sei die Beschäftigung in den Werken in München und Kassel für die Dauer der Aufträge bis 2018 gesichert, sagte Frank Haun, der Vorstandsvorsitzende von KMW dieser Zeitung. Auf mittlere Sicht wird es jedoch immer wichtiger, neue Abnehmer in Ländern außerhalb der EU oder Nato zu gewinnen. Doch gerade der Export von Waffen in die Golfstaaten, deren Rüstungsetats mitunter zweistellig zulegen, ist hierzulande aus politischen Gründen heftig umstritten.

          Der letzte Großauftrag für den „Leopard 2“ erreichte KMW aus Katar. Das Wüstenemirat bestellte im vergangenen Jahr 62 Leos und 24 Panzerhaubitzen im Wert von insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Die Lieferung an das autoritäre Regime hatte im Frühjahr 2013 noch die liberal-konservative Regierung abgesegnet. Unter der Ägide des neuen Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD) werden solche Rüstungsexporte sehr viel strenger kontrolliert. Der SPD-Chef pocht darauf, die Ausfuhr von Kriegsgerät außerhalb der EU- und Nato-Staaten sehr viel restriktiver zu gestalten.

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