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Lektüre : Kinderbücher sind eine Stütze des Buchhandels

  • -Aktualisiert am

Die kleinsten Leser machen momentan mitunter den größten Umsatz Bild: dpa

Nach der Belletristik sind Kinder- und Jugendbücher für den Buchhandel das wichtigste Segment. Und sie bringen die stabilsten Umsätze. Aber auch hier wird die Konkurrenz des Internets immer stärker.

          Am Kind wird nicht gespart. Während der deutsche Buchhandel im bisherigen Jahresverlauf insgesamt einen Umsatzrückgang von 2 Prozent und der stationäre Buchhandel sogar einen von fast 5 Prozent hinnehmen musste, ist der Umsatz mit Kinder- und Jugendbüchern um 1 Prozent gestiegen. Die Kinder- und Jugendbücher haben damit zu einem großen Teil die Umsatzrückgänge in der Belletristik (minus 2 Prozent), bei Ratgebern (minus 5) oder Lexika (minus 13 Prozent) ausgeglichen. Mehr als jedes zweite Kinder- und Jugendbuch (53 Prozent) wird über den stationären Bucheinzelhandel verkauft.

          Aber verlassen kann sich der Buchhandel auch auf seine jüngsten Kunden nicht. „Das Kinderbuch ist nämlich auch im Internet die treibend Kraft“, sagt Johannes Hauenstein, Geschäftsführer des Ravensburger Buchverlages. Es werden schon 23 Prozent aller Kinderbücher über das Internet verkauft, und der Umsatz mit Kinderbüchern im Internet ist in diesem Jahr bisher um 12 Prozent gestiegen. Vor allem aber werden die Erlöse mit elektronischen Kinderbüchern (E-Books) steigen. Sie liegen noch bei gerade einmal 3 Prozent. Und im Hause Ravensburg - bei Kinder- und Jugendbüchern in Deutschland einer der beiden größten Anbieter - erreicht der E-Book-Umsatz gerade 1 Prozent des Gesamtumsatzes.

          Ein Buch, das einer App nachempfunden wurde

          „Da tut sich aber viel“, bestätigt die Programmgeschäftsführerin Ulrike Metzger. Die Steigerung bis Ende September habe gegenüber dem Vorjahr 252 Prozent betragen. „Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzt“, sagt Metzger. Obwohl der Markt der Kinder- und Jugendbücher bisher recht stabil ist, lag der Umsatz bei Ravensburger bis Ende September um 5,6 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahresumsatz. Ausgeblieben seien die Aufträge ausgerechnet aus dem stationären Buchhandel. Eine dramatische Situation will Hauenstein darin nicht erkennen. Er geht davon aus, dass bis zum Jahresende der Vorjahresumsatz von 71 Millionen Euro wieder knapp erreicht werden wird. Es liege nicht an den Produkten des in vielen Bereichen führenden Kinderbuchverlages.

          Die Ausverkäufe aus dem Handel lägen auf Vorjahresniveau. Aber der Handel baue Vorräte ab und disponiere vorsichtiger und in viel kleineren Mengen als früher, vor allem aber immer später. Das Weihnachtsgeschäft, das früher einmal alle Hersteller und Händler entzerren wollten, schnurrt auf immer weniger Wochen vor dem Fest zusammen. Wurden 2007 bei Ravensburger noch 25 Prozent des Umsatzes im letzten Quartal des Jahres realisiert, sind es heute mehr als 30; war 2007 der Dezember mit knapp 7 Prozent Umsatzanteil eher ein schwacher Monat, gehört er heute mit mehr als 10 Prozent Anteil am Jahresumsatz zu den zwei stärksten Monaten im Jahr. Ravensburger trägt dieser Umsatzverdichtung im letzten Quartal Rechnung, indem immer häufiger Neuerscheinungen dorthin verlegt werden und die Werbung erst kurz vor Weihnachten richtig angestoßen wird.

          Im Sommer aufgelegte Bücher hätten am Anfang lange Durststrecken mit geringen Verkaufszahlen, sagt Metzger. In diesem Herbst will Ravensburger seine Klassiker stärken. Die Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ (seit 1998 wurden mehr als 5 Bände und mehr als 22 Millionen Bücher verkauft) werde erneuert und der erst vor zwei Jahren eingeführte Elektronikstift Tiptoi (inzwischen eine Million Mal ausgeliefert) wird um weitere Anwendungsbücher ergänzt. Dass nicht nur Bücher ins Internet abwandern, sondern von dort auch Ideen zwischen zwei Buchdeckeln verkaufbar sind, zeigt das Buch „Schlag gut“, das einer erfolgreichen App (140.000 Mal verkauft) nachempfunden wurde - und sich als Buch bisher auch 25.000 Mal verkaufen ließ.

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