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Xiaomi-Chef Lei Jun : Der neue Steve Jobs?

Xiaomi-Gründer Lei Jun. Bild: Reuters

Lei Jun leitet den Smartphonehersteller Xiaomi - und der ist jetzt 45 Milliarden Dollar wert. Lei Juns Ziel: der Angriff auf die ganz Großen.

          Ja, auch Lei Jun hat in seinem Leben schon Fehler gemacht. In einem Interview im November berichtete er von einer krassen Fehleinschätzung vor vier Jahren. Damals habe er gedacht, Xiaomi – dessen Aussprache wie „Schaomie“ klingt – dürfte wohl nur 10 Milliarden Dollar wert sein. Schließlich habe er bis dahin allenfalls mit Unternehmen gearbeitet, deren Wert sich in einer Größenordnung von einer Milliarde Dollar bewegte, erläuterte Lei. Und nun das: Möglicherweise muss sich der Gründer des Smartphone-Herstellers Xiaomi bald mit dreistelligen Milliardenzahlen anfreunden.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn der Handy-Produzent wird nach einer neuen Finanzierungsrunde mit sage und schreibe 45 Milliarden Dollar bewertet. Das gerade vier Jahre alte Unternehmen gehört damit zu den teuersten nicht börsennotierten Technologiefirmen. Investoren wie Private-Equity-Gesellschaften, Staatsfonds und Internetkonzerne haben jüngst insgesamt 1,1 Milliarden Dollar frisches Geld zur Verfügung gestellt, wie Lei in dieser Woche über den Kurznachrichtendienst Weibo bekanntgab. Die Liste der Geldgeber schmücken bekannte Namen – unter anderem steht Jack Ma darauf, der mit seinem Onlineshop Alibaba im Herbst den größten Börsengang der Welt hingelegt hat.

          Lei ist auf gutem Wege, es Ma gleichzutun. Xiaomi gilt als ein Senkrechtstarter in der hartumkämpften Smartphonebranche. Außerhalb Asiens noch weitgehend unbekannt, entwickelte sich die Firma innerhalb von nur drei Jahren zum drittgrößten Hersteller von Mobiltelefonen, gleich hinter Samsung und Apple. Schon im kommenden Jahr wollen die Chinesen 100 Millionen Geräte verkaufen und damit dem bislang unangefochtenen Marktführer Samsung eng auf die Pelle rücken.

          Lei Jun ist der „Steve Jobs Chinas“

          Lei, der vor zwei Wochen seinen 45. Geburtstag gefeiert hat, macht auf den ersten Blick einen unauffälligen Eindruck. Glatte schwarze Haare, lockeres schwarzes T-Shirt, Jeans. Wer ihn aber genau in diesem Outfit schon auf einer Firmenpräsentation erlebt hat, weiß: Hier steht ein Manager mit unbändigem Ehrgeiz und großen Ambitionen, der wenig dem Zufall überlässt. Gerne ziehen Beobachter den Vergleich mit Apple: Lei sei der „Steve Jobs Chinas“. Zumindest wenn es um die Kategorie Selbstbewusstsein geht, lässt Lei nichts anbrennen: „Ich hoffe, mit unseren Anstrengungen können wir Apple ein wenig unter Druck setzen“, sagte er einmal.

          Xiaomi und Apple, Lei und Jobs – das sind in der Tat interessante Beziehungen. Xiaomi verdankt seinen kometenhaften Aufstieg tatsächlich auch den Amerikanern. Mit Smartphones, die ihre Ähnlichkeit zum iPhone kaum verleugnen konnten, begann der Aufstieg des Unternehmens. Das simple Rezept: Design-Handys, aber billig. Während Apple in der Liga jenseits von 500 Euro unterwegs ist, finden sich „Mi“-Modelle schon für Preise von deutlich weniger als 200 Euro.

          Im Hause Apple haben die Aktivitäten der Chinesen schon für erheblichen Unmut gesorgt. Designchef Jony Ive ärgerte sich öffentlich. Wobei Lei ein ganz anderes Format anstrebt als das eines billigen Kopisten. Üblicherweise würden chinesische Unternehmen als „Copycats“ betrachtet, sagt Chetan Sharma, ein Berater, der auf Mobilstrategien spezialisiert ist. Lei dagegen strebe eine chinesische Marke an, die es mit den legendären Unternehmen in der Branche aufnehmen könne. Tatsächlich sieht sich der Gründer weniger als Smartphonehersteller denn als Internet-Unternehmer. Sein Unternehmen ähnele zwar ein wenig Apple, sagte er im vergangenen Jahr – gleiche aber eher dem Onlinehändler Amazon und in einigen Elementen auch Google. Das Smartphone, so Leis Fazit, sei nur der Transportweg – für die Inhalte seiner Softwareplattform. Tatsächlich bietet Xiaomi inzwischen weit mehr als nur Internethandys an. Smart-TV-Geräte, Tabletcomputer, Fitness-Armbänder – die ganze Gerätepalette gehört künftig zu Xiaomis Produktportfolio.

          Analysten zeigten sich im Verlauf des kurzen Firmenlebens immer wieder überrascht, was Gründer Lei geschaffen hat. „Für ein Start-up-Unternehmen ist es ziemlich eindrucksvoll, was sie erreicht haben“, sagte Sandy Shen, Analyst des Marktforschungsunternehmens Gartner im vergangenen Jahr und zeigte sich zugleich skeptisch. Die Frage sei, wie Xiaomi seien Marktanteil erweitern wolle über das enge Segment hinaus, das das Unternehmen anstrebe.

          Solche Frage stellt heute kaum jemand mehr. Lei – Kind einer nach eigenen Angaben normalen Familie, verheiratet, zwei Kinder, Selfmade-Milliardär mit einem geschätzten Vermögen von rund 9 Milliarden Dollar – wird heute alles zugetraut. Für seien Erfolg spricht auch, das der „Kopierer“ inzwischen selbst kopiert wird. Vom allerneuesten Xiaomi-Modell Mi-4 gibt es inzwischen tatsächlich chinesische Billigvarianten. Wenn es stimmt, dass Abgekupfertwerden die höchste Form des Lobes ist, hat Lei Jun sein Ziel mehr als erreicht.

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