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Lebkuchen-Unternehmer Bühlbecker : „Wir nehmen Weihnachten nicht vorweg“

  • Aktualisiert am

Hermann Bühlbecker neben einem Fließband mit Printen Bild: dpa

Ein Drittel der Deutschen will ein Verbot von Weihnachtsgebäck im September. Hermann Bühlbecker, Inhaber von Lambertz, sieht dafür keinen Grund. Nikoläuse das ganze Jahr über soll es aber nicht geben.

          Lambertz ist einer der größten und ältesten Hersteller von Jahres- und Saisongebäck in Deutschland. Zur Firmengruppe gehören Marken wie Kinkartz, Haeberlein-Metzger oder Weiss. Die Produktpalette reicht von Gebäckmischungen über Printen und Elisen-Lebkuchen bis zum Dresdner Christstollen. Längst hat das in Aachen ansässige Unternehmen die deutschen Grenzen überschritten: In sieben Produktionsstätten, darunter einem Werk in Polen, erarbeiten rund 3400 Beschäftigte einen Umsatz von zuletzt 562 Millionen Euro. In den Monaten September bis Dezember ist Hochsaison. Verständlich, dass Inhaber Hermann Bühlbecker von einem Verbot „zu früher“ Weihnachtsware rein gar nichts hält.

          Herr Bühlbecker, Hand aufs Lebkuchenherz: Brauchen wir schon im Sommer Weihnachtsgebäck?

          Es gibt keinen sachlichen Grund, warum diese Produkte nicht im September angeboten werden sollten. In Osteuropa werden solche Produkte das ganze Jahr über verkauft.

          Ein Vorbild für Deutschland?

          Nein, das wäre nicht unbedingt sinnvoll. Das passt nicht zu unserer Tradition. Und außerdem wächst das Interesse der Leute, wenn es bestimmte Waren einige Monate nicht mehr zu kaufen gibt und sie dann irgendwann wieder in den Läden zu finden sind.

          Greifen Sie persönlich denn jetzt schon zu?

          Ich muss mich das ganze Jahr über damit beschäftigen, weil wir ja häufiger neue Rezepturen testen. Aber in der zweiten Septemberhälfte greife ich auch direkt gerne zu Honig-Printen und Lebkuchen.

          Können Sie es nachvollziehen, wenn sich ein Drittel der Deutschen für ein Verbot ausspricht, Weihnachtsgebäck „zu früh“ zu verkaufen?

          Noch sind wir in Deutschland nicht so weit, dem Verbraucher per Gesetz vorzuschreiben, wann er welche Produkte kaufen kann. Und würden die Verbraucher sich wirklich genervt fühlen, würden sie doch diese Produkte nicht kaufen. Durch sein Kaufverhalten entscheidet der Verbraucher bewusst anders.

          Aber „Weihnachtsgebäck“ scheint logisch und kulturell irgendwie an Weihnachten gebunden.

          Wir haben keine frühzeitigen Weihnachtsangebote. Die Produkte, die wir derzeit in den Märkten anbieten, sind aus unserer Sicht Herbstgebäcke. Wir verwenden keinerlei weihnachtliche Motive, weder Weihnachtsbäume oder Nikoläuse noch Sterne oder Glocken. Auch bieten wir keine Adventskalender an. Wir nehmen also Weihnachten nicht vorweg.

          Welchen Einfluss hätte ein Lebkuchenverbot auf Ihr Geschäft?

          Natürlich würde ein solches Gesetz massive Einflüsse auf die Umsätze der Firmen und die Beschäftigtenzahlen in der deutschen Süßwarenindustrie haben. Schließlich werden in den Monaten September und Oktober bereits große Teile des gesamten Jahresumsatzes mit Saisongebäck getätigt: rund ein Drittel. Wenn das wegfiele und man erst im November mit dem Geschäft beginnen dürfte, brauchte man natürlich auch deutlich weniger Beschäftigte.

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