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Lebensversicherungen : Teure Kündigung

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Wirtschaftliche Notlagen sind der Hauptgrund für viele, ihre Lebensversicherung zu kündigen. Doch die Auszahlung der Versicherungssumme lohnt sich meist nicht. Policenaufkäufer zahlen bis zu sieben Prozent mehr.

          Wirtschaftliche Notlagen sind der Hauptgrund für die Kündigung der Lebensversicherung - das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Cash Life AG. Die Studie zeigt, daß überdurchschnittlich viele Lebensversicherte mit geringem Einkommen ihre Lebensversicherung kündigen - eine für die Versicherten in der Regel äußerst unrentable Entscheidung.

          Vor allem die Tilgung von Schulden geben die Befragten als Motiv der Kündigung an: 36 Prozent der Befragten haben ihre Police gekündigt, um Schulden abzuzahlen. Rund 18 Prozent der Befragten geben Arbeitslosigkeit als Motiv für die Kündigung ihres Versicherungsvertrags an. Nur zwei Prozent der Befragten gaben an, ihre Police wegen der Neuregelung des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV) gekündigt zu haben.

          Notlagen sind häufigster Kündigungsgrund

          Zwar gibt es keine offiziellen Statistiken über die Beweggründe der Versicherten, ihre Police zu kündigen, aber auch beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht man in Notlagen der Betroffenen den häufigsten Kündigungsgrund: „Akuter Finanzbedarf ist einer der Hauptgründe - die Versicherten wissen in der Regel schon, daß eine Kündigung renditeschädlich ist“, heißt es beim GDV. In der Tat kann eine Kündigung der Lebensversicherung - vor allem in frühen Jahren - sehr teuer werden.

          Der Grund dafür liegt in der Provisionierung der Verträge: Die Beiträge der ersten Jahre werden dazu verwendet, die Kosten der Versicherung - also vor allem die Provision des Versicherungsvertreters - zu bezahlen. Wer also nach einem oder zwei Jahren seine Police kündigt, erhält in der Regel nichts zurück, das Geld ist dann mehr oder weniger komplett beim Vertrieb gelandet.

          Oftmals unangenehme Überraschung

          Das kann durchaus ein ordentlicher Betrag sein: Bei einem Vertrag mit einer Laufzeit von 30 Jahren und mit einer monatlichen Beitragszahlung von 100 Euro summiert sich der Betrag, der an den Vertrieb geht, rasch auf eine Größenordnung von 1.500 Euro. Damit zahlt der Versicherte in etwa die ersten 15 Monate die Kosten seines Vertrags ab, bevor der Vertrag überhaupt einen positiven Rückkaufwert bekommt.

          Oftmals entwickelt sich die Kündigung des Versicherungsvertrags für die Versicherten damit zu einer unangenehmen Überraschung: Laut Umfrage kennt knapp die Hälfte der Befragten nicht den aktuellen Wert ihrer Lebensversicherung - um so mehr ist man dann überrascht, wenn das vermeintliche Guthaben aus dem Vertrag nicht vorhanden ist.

          Aufkäufer erhalten Schlußgewinnanteil

          In diese Lücke stoßen Anbieter wie die Cash Life AG oder die Konkurrenten Policendirekt, CFI Fairpay und GAP Management: Sie kaufen dem Versicherten ihre Lebensversicherung ab, übernehmen die Prämienzahlung und erhalten dafür am Ende der Laufzeit das angesparte Kapital. Der Preis, den der Kunde für seine Police erhält, liegt über dem rechnerischen Rückkaufswert, den die Versicherung bei Rückgabe der Versicherung zahlt, aber unter dem Endfälligkeitswert, den der Kunde erhält, wenn er die Police bis zum Schluß hält.

          Die Differenz zwischen dem Endfälligkeitswert und dem Kaufpreis ist die Marge für den Aufkäufer. Damit geht auch der sogenannte Schlußgewinnanteil an den Aufkäufer der Police. Dieser ist eine Art Treuebonus dafür, daß der Kunde den Vertrag bis zum Ende wahrnimmt. Sollte ein Todesfall eintreten, dann wird die Differenz zwischen dem Aufwand des Aufkäufers und der Auszahlungssumme im Todesfall an den ursprünglich in der Police als Begünstigten Eingetragenen ausgezahlt.

          Bis zu sieben Prozent Mehrerlös mit Policenaufkäufern

          Immerhin: Bis zu sieben Prozent Mehrerlös gegenüber der Kündigung des Vertrages versprechen die Policenaufkäufer ihren Kunden. Doch noch steckt dieser Markt für gebrauchte Lebensversicherungen in den Kinderschuhen: Gerade einmal drei Prozent der Befragten haben ihre Police verkauft, statt sie zu kündigen.

          Mehr Potential bietet dieses Geschäft allemal: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft weist die jährliche Stornoquote mit 5 Prozent der laufenden Beiträge aus. Allerdings stecken in dieser Zahl auch die Verträge, bei denen die Versicherten nur die Beitragszahlung aussetzen - das ist oftmals eine einfache und rentablere Alternative zur Kündigung.

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