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Lebensmittel : Brotpreise schlagen Franzosen auf den Magen

Vive la baguette libre !

Vive la baguette libre ! Bild: picture-alliance/ dpa

Die Brotpreise sind in Frankreich ein Politikum. Für Aufregung sorgt in diesen Tagen, dass ein Baguette mancherorts erstmals einen Euro kostet. Sogar die zuständige Ministerin ist bereits alarmiert.

          2 Min.

          Sie trugen einst dazu bei, die Französische Revolution zu entfachen; Karl Marx machte sich später über ihre Regulierung durch Kaiser Napoleon lustig, und erst 1978 wurde ihre behördliche Festsetzung aufgehoben: Die Brotpreise sind in Frankreich heute zwar frei, aber immer ein Politikum. Für Aufregung sorgt in diesen Tagen, dass die Bäckereien eine Erhöhung um fünf Cents je Baguette angekündigt haben. Damit wird die klassische Weißbrotstange mancherorts erstmals einen Euro kosten.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde hat die Brisanz erkannt, liegt ihrem Vorgesetzten, Staatspräsident Nicolas Sarkozy, doch wenig mehr am Herzen, als die Kaufkraft der Franzosen zu stärken. Sie habe die Generaldirektion für Wettbewerb, Konsum und Betrugsbekämpfung alarmiert, um darüber zu wachen, dass die Brotpreise nicht stärker steigen als die Rohstoffkosten der Bäckereien, sagte Lagarde.

          Mehl um 40 bis 60 Prozent teurer

          Die Brothersteller rechtfertigen die Preissteigerungen mit den rasant steigenden Getreidekosten gerechtfertigt, die das Mehl verteuern. Die Getreidepreise haben sich in der Tat stark erhöht, seit große Länder wie Indien und China aufgrund ihres Futterbedarfs für die Fleischproduktion die Nachfrage antreiben und die EU von ihren Marktinterventionen ablässt.

          „Hinzu kommt eine schlechte Ernte in den großen Anbaugebieten der Ukraine und Australien sowie die wachsende Konkurrenz durch die Energiepflanzenproduktion“, sagt Philippe Godard vom Verband der Großbäckereien. Das Mehl habe sich in einem Jahr um 40 bis 60 Prozent verteuert. Die Bäcker machen es sich in den Augen der Wirtschaftsministerin mit diesem Hinweis zu leicht. „Das Mehl steht nur für 5 Prozent der Herstellungskosten“, warf sie ein. Ihr erscheine die angekündigte Preiserhöhung von 8 Prozent „etwas hoch“.

          Verteuerung durch erhöhten Mindestlohn

          Unter den Bäckermeistern lösen diese Kommentare Verwunderung aus. „Ich bin etwas überrascht, schließlich leben wir in einem Land, das sich frei nennt. Die Brotpreise sind längst nicht mehr reguliert“, sagt Jean-Pierre Crouzet, Präsident der Vereinigung der Kleinbäcker. Einschreiten könnte die Ministerin allenfalls, wenn der Wettbewerb nicht richtig funktioniere, was bei den 34.000 Bäckereien im Lande aber nicht zu vermuten sei. Gerade die Löhne stünden für fast 50 Prozent der Herstellungskosten eines Brotes, und Crouzet erinnert daran, dass die staatlich verordnete Erhöhung des Mindestlohnes in diesem Jahr von 2,1 Prozent auch ihren Teil zu Brotpreissteigerung beitrage.

          Die Konsumentenvereinigungen stehen auf Seite der Regierung: Mag sein, dass eine Tonne Getreide auf dem Weltmarkt heute mit 237 Euro fast doppelt so teuer sei, wie vor einem Jahr. Doch als zwischen 1992 und 2006 der Preis für eine Getreidetonne von 190 auf 125 Euro fiel, stieg der Baguette-Preis von 53 auf 80 Centimes, wettert der Verbraucherverband CLCV.

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