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Le Bourget : Flugzeughersteller auf dem Indien-Trip

Zahlungskräftige Kundschaft Bild: REUTERS

Wem der ökonomische Aufstieg Indiens bisher entgangen war, weiß seit der Luftfahrtschau von Le Bourget mehr: Dank der Inder hellten sich die Gesichter der Airbus-Manager sichtbar auf. Beim Ergattern von neuen Aufträgen hatten sie die Nase klar vor Boeing.

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          Wem der ökonomische Aufstieg des Riesenreiches Indien bisher entgangen war, weiß seit der Luftfahrtschau von Le Bourget mehr: Dort haben indische Fluggesellschaften den Herstellern unerwarteten Rückenwind verschafft. Bis zum Donnerstag orderten sie Flugzeuge im Wert von 13 Milliarden Dollar. "Wir beobachten dramatisches Wachstum auf dem indischen Markt. In der Vergangenheit war er künstlich geschützt, doch jetzt gibt es überraschend viele neue Anbieter", freut sich John Leahy, der Airbus-Verkaufschef.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der jüngste Fang des europäischen Flugzeugherstellers war am Donnerstag ein Auftrag der indischen Billigfluggesellschaft Indigo, die bei Airbus hundert Jets aus der Familie der kleineren A320 im Wert von rund 6 Milliarden Dollar bestellte. Am Tag zuvor hatte Kingfisher Airlines fünf Modelle des Großraumfliegers A380 sowie des etwas kleineren A350 im Wert von rund 3 Milliarden Dollar in Auftrag gegeben. Die Auftragswerte entsprechen freilich den Listenpreisen. Es ist davon auszugehen, daß Airbus heftige Preisnachlässe gewährt hat, denn der Wettbewerb mit Boeing tobt. Dennoch zeigen die Großaufträge aus Indien im Gesamtwert von 13 Milliarden Dollar, die teilweise auch an Boeing gingen, wie finanzstark die Kunden in dem bevölkerungsreichen Land geworden sind.

          Flugzeuge und Bier

          Kingfisher gehört zur UB-Gruppe, die sich als Anbieter von Kingfisher-Bier auch als zweitgrößte Brauerei der Welt bezeichnet. Airbus-Verkäufer Leahy nannte den Eigentümer und Chairman Vijay Mallya einen "indischen Richard Branson", denn wie der Engländer engagiert sich Mallya auf zahlreichen Geschäftsfeldern, vom Brautkleid bis zum Zugbetrieb. Kingfisher ist als Fluggesellschaft erst in diesem Jahr an den Start gegangen, Indigo will in Kürze folgen. Der Luftverkehr in Indien wächst nach Aussage von Experten derzeit doppelt so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt.

          Dank der Inder hellten sich die Gesichter der Airbus-Manager sichtbar auf. Beim Ergattern von neuen Aufträgen hatten sie die Nase klar vor Boeing, denn bis Donnerstag beliefen sich die Bestellungen für die Europäer auf rund 28 Milliarden Dollar. Boeing kam dagegen nur auf rund die Hälfte. Der Messewirbel darf freilich nicht überbewertet werden: Die Amerikaner verfolgen weitgehend die Politik, die Ankündigung neuer Aufträge nicht bis zu einer Luftfahrtschau zurückzuhalten. Der Airbus-Konzern dagegen will gerade auf dem Flugsalon von Le Bourget, den er als Heimspiel betrachtet, den Medien möglichst viele Jubelmeldungen liefern. In diesem Jahr gilt das besonders, denn im Vorfeld der Flugschau war Airbus aufgrund der ungelösten Führungskrise sowie des Rückstandes beim Langstreckenflieger A350 vor allem durch negative Schlagzeilen aufgefallen (siehe auch: Schrempp verspricht Ende des Führungsstreits bei Airbus).

          Die Zukunft in helleren Farben

          Airbus sieht sich auch deshalb im Aufwind, weil der Star der Veranstaltung, der Großraumflieger A380, selbst dem Erzrivalen Boeing nach Aussagen verschiedener amerikanischer Führungskräfte zumindest in technischer Hinsicht Respekt abringt. Airbus ließ den A380 in Le Bourget jeden Tag abheben. Die Testpiloten, der Franzose Jacques Rosay und der Deutsche Wolfgang Absmeier, nutzten die Flugschau für weitere Versuchsflüge. Bis zum Donnerstag hat das Flugzeug, das mehr als 800 Personen transportieren kann, aber in den meisten Versionen voraussichtlich nicht mehr als 600 Menschen mitnehmen wird, schon 30 Testflüge absolviert. Nach Auskunft von Airbus läuft alles nach Plan. Die Verzögerungen von bis zu sechs Monaten bei der Auslieferung an die Kunden habe nichts mit den Flugeigenschaften, sondern mit der Ausstattung der Maschine im Inneren zu tun, die sich im Produktionsprozeß unter anderem aufgrund der komplizierten Verkabelung als schwierig erweise, heißt es.

          Airbus malt die nahe Zukunft somit wieder in helleren Farben. Vor dem Flugsalon hatte EADS-Finanzchef Hans-Peter Ring noch in Aussicht gestellt, erstmals seit 2000 bei den Bestellungen in diesem Jahr wieder hinter Boeing zurückzufallen. Nach den ersten vier Tagen von Le Bourget, klingt das jetzt anders. "Warten wir mal ab. Das Jahr ist noch nicht zu Ende", sagte Gustav Humbert, derzeit die Nummer zwei bei Airbus und designierter Nachfolger von Airbus-Chef Noel Forgeard. Im übrigen müsse man auch auf die Profitabilität der Aufträge achten. Marktanteile zu ergattern sei nicht das erste Ziel, sondern profitabelster Flugzeugbauer der Welt zu werden, sagte er.

          Welche Rolle dabei Subventionen spielen werden, ist weiter offen. Immerhin: Im Angesicht eines langwierigen Streits vor der Welthandelsorganisation gaben sich Airbus und Boeing auf der Flugschau eher versöhnlich.

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