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Schrumpfkurs : Postbank schließt 2020 kaum Filialen

Ganz verschwinden wird die Marke nicht - aber einiges von der Postbank schon. Bild: dpa

Die Postbank wird in diesem Jahr kaum Filialen geschlossen haben. Die Deutsche Bank möchte zwar das Tempo beschleunigen, doch daran glaubt niemand. Dafür wird sie die Postbank-IT los und zahlt dafür 120 Millionen Euro.

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          Die Deutsche Bank als Eigentümer der Marke Postbank wird in diesem Jahr höchstens 20 von 800 Postbank-Filialen schließen. Damit halbiert sich ausgerechnet in der Corona-Krise und gegen den Branchentrend das Schließungstempo, sind doch in den vergangenen sechs Jahren im jährlichen Durchschnitt 40 Postbank-Filialen weggefallen.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Sprecher der Postbank sagte am Montag, die Postbank komme zusammen mit der Deutschen Post gerade während der Corona-Pandemie ihrem Grundversorgungsauftrag nach. Im ersten Lockdown im Frühjahr sei so gut wie keine Filiale geschlossen gewesen, weil fast alle Mitarbeiter gesund geblieben seien. Mit den aktuell steigenden Infektionszahlen müssten zunehmend Filialen für einige Tage schließen, würden dann aber wieder geöffnet. Andere Kreditinstitute dagegen haben seit einiger Zeit viele Filialen nicht geöffnet. Die Commerzbank etwa hält 400 von 1000 Filialen geschlossen, 200 davon werden nie wieder öffnen.

          Auch in der Postbank dürfte das Schließungstempo wieder zunehmen. Der Eigentümer Deutsche Bank wünscht sich Spielraum, um künftig mehr als 50 Filialen im Jahr zu schließen. Dafür müsste aber ein Vertrag zwischen Deutscher Bank und Deutscher Post verändert werden. Die Chancen, dass dies bald gelingt, gelten als gering. Doch ihren Sparkurs im Privatkundengeschäft setzt die Deutsche Bank fort. 100 von gut 500 Deutsche-Bank-Filialen sollen zügig geschlossen werden. Und die lange aufgeschobene Integration der Postbank hat Folgen: Die Postbank-IT-Sparte wird an TCS verkauft, den IT-Dienstleister der indischen Tata-Gruppe - zu einem negativen Kaufpreis, die Deutsche Bank teilte mit, sie zahle TCS für die Übernahme 120 Millionen Euro. Diese Belastung sei erwartet worden und könne nun früher gebucht werden.

          Nach Überführung auf die technische Infrastruktur der Deutschen Bank soll Mitte 2022 das IT-System der Postbank abgeschaltet werden. Dann wären die 1500 Mitarbeiter der Postbank-IT-Sparte ohne Aufgabe. Durch den Verkauf an TCS spart sich die Deutsche Bank Abfindungen, der negative Kaufpreis ist damit billiger. Zudem wechseln die Mitarbeiter voraussichtlich zum Jahresende 2020 in ein wachsendes Unternehmen. TCS beschäftigt hierzulande 2000 Mitarbeiter und hilft derzeit 16 von 30 Dax-Unternehmen, darunter Bayer, Siemens und SAP, beim Betrieb der eigenen IT oder der Einführung neuer IT-Systeme. Bankkunden in Europa sind etwa BNP Paribas und ABN Amro.

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