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Landesbanken : West LB und Bayern LB loten Fusion aus

Bild: dpa, ddp

Die angeschlagenen Landesbanken Bayern LB und West LB beraten über einen Zusammenschluss. Das teilten die beiden Häuser am Montag mit. Wirtschaftsminister Brüderle hatte sich für eine „Flurbereinigung“ ausgesprochen.

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          Die West LB hat nach einer Reihe von Absagen einen Kaufinteressenten gefunden. Mit der Bayern LB hat die Düsseldorfer Landesbank Gespräche über eine Fusion vereinbart. Das teilten beide Landesbanken überraschend am Montag nach Aufsichtsratssitzungen mit. Die beiden Vorstandsvorsitzenden sollen schon seit dem Frühsommer die Verhandlungen angebahnt haben. Falls die Fusion gelingt, entstünde die nach Deutscher Bank und Commerzbank drittgrößte deutsche Bank. Die Bayern LB hat eine Bilanzsumme von 340 Milliarden Euro und 10 800 Mitarbeiter, die West LB verfügt über 240 Milliarden Euro Bilanzsumme und 5500 Mitarbeiter. Heinrich Haasis, der Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes, erklärte, eine Verbindung von West LB und Bayern LB könne einen Beitrag leisten, Risiken im Landesbankenbereich abzubauen und die Finanzstabilität zu verbessern.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Seit dem Jahr 2007 hat es viele Anläufe gegeben, die krisengeschüttelte West LB in der Sparkassen-Gruppe unterzubringen. Landesbank Baden-Württemberg, Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und Dekabank haben unabhängig von einander einen Zusammenschluss geprüft, wegen der Risiken der West LB aber verworfen. Der Bund musste sich daraufhin über den Bankenrettungsfonds Soffin mit 3 Milliarden Euro erstmals an einer Landesbank beteiligen. Wegen des von der EU-Kommission angeordneten Verkaufs der West LB, der noch in diesem Monat eingeleitet und bis Ende 2011 abgeschlossen sein muss, ist die Debatte um die Neuordnung der vielfach maroden acht deutschen Landesbanken neu aufgeflammt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Landesbankenvertreter für den 28. September eingeladen.

          Die Initiative kommt aus Bayern

          Der Vorstoß der Bayern LB ist indes der konkreteste in einer Reihe von Ideen, die bis zu einer Vierer-Fusion aus Helaba, Deka, West LB und Landesbank Berlin reichten. Der Mann hinter dem Fusionvorschlag aus München soll Gerd Häusler sein, seit April Vorstandsvorsitzender der Bayern LB. Der 59 Jahre alte Ökonom und Jurist hat offenbar gegenüber dem bayerischen Finanzminister und Verwaltungsratsvorsitzenden Georg Fahrenschon (CSU) die West LB ins Spiel gebracht und die Zusicherung erhalten, dass der Freistaat „jede wirtschaftlich sinnvolle Lösung“ mittrage. Einer „ergebnisoffenen Prüfung“ stehe der Verwaltungsrat der Bayern LB jedenfalls positiv gegenüber, hieß es.

          Tatsächlich muss auch Häusler wie sein Pendant Dietrich Voigtländer von der West LB sein Haus rentabel und damit verkaufsfähig machen. Im zweiten Quartal 2010 fiel die Bayern LB operativ wieder in die Verlustzone zurück. Häusler hat allerdings länger - bis zum Jahr 2014 - Zeit als Voigtländer. Dann will auch der bayerische Steuerzahler so viel Geld wie möglich von den eingesetzten 10 Milliarden Euro zurückhaben, die zur Rettung der Bayern LB vor knapp zwei Jahren nötig geworden waren. Anders als die West LB hat die Bayern LB das Beihilfeverfahren mit der EU-Kommission noch nicht beendet. Die Auflagen, die ihr zur Schrumpfung auferlegt werden, stehen damit noch nicht fest. Deshalb hatte kaum ein Beobachter damit gerechnet, dass sich die Bayern LB in die Zukunft der West LB einschalten würde, an der die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen die Mehrheit halten.

          Angestoßen hatte die jüngste Diskussion zur Neuordnung der Landesbanken vielmehr Eigner und Vorstand der Helaba. Sie hatten sich, nachdem die Helaba anders als die meisten Landesbanken gut durch die Krise gekommen ist, erstmals zu einer aktiven Rolle in der Konsolidierung bekannt, aber gleichzeitig hohe Hürden aufgestellt. Bayern LB und West LB hingegen wollen schon bis Jahresende wissen, ob „der Weg einer Fusion betriebswirtschaftlich sinnvoll“ ist. Im Zentrum der Untersuchungen stehe die künftige strategische Positionierung, die Refinanzierung sowie die Chancen und Risiken der Kombination beider Landesbanken, heißt es in der Mitteilung. Die neue Bank soll ihren Schwerpunkt in der Unternehmensfinanzierung haben. Zudem hätte sie 40 Prozent aller Sparkassen als Kunden.

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